Sie hauchen den Puppen Leben ein

Studentinnen drehen Animationsfilm

+
Etwa vier Sekunden Animation schaffen Louisa Würden und Franziska von Holst pro Drehtag.

Offenbach – Ein Film besteht in der Regel aus 24 oder 25 Einzelbildern pro Sekunde. Von Marian Meidel 

Wer sich nun vorstellt, wie es wäre, anstatt mit einer Videokamera zu drehen, ein Foto nach dem anderen zu schießen und die vielen Bilder dann so aneinanderzureihen, dass die Illusion flüssiger Bewegung entsteht, bekommt einen ungefähren Eindruck von dem Aufwand, den Louisa Würden und Franziska von Holst derzeit betreiben.

Für ihren Puppen-Trickfilm „Raja“ wenden die Mainzer Mediendesign-Studentinnen nämlich genau diese Filmtechnik an. „Stop-Motion“ wird sie gemeinhin genannt, anhalten und bewegen. Ko-produziert wird das Projekt von der Offenbacher Firma Spektrum-Film. Die Drehbuch-Dialoge stammen aus der Feder des Offenbacher Poetry-Slammers Samuel Kramer, auch Mitinitiator der Veranstaltungsreihe „Kassiber in Leuchtschrift“ in der Akademie für interdisziplinäre Prozesse am Goetheplatz.

„Wir haben gemeinsam das Konzept entwickelt und machen auch sonst das meiste zusammen“, schildert Louisa Würden die Arbeitsweise als Regisseurinnen-Duo. Sie selbst entwirft und modelliert die Puppen, während Franziska von Holst die Sets, also Umgebungen kreiert. „Unser ganzes Studium hindurch wollten wir einen Stop-Motion-Film zusammen machen.“ Für den Bachelor-Abschluss haben sie sich den Traum erfüllt und zunächst einen Trailer produziert.

„Im Film geht es um ein kleines Mädchen namens Raja, das von dunklen Schatten verfolgt wird“, erzählt Franziska. „Diese stellen ihre Ängste dar. Sie nehmen ihr die Lebenskraft, wodurch sie in das Reich von Leben und Tod gelangt.“ Letztgenanntes präsentieren die Künstlerinnen als mythischen Garten, in dem die Titelfigur personifizierten Varianten von Leben (eine Schildkröte) und Tod (ein Geier) begegnet. Raja muss sich zwischen den beiden entscheiden.

Liebevolle Detailarbeit: Louisa Würden (links) und Franziska von Holst entwerfen die Figuren und ihre Miniatur-Umgebungen komplett selbst.

„Insgesamt besteht unser Film aus sieben Szenen, abgedreht haben wir jetzt etwa ein Drittel“, verrät Louisa. Bereits im September 2017 haben sie mit den Aufbauten und Modellierarbeiten begonnen, im März 2018 drehten sie als Abschlussarbeit die erste Szene. „Jetzt müssen wir noch zwei Sets bauen.“ Ende Juli soll der komplette Kurzfilm im Kasten sein. „Wir schaffen etwa vier Sekunden Animation am Tag“, so von Holst. Ein zehnminütiger Kurzfilm wie „Raja“ nimmt folglich 150 Arbeitstage in Anspruch.

Bis Ende des Jahres soll es dauern, bis auch die Postproduktion abgeschlossen ist. Diese umfasst unter anderem den Schnitt, Farbkorrekturen und natürlich die fertige Vertonung. „Außerdem haben die Puppen kleine ,Gehhilfen’, die wir noch rausretuschieren müssen.“

Dabei ist nicht nur die handwerkliche Seite der Arbeit anspruchsvoll. Auch kreativ verlangen die beiden Studentinnen sich einiges ab. „Man haucht der Puppe Leben ein, gibt ihr ein Stück von sich selbst“, verrät Franziska von Holst. „Es ist wie Schauspielerei, nur, dass man nicht selbst vor der Kamera steht. Das ist total intensiv, aber auch anstrengend.“

Apokalypse und Monsterabwehr im Kinderzimmer

Auch in Zukunft wollen sie Stop-Motion-Filme machen: „Wir möchten gerne auch Werbung in Stop-Motion produzieren.“ Um „Raja“ fertigstellen zu können, versuchen sie, die nötigen Gelder – insgesamt 5000 Euro – mittels Schwarmfinanzierung zu generieren. Ihre Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Startnext läuft noch bis zum Donnerstag, 31. Januar, 23.59 Uhr.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare