Die ersten Sonnenstrahlen erheitern Offenbacher Gemüter

Ein Hauch von Frühling

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Im sonnigen Park macht das Spielen doch gleich viel mehr Spaß.

Offenbach - Am Wegesrand sprießen bunte Knospen und das erste Eis wandert über die Ladentheke. Die frühlingshafte Wärme ist bei den Offenbachern durchaus willkommen. Meteorologen warnen jedoch vor zu großer Euphorie: Eine Rückkehr des Winters ist nicht auszuschließen. Von Vanessa Koller und Eva-Maria Lill

Ist es das wirklich schon gewesen mit der eisigen Kälte? Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst will sich nicht ganz von dem Gedanken verabschieden, dass es nochmal Schnee geben kann: „Lassen Sie die Winterreifen lieber noch eine Weile am Auto. Und verstauen Sie die Pudelmütze nicht ganz hinten im Kleiderschrank.“

Das ist keine Schwarzmalerei, sondern meteorologisches Bauchgefühl, das Friedrich in seinen 30 Jahren Berufserfahrung selten getäuscht hat. Er geht davon aus, dass der Februar weiterhin mild bleibt. NächstenMontag soll das Thermometer sogar bis auf 15 Grad in Offenbach klettern. Das wären die wärmsten Temperaturen in diesem Jahr. Bisher lag der höchste regional gemessene Wert bei 13,5 Grad im Januar. Friedrich rechnet damit, dass der Jahresumbruch 2013/14 unter die Top Ten der wärmsten Wintermonate seit 1881 kommen kann. Ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr, da reichte die Kälteperiode bis in den Frühling hinein und sorgte für Flugausfälle und Verkehrschaos.

Die Blüten sprießen

Ein verspäteter Wintereinbruch wäre nicht nur für die Menschen unerfreulich. Auch die Pflanzenwelt hat sich bereits mit den sonnigen Tagen angefreundet. Die Blüten sprießen dieses Jahr bereits zwei Wochen früher. Der Frost würde die zarten Pflanzen wieder zerstören.

Für Allergiker allerdings ist die Blütenpracht mit einem verfrühten Pollenflug verbunden. Gerötete Augen und laufende Nasen plagen die Betroffenen. Im Großen und Ganzen ist die Sonne für Knochen und Haut aber durchaus gesund. „Im Frühling geht es allen besser“, finden die Fußgänger im Büsingpark. Dies zeigen auch vereinzelte Sonnentage in dieser Woche: Menschen drängen sich auf den Straßen und in den Cafés stehen die Stühle bereits seit mehreren Tagen draußen. Das Angebot wird angenommen – warum auch nicht? So ein Kaffeeklatsch in der Sonne macht schließlich mehr Spaß als im dunklen Wohnzimmer. Kein Gedanke wird daran verschwendet, dass es möglicherweise nochmal richtig kalt wird. „Das ist klasse, wenn man schon im Park sitzen kann, das soll bitte auch weiterhin so bleiben“, lautet der Tenor von Passanten in der Innenstadt. Den Winter vermisst eigentlich niemand, schließlich erwärmt die Sonne das Gemüt und steigert auch das allgemeine Wohlbefinden.

Frühlingsbilder unserer Leser (2013)

Frühlingsbilder unserer Leser

Gute Laune bei Vogelgesang und erstem Eisbecher – allgemein scheint es, als hätten sich die Leute daran gewöhnt, dass der Frühling dieses Jahr einfach etwas früher kommt. Das steigert auch die Reiselust: „Die Leute buchen bei warmem Wetter gern ihren Urlaub. Bei Regen geht man nämlich erst gar nicht vor die Tür“, verrät Harald Albert vom Reisebüro Hapag Lloyd auf der Frankfurter Straße. Frühlingshafte Stimmung auch bei Bäckereiverkäuferin Aylin: „Hast du mal eine Sonnenbrille?“, fragt sie ihre Kollegin. In der Tat wird mancher nachmittags von der tief stehenden Sonne geblendet.

Manch einer denkt vielleicht schon an die Anschaffung einer neuen Sonnenbrille. Die ansässigen Optiker stellen allerdings noch keine erhöhte Nachfrage nach aktuellen Modellen fest. Das passiert wahrscheinlich erst in ein paar Wochen. Meteorologe Friedrich warnt die Sonnenanbeter jedoch vor zu großer Euphorie. Er weiß: „Petrus lässt sich eben nicht gern in die Karten gucken.“

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