Handeln statt schimpfen

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Beispielhaft: Heidrun und Manfred Schimpf haben in ihre denkmalgeschütze Immobilie in der Herrnstraße investiert.

Offenbach - Wenn es um das Erscheinungsbild der Innenstadt geht, dann wird mit großem Lob eher gespart. Zwar ist das oft berechtigte Gemecker mit Eröffnung des Einkaufszentrums KOMM weniger geworden, doch viele schimpfen noch immer. Von Matthias Dahmer

Doch gerade jene, die auch noch so heißen, die handeln: Das Ehepaar Heidrun und Manfred Schimpf, Eigentümer zweier Immobilien in der City, haben die historischen Gebäude in der Herrnstraße nach den bekannt strengen Vorgaben der Denkmalschützer im Rathaus erneuert. Herausgekommen ist eine Sanierung, die durchaus als beispielhaft gelten kann.

Und wer den Blick einmal hebt, über die Schaufenster der Geschäfte der Hausnummern 20 und 22 hinaus, der sieht ein architektonisches Kleinod.

25.000 Euro in die neue Fassade gesteckt

Schauen Sie, da oben. Das ist unser Familienwappen“, deutet Heidrun Schimpf auf den Giebel. Die beiden Häuser mit dem gemeinsamen Eingang, erbaut zwischen 1901 und 1914, hat ihr Vater Anfang der 60er-Jahre gekauft. Die Büttners, so der Mädchenname von Heidrun Schimpf, haben sich mit ihren Initialen in luftiger Höhe verewigt. 25.000 Euro hat das Ehepaar in die neue Fassade gesteckt. Einziger kleiner Streitpunkt mit der Denkmalschutzbehörde war die Farbe. Dass beide Immobilien in den gleichen Beige- und Brauntönen gestrichen sind, stieß im Rathaus zunächst auf Bedenken.

Die sind längst ausgeräumt, und „wir haben den Anfang gemacht“, sagt Manfred Schimpf mit Blick auf die sich anschließenden Häuser in der Herrnstraße. Ob sich auch dort in Sachen Fassade etwas tun wird, vermag er nicht zu sagen. Regelmäßiger Kontakt zu den Eignern der Nachbargebäude besteht nicht.

Noch mehr als der Außenputz, dessen Erneuerung für die Schimpfs zwecks Wert-erhalt ihrer Häuser selbstverständlich ist, beschäftigt sie die Verweildauer der Mieter in den beiden Ladengeschäften ihrer Immobilien. Auf den im Schnitt höchstens zweijährigen Verbleib von Billigläden wollten sie sich nicht mehr einlassen. Die zahlen zwar die höchsten Mieten, wie die Schimpfs berichten, doch oftmals renne man nach anfangs regelmäßigen Zahlungen seinem Geld hinterher. Mit den jetzigen Mietern wurden deshalb langfristige Verträge geschlossen. Freilich nicht, ohne vorher für einen satten Betrag die Läden umgebaut zu haben.

Vier bis fünf Monatsmieten im Voraus

Wenn das Umfeld stimmt, steigt auch die Investitionsfreude, erinnert der städtische Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger an das Aufblühen der Berliner Straße nach dem S-Bahn-Bau. Die gleiche Wirkung erhofft er sich vom KOMM.

Es gibt aber auch noch jene, die nur aufs schnelle Geld aus sind. Vermieter, die sich vier bis fünf Monatsmieten im Voraus bezahlen lassen und sich nicht um Kontinuität und Qualität in ihren Immobilien kümmern. „Das ist nicht in unserem Sinne“, sagt Amberger.

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