Ein Haufen Ärger

Offenbach - Fürs Reinemachen bietet der Handel viele Hilfen an: Bellobox, Dogstation, Hundetüten, Sackerlspender. Leider fehlt es mitunter an der Einsicht am Ende der Leine. Es sind die gleichen Geschichten mit wechselnden Protagonisten. Von Martin Kuhn

Dieser Tage ein Schauspiel der besonderen Art: Der Mann, offenbar mit reichlich Zeit ausgestattet, wird von der Kindergarten-Leiterin auf das klebrige Verdauungsendprodukt angesprochen, das sein Hund direkt vorm Hort gedrückt hat. Der Halter ist für Argumente nicht empfänglich. Er zitiert mit geschwollener Halsschlagader Götz von Berlichingen, hat einen Fingerzeig drauf, der einst Stefan Effenberg ins Abseits stellte, und beweist am Ende sportliches Geschick, als er mittels Papier den Haufen über die geparkten Autos schleudert: „Da hast du deinen...“

Schade, dass da kein Stadtrat steht und die oft eingeforderte Zivilcourage zeigt. Oder ein Uniformierter, der eine Verwarnung ausspricht. Oder eine Mutter, die ihrem Sohnemann erklärt, dass man sich so nicht zu benehmen hat. Ein unrühmlicher Einzelfall? Generell ist die Stadtverwaltung zufrieden mit den mehr als 3 000 zahlenden Hundehaltern. Das zeigte sich beim jüngsten Hundetag, mittlerweile der elfte.

Mit dem Kassen- und Steueramt kontrolliert das Ordnungsamt regelmäßig die Disziplin von Herrchen und Frauchen. Sie überprüfen eine Woche lang die Anleinpflicht, das Mitführen von Hundekottüten, die Beseitigung der Hinterlassenschaften sowie die Pflicht zur steuerlichen Anmeldung – dieses Jahr 88 Mal. Die Bilanz: In acht Fällen wurde gegen die Anleinpflicht verstoßen, fünf Gassigänger hatten kein Hundekottütchen dabei, ein Hund war nicht angemeldet.

Aber bei den meisten Überprüfungen gab es keine Beanstandungen. Zum Dank erhielten die Hunde von den Stadtpolizisten Hundeknochen aus Plastik, die mit einer Rolle Hundekottüten befüllt sind. Gespendet wurde das Gimmick von der Lokalen Nahverkehrsorganisation Offenbach.

Christian Broos, Organisator des Hundetages: „Positiv waren die vielen Rückmeldungen der kontrollierten Besitzer. Wer sich an die Regeln hält, ärgert sich selbst über rücksichtslose Hundehalter, die dazu beitragen, dass das Problem Hundekot pauschal kritisiert wird.“ Hundekot ist ein Problem, das die Behörde beschäftigt. Bereits mehr als fünfzig Hundekottütenspender wurden im Stadtgebiet aufgestellt. Die Kontrollen wurden schwerpunktmäßig verstärkt, Hundehalter schriftlich über die Regelungen informiert. Per Plakat wurde für eine eigenverantwortliche Entsorgung geworben. Es gibt jedoch schwarze Schafe, die bei direkter Ansprache mit dem Kommentar abwiegeln: „Ich zahl’ doch Hundesteuer.“ Die beträgt für den ersten Hund jährlich 75 Euro, für den zweiten Vierbeiner 90 Euro, für jeden weiteren 105 Euro.

Ganz so positiv sehen das nicht alle Offenbacher. „Ich fürchte, dass diese Kontrollen nicht da vorgenommen wurden, wo sie bitter nötig sind“, schreibt ein Leser, der sich vor allem an einer Stelle stört – vor dem Bunker Jahnstraße / Ecke Rumpenheimer Straße. „Diese Fläche dient offensichtlich allen Hundehalter in Bürgel als Hundeklo. Der Anblick ist ekelerregend. Umso ärgerlicher ist dies, wenn man bedenkt, dass auf der Fläche ein Mülleimer und ein Beutel-Spender vorhanden sind. Aber die Besitzer der Hunde sind offensichtlich zu faul, sich nach dem Kot ihrer Hunde zu bücken. Das lässt darauf schließen, dass der Kontrolldruck und die Strafen zu niedrig sind...“

Dem widerspricht die Stadt teilweise. „Wenn jemand die Hinterlassenschaften nicht beseitigt, kostet das mindestens 75 Euro Bußgeld“, rechnet Frank Weber, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts vor. Mit der Theorie ist das Problem aber nicht aus der Welt geschafft, um das sich in der Folge der ESO kümmert. Und der Stadtdienstleister rüstet auf mit einem besonderen Reinigungsfahrzeug. Nach dem strengen Winter, in dem das Reinigungsmoped „Rex“ witterungsbedingt nicht immer einsetzbar war, geht es jetzt wieder mit Pferdestärken und Saugvorrichtungen gegen die ärgerlichen Tretminen auf öffentlichen Flächen. Das Moped ist als weiterer Schritt auf dem Weg zu mehr Sauberkeit in Offenbach zu betrachten. „Mit der erhöhten Reinigung sollen Hundebesitzer jedoch keinesfalls ihrer Verantwortung entbunden werden. Der gefüllte und verknotete Hundekotbeutel kann in jedem der rund 2000 Papierkörbe der Stadt Offenbach entsorgt werden.

Was da zusammen kommt, ist nicht bekannt. Im Internet wird man jedoch fündig. Experten haben beispielsweise für die Österreichische Hauptstadt ausgerechnet, dass pro Tag gut drei Tonnen Hundekot anfallen - bei durchschnittlich „66 Gramm pro Gackerl“ (Hundetüte) und offiziell 50 000 gemeldeten Vierbeiner.

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