Das Handy als Paradies für die Bazille entlarvt

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Zwei, die einmal den Fachkräftemangel in der Biotechnologie beheben? Marienschülerinnen schnupperten im Truck des Bildungsministeriums Laborluft.

Offenbach ‐ Vorsichtig taucht die Schülerin ihre Präzisionspipette in die Lösung, drückt sanft auf den gelben Knopf und saugt wenige Milliliter der Flüssigkeit an. Von Denis Düttmann

Die Berufsschülerinnen des medizinisch-technischen Zweigs der Marienschule haben in dem mobilen Labor des BIOTechnikums zunächst Zellen aus ihrer Mundschleimhaut entnommen, jetzt wird das Material eingefärbt, um unter dem Mikroskop den Zellkern sichtbar zu machen. „Wir wollen die Faszination der Biotechnologie vermitteln und abstrakte Wissenschaft greifbar machen“, erklärt Biologe Niklas Nold.

Von Montag bis Mittwoch gastiert der Wissenschaftler mit seiner Kollegin Hella Tappe in Offenbach. Vormittags absolvieren Schülergruppen in dem Truck auf dem Marktplatz kurze Praktika, nachmittags steht die Ausstellung allen offen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung will mit der Initiative vor allem das Interesse an biotechnischen Berufen wecken. „Biotechnologie ist ein Wachstumsmarkt, aber in der Branche herrscht Fachkräftemangel“, sagt Nold. „Bei uns können Schüler einmal Laborluft schnuppern und bekommen einen ersten Eindruck vom Arbeitsalltag.

Lernen, wie ein genetischer Fingerabdruck geht

Die Marienschülerinnen isolieren die DNA aus Coli-Bakterien. Dafür wird zunächst die Fettschicht der Organismen mit Spülmittel aufgebrochen. Durch die Beigabe von Alkohol fällt die zuvor in Wasser gelöste DNA aus und kann schließlich mit einem Haken aus dem Reagenzglas gefischt werden. „Man kann das Erbgut jetzt richtig fühlen - es hat eine gelartige Konsistenz“, erklärt Nold.

Beim Praktikum für Fortgeschrittene am Mittag lernen die Schüler eines Biologie-Leistungskurses sogar die Schritte kennen, die auch bei der Anfertigung eines genetischen Fingerabdrucks zur Anwendung kommen. Dazu werden mit Hilfe einer Polymerase-Kettenreaktion bestimmte Stücke der DNA vervielfältigt und der Größe nach geordnet. Da die einzelnen Abschnitte bei allen Menschen unterschiedlich lang sind, entsteht so ein individuelles Muster der Testperson.

Doch die Schüler betätigen sich in dem mobilen Labor nicht nur als Erbgut-Entdecker, sondern auch als Mikroben-Jäger. Mit einer so genannten Abklatsch-Platte nehmen sie Proben von Münzen oder Handys. Bakterien bleiben an dem mit Nährstoffen versetzten Gel hängen und wachsen über mehrere Tage zu ganzen Kolonien heran. „Die Lehrer können die Platten mitnehmen und das Ergebnis in der nächsten Unterrichtsstunde mit den Schülern analysieren, damit kann das Praktikum bei uns in der Schule auch sinnvoll nachbereitet werden“, sagt Nold.

Durch menschliche Zelle navigieren

Viele Bakterien lassen sich vor allem auf Mobiltelefonen nachweisen. Münzen sind hingegen fast keimfrei. „Die Ionen des Metalls behindern das Wachstum der Organismen“, erklärt Nold.

Das BIO-Technikum auf dem Marktplatz ist heute von 12 bis 14 Uhr sowie von 14.45 bis 17.30 Uhr und am Mittwoch noch einmal von 12 bis 14 Uhr geöffnet.

Auch wer kein Praktikum absolviert, kann in dem Truck in die Welt der Biotechnologie eintauchen. So dürfen die Besucher bei einem Multimedia-Spiel durch eine menschliche Zelle navigieren oder sich an verschiedenen Terminals über moderne Bionik-Produkte wie die Haifisch-Haut informieren. „Wir setzen auf eine ausgewogene Mischung von Spiel und Wissen“, sagt Niklas Nold. „Da bleibt viel mehr hängen als bei einem schlichten Vortrag.

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