Vortrag zum OFC 

OFC-Fans im Verein verwurzelt

+
Fußballhistoriker Harald Spoerl

Offenbach - Im weißen Shirt, auf dem das rote Vereinslogo prangt, steht er vor Vitrinen mit Relikten Offenbacher Historie und spricht über seine Kickers. Von Harald H. Richter 

Den Begriff Kultclub möchte Harald Spoerl gar nicht so gern verwenden, weil er überzeugt ist, dass die Fans des Vereins die Einzigartigkeit ausmachen. Deren unerschütterliche Treue zu den Kickers sei über Generationen gewachsen und mit Namen verknüpft: Christian Neubert, Wilhelm Grimm, Heinrich Lavis. 60 Interessenten hören im Haus der Stadtgeschichte den Vortrag des ehrenamtlichen Betreuers des Archivs im Kickers-Fan-Museum. Viele bringen Erinnerungen an Ruhm und Rückschläge ein. Unter ihnen ist Hella Kaufhold, Witwe des ersten Offenbacher A-Nationalspielers, des 2009 gestorbenen Gerhard Kaufhold, der 18 Jahre am Bieberer Berg kickte.

Seine Leidenschaft für den Fußball schreibt Spoerl nicht ohne Schmunzeln dem Umstand zu, dass er nur 48 Stunden nach Erstanstoß der Bundesliga das Licht der Welt erblickte. „Zu der Zeit hatten die Kickers eine Vielzahl sportliche Erfolge, bekamen aber keine Zulassung für die höchste Spielklasse“, ruft er in Erinnerung. Dabei genossen die Rot-Weißen wie kaum ein anderer Verein eine über sechs Dekaden gewachsene Popularität und konnten obendrein sportliche Reputation nachweisen. Trotzdem blieben die Kickers außen vor, als den Vereinen der Oberliga Süd für die Bundesliga fünf Plätze zugestanden wurden. Im Januar freuten sich der 1. FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt über den Zuschlag, Im Mai wurden die übrigen drei aus dem Süden benannt: Karlsruher SC, VfB Stuttgart und Südmeister TSV 1860 München. Die Lederstädter hatten das Nachsehen.

Spoerl will das nicht kommentieren, zumal der OFC sich 1968 sportlich für die erste Liga qualifizierte, und lässt die Rivalität zur Eintracht weitgehend außen vor. Vielmehr richtet er den Fokus auf Beispiele aus der Vereinsgeschichte, welche die Verwurzelung der Menschen aus Offenbach und Umgebung zum OFC belegen. „Die Fußballanhänger standen der Mannschaft immer nahe“, sagt er und meint es wörtlich – nahe am Spielfeldrand stehend auf der einzigen überdachten Breitseitentribüne in einem deutschen Stadion. „So etwas gibt es nirgendwo sonst“, unterstreicht Spoerl. Er bejubelte als Fünfjähriger das erste Tor auf dem Bieberer Berg gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Neueröffnung des OFC-Museums

Neueröffnung des OFC-Museums

Viele Spieler seien Identifikations- und Integrationsfiguren gewesen, stammten aus dem Arbeitermilieu, aus Berufen in Metallbau und Lederwarenindustrie, Jungs von nebenan sozusagen. Deren Herkunft beziehungsweise die Besinnung der Vereinsspitze auf den eigenen Nachwuchs hätten es begünstigt, dass die leidensfähigen Fans den Kickers die Treue hielten, ist Spoerl überzeugt. Das mache den Kultstatus und das Phänomen Kickers Offenbach aus, sagt der 51-Jährige. Natürlich habe es Brüche gegeben, aber „im Großen und Ganzen ist die Verbundenheit unerschütterlich geblieben.“ Sich selbst feiern zu können, auch in der Niederlage, sei ein nicht alltägliches Indiz für moralische Größe.

Der Fußballhistoriker hebt die Bedeutung von Persönlichkeiten wie Waldemar Klein und Hermann Nuber hervor, weiß seinen launigen Vortrag um Anekdoten anzureichern und lässt sich auf amüsante Zwiesprache mit dem Publikum ein. So fragt er etwa Mannschaftsaufstellungen und Spielresultate ab. Seine Ausführungen beschließt Spoerl mit einer auf den OFC zutreffende Weisheit des Komponisten Gustav Mahler, dem nicht unbedingt ein Faible für Fußball zugeschrieben wird: „Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche.“

Treffen der OFC-Generationen im Kickers-Museum

Kommentare