Hartz IV füllt das Tierheim

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Das Bild zeigt die Rotwangenschildkröte, die am Dienstag im Dreieichpark ausgesetzt und von der Polizei gerettet wurde. Sie ist wohlauf.

Offenbach ‐ Es jault und bellt aus 28 Hundekehlen. Fast alle Boxen im Offenbacher Tierheim sind besetzt, und es wird nicht lang dauern, bis auch die letzte einen Zwangsbewohner hat. Die Wirtschaftskrise ist schuld: In jüngster Zeit wurden fünf Hunde aus eindeutig finanziellen Gründen ins Asyl gesteckt. Von Veronika Szeherova

„So etwas passiert seit dem vergangenen Jahr immer öfter“, klagt Andreas Franke, der Vorsitzende des Tierschutzvereins Offenbach, der das Heim betreibt. In der Einrichtung Am Wetterpark 1 wird’s immer enger.

Nicht nur von Hunden, auch von Kleintieren trennen sich Menschen, weil sie es sich nicht mehr leisten können. „Als wir unser neues Kleintierhaus bauten, dachten wir erst, es sei zu groß“, so Franke. „Jetzt wird’s fast zu klein.“ 75 Nager und Käfigvögel sind dort mittlerweile untergebracht. Nur die Zahl der Katzen hält sich noch in Grenzen. Zurzeit sind es 20 Samtpfoten.

Die Stadt, für die der Verein die „Verwahrungspflicht“ leistet, schießt jährlich zwischen 30.000 und 35.000 Euro zu. Aus den Kosten, die ein Tier im Durchschnitt verursacht (Futter, Tierarzt, Pflege) wurde ein Tagessatz errechnet. Das sind 9,51 Euro pro Hund, 6,15 Euro pro Katze und 1,29 Euro je Kleintier. „Das klingt zwar im ersten Moment recht großzügig, aber für ein Tier gibt es nur 28 Tage Geld, und dann auch nur wenn es sich um ein Fundtier handelt“, erläutert Franke.

Tierschutzverein übernimmt Teil der Tierarztkosten

Dass ein Tier findet innerhalb eines Monats ein neues Zuhause findet, ist die Ausnahme. Durchschnittliche Verweildauer ist ein Jahr. Den Rekord von siebeneinhalb Jahren hält ein Hund. Doch auch die Vermittlungen seien mittlerweile rückläufig, berichtet Franke. Auch ein Problem: 20 der Offenbacher Heimhunde sind schon älter als fünf Jahre, viele chronisch krank, also kaum zu vermitteln. Das Geld sitze nicht mehr so locker, sagt Franke. Das zeige sich auch an der Spendenbereitschaft. Die Einnahmen, dazu zählen auch die von den neuen Herrchen und Frauchen zu zahlenden Vermittlungsgebühren, deckten kaum die Kosten des Heims. Deshalb sind freiwillige Helfer immer willkommen - ob als Gassigeher oder als Handwerker.

Geld braucht der Verein nicht nur für die Tiere, die bei ihm leben müssen. Zunehmend kommen auf ihn Anfragen nach finanzieller Unterstützung zu, beispielsweise für teure Operationen von Hunden oder Katzen. „Vor allem von Hartz-IV-Empfängern“, so Franke, „oder von älteren Menschen, die von wenig Rente leben müssen und nicht ohne ihr Tier sein wollen.“ Der Tierschutzverein übernimmt einen Teil der Tierarztkosten, wenn der Tierhalter als Gegenleistung den Betrag dort für acht Euro die Stunde abarbeitet.

Leider wird das Angebot auch missbraucht. Franke: „Eine Frau ist plötzlich nicht mehr erreichbar gewesen, nachdem die Operation von uns bezahlt war. Im März ist Gerichtstermin...“

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