Aufträge bleiben lange liegen

Handwerker verzweifelt gesucht: Schwierige Situation in Offenbach und Hanau

Die Klagen aus dem Handwerk werden lauter: Der Personalmangel schmerzt, der Wettbewerb und die Konkurrenz um Fachkräfte wird größer und die Kunden bekommen es mehr und mehr zu spüren. Aufträge bleiben lange liegen oder können erst gar nicht angenommen werden. Von Marc Kuhn und Peter Schulte-Holtey

Offenbach/Hanau – Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagt im Interview mit dieser Zeitung: „In einigen Bereichen müssen Kunden mittlerweile bis zu zwölf Wochen warten, ehe sich der Handwerker um ihren Auftrag kümmern kann. Dabei arbeiten viele unserer Betriebe bereits wirklich an ihren Belastungsgrenzen – mehr geht aber oft einfach nicht mehr.“

Dabei sei der Fachkräftemangel eine Wachstumsbremse, so der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der selbst Maler- und Lackierermeister ist. Überall in Deutschland fehlen nach seinen Angaben Auszubildende, Gesellen und Meister. Intensiv wirbt er für die berufliche Ausbildung: „Wir brauchen ein Miteinander, eine ausgewogene Balance von beruflich wie akademisch Ausgebildeten, sonst wird das Fundament unserer Wirtschaft brüchig.“

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Auch Uwe Czupalla, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stadt und Kreis Offenbach, bestätigt, dass Kunden derzeit auf Geduldsproben gestellt werden. „Die Betriebe bevorzugen zunehmend ihre Stammkunden. Kunden, die der Handwerker noch nicht kennt, müssen derzeit einfach länger warten“, stellt er fest. Zwar haben die Betriebe in der Region deutlich mehr junge Leute ausgebildet – zuletzt ein Plus von sechs Prozent.

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Doch Czupalla warnt: „Allerdings reichen die nachwachsenden Ressourcen bei weitem nicht aus, um den bestehenden Fachkräftebedarf in den nächsten Jahren auch nur annähernd zu decken.“ Der bestehende Fachkräftemangel wird sich demnach noch deutlich vergrößern und den Wettbewerb um die Handwerksbetriebe weiter verschärfen. Nach seinen Angaben steigen die Preise für Handwerker-Leistungen in Rhein-Main bereits spürbar. Und er geht davon aus, dass sie – wegen der schrumpfenden Zahl von Betrieben – noch weiter zulegen werden.

Ähnlich die Einschätzung von Axel Hilfenhaus, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hanau. Die Auftragsbücher der meisten Betriebe, vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe, sind nach seinen Angaben gut gefüllt. Zugleich fehlen auch im Main-Kinzig-Kreis Fachkräfte. Hilfenhaus: „Im Schnitt sind die Betriebe schon auf mehrere Monate im Voraus ausgelastet. Die Kunden sind also gut beraten, ihre Projekte und Aufträge wenn möglich frühzeitig anzufragen und die Umsetzung längerfristig zu terminieren.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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