Handy-Verbot in Klinik sinnvoll?

Offenbach/Hanau - Weil sie angeblich hochempfindliche medizinische Geräte stören könnten, sind Mobiltelefone noch immer in einigen Krankenhäusern auszuschalten. Viele Patienten und Besucher wundern sich. Ist ein Verbot sinnvoll? Von Peter Schulte-Holtey

Vor zwei Jahren wurde in den USA an der bekannten Mayo Clinic eine Studie veröffentlicht, die Kritikern des Handy-Verbots mächtig Auftrieb gegeben hat. Die Forscher hatten mit zwei unterschiedlichen Mobiltelefon-Typen 300 Tests in Patientenzimmern und auf der Intensivstation durchgeführt. Dabei machten sie Telefonate in der Nähe von insgesamt 192 Medizingeräten, darunter etwa Beobachtungsmonitore und Infusionspumpen. Bei den Versuchen habe sich kein einziger Hinweis ergeben, dass die Mobiltelefone die medizinischen Apparate beeinträchtigen, hieß es damals.

Krankenhäuser reagierten: Im Frankfurter Universitätsklinikum ist die Benutzung inzwischen freigegeben worden, im Hanauer Klinikum wird sie geduldet, im Klinikum Offenbach gilt eine Erlaubnis in Teilbereichen.

Aus Sicht von Netzbetreibern ist dies ein logischer Schritt; sie verweisen auf Studien aus Großbritannien und den Niederlanden. „Mobiltelefone beeinflussen sensible medizinische Geräte ab einem bestimmten Abstand nicht mehr, so dass das Telefonieren außerhalb von Operationssälen und Intensivbereichen im Krankenhaus möglich ist“, so Dietmar Gerhardt von E-Plus.

Doch die „Bauchschmerzen“ in vielen Krankenhäusern bleiben. So verweist man in Hanau aufs weiter geltende grundsätzliche Verbot und ein juristisches Problem. Sprecher Joachim Haas-Feldmann: „Die Medizintechnik-Hersteller haften nicht, wenn während des Betriebs des entsprechenden Geräts - für das das Handy-Telefonieren ausdrücklich untersagt ist - ein Schadensfall eintritt. Somit befindet sich das Klinikum grundsätzlich in einer Haftungsschere.“

Am Klinikum Offenbach werden Bedenken an der Mayo-Studie geäußert. Die Forscher hätten ja nur zwei verschiedene Geräte-Typen getestet, das sei „nicht gerade eine fundierte wissenschaftliche Basis“. Klinik-Sprecherin Marion Band fordert erneute Versuche unter anderen Bedingungen. Sie verteidigt das Handy-Verbot in Teilbereichen der Einrichtung am Starkenburgring und verweist auf einen weiteren Grund: „Zusätzlich möchten wir den zunehmenden Missbrauch von Kamera-Handys möglichst unterbinden und unmittelbare Lärmbelästigungen bzw. Ruhestörungen von Patienten auf ein Minimum beschränken.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) schließt sich unverändert der Empfehlung des Gesundheitsministeriums an, in Krankenhäusern das generelle Handy-Verbot aufrecht zu erhalten. DKG-Sprecher Daniel Wosnitzka stellt auf Anfrage unserer Zeitung fest, dass nach wie vor zahlreiche ältere Geräte mit einer geringen „Störfestigkeit“ in Betrieb seien. Zugleich gewährleiste die Norm für die elektromagnetische Verträglichkeit von elektrischen medizinischen Geräten lediglich, dass entsprechende Medizinprodukte nur bei bestimmten „Umgebungsbedingungen hinsichtlich elektrischer und magnetischer Störfelder nicht beeinflusst werden“. Der Anwender müsse dafür Sorge tragen, dass die Grenzwerte für elektrische und magnetische Felder eingehalten werden. Dies setze bei vielen Geräten voraus, dass zum Beispiel Mobiltelefone mit zwei Watt Leistung nur in einem Abstand von mehr als 3,25 Metern von neuen elektrischen Geräten entfernt betrieben werden dürfen. Bei Mobiltelefonen, die mit einer größeren Leistung arbeiteten, sei ein Abstand von mindestens 7,30 Metern notwendig. Und Wosnitzka gibt zu bedenken, dass elektromagnetische Wellen durch normale Hauswände nur geringfügig geschwächt werden, die Einhaltung von Grenzwerten sei deshalb nur sehr aufwendig umzusetzen bzw. zu kontrollieren.

Kommentare