Wenig los am Aliceplatz

Handwerkermarkt: Neues Konzept muss her

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Tristesse statt Markttreiben: Besucher und Händler zeigten sich vom diesjährigen Handwerkermarkt am Aliceplatz gleichermaßen enttäuscht.

Offenbach - Offiziell endet der Handwerkermarkt in der Innenstadt erst am heutigen Samstag. Die meisten der ohnehin nur spärlich vertretenen Zunftrepräsentanten aber haben schon vor Tagen ihre Sachen gepackt. Von Jenny Bieniek

Fehlendes Publikum und geringe Einträge gaben keinen Anlass zum Bleiben. So bot sich Besuchern in den vergangenen Tagen am Aliceplatz ein eher trostloses Bild: Zwischen Anbietern von Hornhautentferner und Versiegelungspolitur, verwaisten Bungee-Trampolinen, „Waterball“-Becken, Gastronomieständen und Kinderkarussell geriet Handwerksarbeit eher zur Nebensache. Die wenigen Handwerker, die geblieben sind, halten mit ihrem Unmut nicht hinterm Berg. Auf die Frage, wie denn die Geschäfte laufen, hört man hier wie dort die gleiche Antwort: Mäßig bis schlecht. Dietmar Spitzer aus Groß-Umstadt wird deutlicher: „Es läuft beschissen. Das ist wirklich jenseits von Gut und Böse, mit einem Handwerkermarkt hat das nichts zu tun.“

Als „enttäuschend für Besucher und Händler“ empfindet der Hersteller von Gartenkeramik die zehntägige Veranstaltung. Auf dem Bieberer Markt ist Spitzer mit seinen Deko-Figuren seit Jahren vertreten, „aber da ist das Publikum auch ein anderes. Hier laufen alle nur rechts und links am Markt vorbei.“

Den Grund für das mangelnde Interesse der Offenbacher am Markt sehen er und Standnachbarin Katarzyna Bachul in der schlechten Planung: Der Platz sei nicht optimal, Lieferverkehr, Bauzäune und zu viele Essensstände störten das Ambiente. Folge: Besucherzahlen, die weit hinter den Erwartungen zurückblieben. Schon wenige Tage nach Markteröffnung reisten viele Händler wieder ab: Der Fellverkäufer, der Apfelweinstand, der Handwerker mit den Keramikschüsseln, die Frau mit den selbstgenähten Lätzchen und auch der Stand mit Bowle und Cocktails. „Wenn selbst die Gastronomie aufgibt, müssen bei den Verantwortlichen doch alle Alarmglocken angehen“, findet Spitzer, der „zum ersten und letzten Mal“ in der Innenstadt ausstellte.

Ringcenter und KOMM feiern Geburtstag (mit Bildern vom Handwerkermarkt)

Ringcenter und KOMM feiern Geburtstag

Auch Veranstalter Helmut Weiß, der den Handwerkermarkt seit 2007 im Auftrag des Gewerbevereins Treffpunkt organisiert, ist mit der diesjährigen Auflage unzufrieden. „Die Handwerker sind gekommen und wieder gegangen“, sagt er. Es werde von Jahr zu Jahr schwieriger, Aussteller anzulocken. Wegen des KOMM-Jubiläums habe man den Markt in diesem Jahr erstmals um vier Wochen nach vorn geschoben. „Das war ein Fehler“, gibt er sich selbstkritisch. Der erhoffte Besucherzuwachs blieb aus. Dennoch glaubt er an die Zukunft. „Wir müssen nur wieder zurück zu unseren Wurzeln.“ Beim Gewerbeverein sieht man das kritischer. „Was diesmal gelaufen ist, entspricht nicht unserer Niveauvorstellung“, findet Vereinsvize Klaus Kohlweyer klare Worte. Sein Verein, sagt er, sei sicherlich gut beraten, über ein mögliches neues Konzept nachzudenken.

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