Harte Zeit überstanden

Bäckerei Kress eröffnet wieder nach Feuer

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Alle Spuren des Brands sind beseitigt: Roswitha Kress und Sohn Gilbert freuen sich über die wiedereröffnete Bäckerei-Filiale.

Offenbach - Die Nacht des 19. Februar wird Roswitha Kress nie vergessen. Ein Brand zerstörte die Filiale ihrer Bäckerei an der Heinrich-Heine-Straße . Seitdem sind vier entbehrungsreiche und arbeitsintensive Monate vergangen. Von Veronika Szeherova

Gestern wurde die Filiale der Offenbacher Traditionsbäckerei wiedereröffnet.

Es waren die wohl schwersten Monate in der 37-jährigen Geschichte der Bäckerei, die Wolfgang und Roswitha Kress 1976 gegründet haben. Der erste Standort war an der Waldstraße 235. Mittlerweile befindet sich die Zentrale am Buchrainweg. Nach und nach kamen die Filialen am Brunnenweg und an der Heinrich-Heine-Straße hinzu.

Auch das Jahr 2013 fing zunächst erfreulich an – Kress eröffnete im Januar die erste Filiale in Mühlheim. Dann der Schock im Februar. „Ich dachte erst, mich würde einer vergackeiern“, erinnert sich Roswitha Kress an den nächtlichen Anruf, als ihr mitgeteilt wurde, dass ein Feuer in der Filiale an der Heinrich-Heine-Straße ausgebrochen ist. „Dann hörte ich das Martinshorn und wusste, dass es stimmt.“ Obwohl die Feuerwehr rasch an Ort und Stelle war und Schlimmeres vermeiden konnte, war das Innenleben der Bäckerei nicht mehr zu retten. „Es war alles verrußt. Die Registrierkasse, die Möbel, wir mussten alles wegwerfen.“

Ursache des Brandes nicht genau zu rekonstruieren

Die Ursache des Brandes ist nicht genau zu rekonstruieren. „Die Herdplatte muss noch an gewesen sein, oder der Herd war defekt“, berichtet Kress. Vier Monate dauerte es bis zur Wiedereröffnung. „Eine lange Zeit für einen Betrieb wie uns“, sagt die 65-Jährige und freut sich über jeden Kunden, der gestern die Bäckerei betritt. Es habe sich gezogen, immer wieder hätten Versicherungen neue Sachverständige geschickt.

„Ausgeräumt hatten wir alles nach acht Tagen. Aber wie lange die Renovierung dauert, konnten wir nicht sagen“, so Kress. Eine völlige Entkernung war notwendig, von den Decken bis zur Klimaanlage musste alles erneuert werden. Sie gibt zu, dass sie und ihr Mann die Strapazen wohl nicht auf sich genommen hätten, wenn nicht die beiden Söhne wären. Der 30-jährige Alexander ist gelernter Bäcker und Konditor, sein fünf Jahre jüngerer Bruder Gilbert ist studierter Betriebswirt und will in eineinhalb Jahren seinen Bäckermeister machen. „Dann werden unsere Söhne die Bäckerei von uns übernehmen“, verrät Roswitha Kress und wirkt erleichtert. „Wir wollen in gute Hände geben, was wir aufgebaut haben. Die beiden möchten es auch, sie wollen ihre eigenen Chefs sein.“

Brand in Offenbacher Bäckerei Kress

Brand in Offenbacher Bäckerei

Daher hatten Alexander und Gilbert die Entscheidungsgewalt, was die neue Einrichtung des Geschäfts betrifft. Eine große Theke mit dunklem Holz und modernem Design und Technik, eine Saladette, die es ermöglicht, belegte Brötchen frisch zuzubereiten, 16 Sitzplätze innen, 14 draußen. „Die Versicherung übernimmt die Kosten für eine Ausstattung, wie wir sie vorher hatten, die exklusive Theke mit Saladette war viel teurer“, sagt Kress.

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Die Zeit, in der die Filiale geschlossen war, sei finanziell schwierig gewesen. „Ohne ein gewisses Fundament wäre es nicht gegangen.“ Zuspruch habe sie von treuen Kunden erfahren, die immer wieder gefragt hätten, wie es weitergehe. Auch die langjährigen Verkäuferinnen blieben und wurden in der Überbrückungszeit in anderen Filialen beschäftigt.

Zufrieden betrachtet Kress den Laden, in dem die große Tortentheke auffällt. „Wir haben 20 bis 25 verschiedene Kuchen und Torten. An den Wochenenden noch mehr“, sagt sie lächelnd. Und hofft, dass sich die Wiedereröffnung schnell bei den Leuten herumspricht.

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