Taschenausstellung im Ledermuseum

Handliche Frauensache

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„Fish out of Water“: Lisa Farmers Taschen-Design orientiert sich an Insekten oder Tierkörpern und wirkt wie vom anderen Stern.

Offenbach - Keine Frau ohne Handtasche. So zumindest die Regel. Wie Männer ohne auskommen? Völlig unverständlich. Von Eva-Maria Lill 

Dass die modischen Begleiter viel mehr sind als Schminkstauraum und Allesaufbewahrer, zeigt die Ausstellung „Taschen!“ im Deutschen Ledermuseum, Frankfurter Straße 86. Sie wird heute um 18.30 Uhr feierlich eröffnet. Stücke von 16 Designern aus Deutschland, Italien, Portugal und den Niederlanden hat Dr. Rosita Nenno in Vitrinen gepackt. Darunter Klassisches und Kurioses: „Mir geht es um die Verbindung von Täschnerhandwerk und modernen Ansprüchen wie Langlebigkeit“, erläutert die Kuratorin. Thematische Schwerpunkte der Schau: Qualität, Recycling, Veredelung. „In der Lederwarenindustrie zählen der Mensch, das Material und das Geschick. Maschinen sind nur Hilfsmittel, Taschen entstehen nicht auf Knopfdruck“, verdeutlicht Nenno.

Gaby Glam hat an der Hochschule für Gestaltung beim legendären Portefeuiller Alfred Marinegh gelernt.

Die Ausstellung zeigt keine Massenware, sondern Kleinserien. Heimliche Kunstobjekte, winzige Schmuckstücke, teure Frauenträume. So etwa Gaby Glams Clutch-Taschen. Vier Exponate glänzen hinter Glas. Das Besondere: Filigrane Muster aus 23-karätigem Blattgold, die in Handarbeit aufgetragen werden. Mehr als Mode-Objekt, beinahe schon Statussymbol. Extravagantes gibt es auch vom Luxus-Label Vlieger & Vandam. Um ein politisches Ausrufezeichen hinter die Straßenkämpfe in Rotterdam zu setzen, arbeitet das Designer-Pärchen mit Reliefs. Pistolen, Messer und schwere Ketten drücken sich durch feinstes Rindsleder. Kosten für ein Stück Rebellenkultur: 700 Euro.

In einem ähnlichen Preissegment liegen die skurrilen Arbeiten der US-Amerikanerin Lisa Farmer. Ihre Kollektion wirkt außerirdisch. Ein weinroter Taschenfisch, zwei geheimnisvolle Käferbeutel. Handgroße Flügel lassen sich per Reißverschluss öffnen, unter Fühler passt das Kleingeld. Die Grenze zwischen Ornament und Gebrauchsgegenstand verschwimmt. Ihr „Fish out of Water“ macht sich unter Museumslicht ebenso gut wie am Handgelenk einer Dame. Auch die Hochschule für Gestaltung Offenbach ist vertreten. Janina Albrecht entwickelte ein Transportsystem für Radfahrer. Mit ihren cleveren Taschen kommen Anzug und Kostüm knitterfrei ins Büro. Karen Häcker legt Wert auf Umweltbewusstsein: Ihre Reisetasche ist aus Abfällen der Automobilindustrie gefertigt. Bei der Eröffnung sind viele Designer anwesend und freuen sich auf anregende Gespräche. Die Ausstellung läuft bis zum 26. April.

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