Zahlreiche Plattformen im Internet

Handwerker per Mausklick finden

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Auftrag formulieren, abschicken, auf Angebote warten: Nach diesem Prinzip funktionieren Handwerksplattformen im Internet.

Offenbach - Handel und Handwerk sind in einem tiefgreifenden Umbruch: Die Online-Konkurrenz macht vielen stationären Anbietern zu schaffen, Kundenansprüche wie Einkaufsverhalten haben sich geändert. Von Sebastian Schwarz 

In der Serie „Handel im Wandel“ beleuchtet unsere Zeitung die Facetten des Umbruchs. Heute geht es um Handwerksangebote, die Internet und bestehende Dienstleister zusammenbringen. Wer früher auf der Suche nach einem Handwerker war, musste erstmal die Gelben Seiten in die Hand nehmen, blättern und anschließend etliche Telefonate führen. Heute reichen wenige Klicks im Internet und der eigene Bauauftrag kann online ausgeschrieben werden. Möglichen machen das Vermittlungsportale wie MyHammer oder Blauarbeit. Dort müssen die Nutzer nur noch ihre Bauaufträge einstellen und anschließend darauf warten, dass Handwerker ihnen ein Angebot machen. „Wir sind ein umgekehrtes Branchenbuch“, beschreibt Ramin Ziai, Geschäftsführer von Blauarbeit, das Konzept seines Unternehmens. Der Auftraggeber beschreibe seinen Wunsch und lasse dann die Handwerker auf sich zukommen. Die Internet-Plattformen übernehmen dabei die Rolle eines Vermittlers zwischen Auftraggeber und Handwerker.

Das war allerdings nicht immer so. Zahlreiche der Plattformen sind ursprünglich mit einem ganz anderen Geschäftsmodell an den Start gegangen: Rückwärtsauktionen. Dabei mussten die Handwerker sich gegenseitig unterbieten, der billigste bekam am Ende den Zuschlag für den Auftrag. Auch MyHammer hat diesen Weg nach seiner Gründung im Jahr 2005 beschritten. Doch schon ein Jahr später kam das Unternehmen bereits wieder davon ab. „Wir haben viel Gegenwind von Handwerkskammern und -Institutionen bekommen“, begründet Unternehmenssprecher Daniel Dodt den Schritt. Der Vorwurf damals gegen das Berliner Unternehmen: Preisdumping, man mache das klassische Handwerk kaputt. „Dieses Modell war die unselige Abbildung der ,Geiz ist geil’-Mentalität“, findet beispielsweise Oliver Dehn, stellvertretender Pressesprecher bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main.

MyHammer und andere Anbieter reagierten und setzen seitdem nur noch auf die Vermittlung von Handwerksleistungen. Ein Unterbietungswettstreit möchte das Berliner Unternehmen MyHammer vermeiden. Handwerker können die Angebote ihrer Mitbewerber auf der Plattform schon seit mehreren Jahren nicht mehr einsehen. Auch der Konkurrent Blauarbeit will auf diese Weise einen Preiskampf vermeiden. Um Kunden werben die beiden Dienstleister vor allem mit dem Versprechen von mehr Komfort und Transparenz bei der Suche. „Nicht die Kunden müssen sich den Handwerker suchen, sondern umgekehrt“, sagt Daniel Dodt. Zudem sei das Verfahren sehr transparent: „Die Auftraggeber bekommen in kompakter Form viele Informationen über die Handwerksbetriebe, zum Beispiele die Qualifikationen und Arbeitsbeispiele.“

Doch was haben eigentlich die Handwerker davon, solche Portale zu nutzen? „Sie können ihren Aktionsradius erweitern und neue Kunden gewinnen, zum Beispiel wenn sie sich gerade selbstständig gemacht oder eine Durststrecke haben“, erläutert Ramin Ziai von Blauarbeit. Bestätigen kann das Petra Wolf. Sie ist Inhaberin des Innenausbaubetriebs H.G.S. Wolf in Offenbach und mit ihrem Unternehmen bei MyHammer vertreten. „Wir profitieren schon davon, eigentlich geht es gar nicht mehr ohne“, sagt Wolf. Rund 80 Prozent seiner Aufträge zieht Wolfs Betrieb über die Plattform an Land.

Ihr Fazit ist dennoch zwiegespalten. „Wir haben unseren Kundenkreis zwar erweitern können, aber hinten bricht er auch wieder weg.“ Denn bei den Neukunden, die Wolf über die Plattform gewinnt, handelt es sich in erster Linie um Laufkundschaft. „Einen dauerhaften Kundenstamm können wir eigentlich nicht aufbauen.“ Auf Seiten der Kreishandwerkerschaft in Stadt und Kreis Offenbach sieht man MyHammer, Blauarbeit und Co. indes mit ein wenig Skepsis. Kritik übt Geschäftsführer Uwe Czupalla. Er findet es vor allem problematisch, dass die Handwerker auf den Portalen Angebote abgeben würden, ohne den Auftrag vorher vor Ort gesehen zu haben. „Ein Betrieb, der vernünftig kalkulieren will, muss auf jeden Fall einen Besuch beim Auftraggeber machen.“ Auf Vermittlungsportalen im Internet lasse sich nicht abbilden, welcher Aufwand hinter einer Aufgabe stecke. Ein Umstand, der Konfliktpotenzial birgt. „Auf den Plattformen wird viel an den Mann gebracht, was anschließend unsere Sachverständigen beschäftigt“, sagt Czupalla. Bei MyHammer kann man diese Befürchtung indes nicht bestätigen. „98 Prozent der Auftraggeber haben im vergangenen Jahr eine positive Rückmeldung bei uns hinterlassen“, berichtet Unternehmenssprecher Daniel Dodt. Insgesamt haben rund 40.000 Nutzer im Jahr 2014 auf der Plattform eine Bewertung hinterlassen.

Grundsätzlich sieht Handwerkervertreter Czupalla solche Angebote aber auch durchaus positiv, „wenn es um Vermittlung geht und den Handwerkern hilft, sichtbar zu werden“. Die Branche hätte verstanden, dass das Internet ein wichtiger Vertriebskanal für sie sei, an dem letztendlich kein Weg mehr vorbei führe. Wer dort nach einem Handwerker suche, solle aber darauf achten, dass dieser auch einen Meisterbrief habe, so Czupallas Empfehlung. „Bei einem Meister können sie von einer guten Ausführung der Aufgaben ausgehen und auch, dass er auf dem neuesten Stand der Technik arbeitet.“

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