Hauptsache schön bunt

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Flüssigkeiten, die eine möglichst breite Palette farblicher Abstufungen aufweisen - da ist das Ziel der jungen Forscher.

Offenbach - Die Konzentration ist den Schülern anzusehen als sie sich über ihre Reagenzgläser beugen und auf eine Reaktion warten. Von Leah Junck

Doch sie erwarten weder Rauchschwaden noch ohrenbetäubenden Explosionen - nur die Neugierde und die Lust am Entdecken treiben den Forschernachwuchs der Albert-Schweitzer-Schule an, der sich im bundesweiten Chemiewettbewerb für Schüler „H2O – mach’s bunt!“ durchsetzen will.

„Hier kracht’s nicht, hier gibt’s nur schöne Farben“, sagt Jörg Prohaska, der die Schüler beim Experimentieren betreut. Sind die Farbgebungen preisverdächtig schön, stehen die Chancen gut für die acht Chemiepioniere, die Jury zu beeindrucken.

Im Wettbewerb gilt es für die Gruppen im Alter von acht bis zwölf Jahren, aus Gemüse, Tee und Pflanzen Farbstoffe zu extrahieren. Gemischt mit einer Reihe von Mitteln aus dem Haushalt (wie Backpulver oder Spülmittel) entstehen Lösungen mit unterschiedlichem pH-Wert und unterschiedlicher Farbgebung. Ziel: Einen Farbstoff finden, der eine möglichst breite Palette an farblichen Abstufungen erzeugt.

Die älteren Gruppen ab 13 Jahren machen es sich dann zur Aufgabe, den exakten pH-Wert der verschiedenen Farben zu bestimmen, eine Skala dieser Werte zu erstellen, um mit Hilfe dieser Farb-pH-Skala dann Rückschlüsse auf Wasserlösungen aus dem Alltag wie Waschmittel, Backpulver und Zitronensaft ziehen zu können. Auch eine solche Gruppe gibt es an der ASS.

Chemie- und Mathelehrer mit Leidenschaft

Was relativ kompliziert und nach einem Geduldsspiel klingt, bewältigen die Forscher mit ihren Schutzbrillen am Bunsenbrenner routiniert. In jeder Woche kommen sie mit neuen Ideen zu Jörg Prohaska, der seine Schüler gern selbst ausprobieren lässt und ihnen lieber mit Rat als mit Tat beiseite steht.

Seit 21 Jahren ist er Chemie- und Mathelehrer. Und das mit Leidenschaft. Als Fachbereichsleiter hat er auch die sogenannten „Nawi-Klassen“ 2007 mit auf den Weg gebracht; das sind Eingangsklassen mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, in denen bis zur neunten Jahrgangsstufe die Fächer Biologie, Chemie und Physik abwechselnd verstärkt unterrichtet werden. Dass der Entdeckergeist der Kinder mit dem aktuellen Projekt in noch höherem Maße gefördert werden kann, das freut ihn. Denn es ist die Lust am Forschen, die er wecken will.

Offenbar mit Erfolg. Imad Akhouaji und Daniel Alves Gomes, beide aus der Jahrgangsstufe 7, haben in diesem Jahr bereits am bundesweiten Wettbewerb „Jugend forscht“ teilgenommen. Sie haben nicht gewonnen, doch demotivierend, finden sie das nicht; im nächsten Jahr wollen sie wieder mitmachen. „In der Chemie ist nichts unmöglich“, sagt Imad. Das sei es, was ihn fasziniere. Daniel will immer wieder neu entdecken. Der Spaß und das Dazulernen seien dabei das Wichtigste, da sind sich die beiden Gymnasiasten einig. Sie fühlen sich wohl in der Welt der Moleküle und Ionen

Vereinte Nationen haben 2011 zum Jahr der Chemie erklärt

Jede Woche werden die Kompositionen der achtköpfigen Gruppe abfotografiert. Noch bis zum 15. Juli haben sie Zeit, farbenfrohe Bilder entstehen zu lassen, dann ist das einjährige Projekt vorbei.

Der Fonds der chemischen Industrie (FCI) und das Forum Chemie haben den Schülerwettbewerb ausgeschrieben. Die Vereinten Nationen haben 2011 zum Jahr der Chemie erklärt und wollen damit an die Errungenschaften der Naturwissenschaft erinnern.

„Der Fonds der Chemischen Industrie fördert mit zahlreichen Projekten den naturwissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland. Dabei setzen wir bewusst schon in der Schule an. Wir möchten Kinder und Jugendliche frühzeitig neugierig auf die Chemie und die spannenden Berufsperspektiven in dieser Zukunftsbranche machen“, erklärt Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführers des FCI.

Gingen Jörg Prohaskas Schützlinge dort als Sieger hervor, nähmen sie nicht nur neue Erfahrungen mit. Eine Chemievorführung mit anschließender Fete, zu der 400 Mitschüler kommen dürfen, winken als Gewinn.

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