Erfolgreiche Bewerbung: Profi-Tipps in der Tasche

+
Phyllis Masseria-Röder, Personalberaterin bei der Deutschen Bank, probte mit den Jugendlichen Bewerbungsszenarien und gab dazu professionelle Kommentare.

Offenbach - Fit wollen sie werden, um aussagekräftige Bewerbungen auf den Weg zum angestrebten Berufsziel bringen zu können. Auch an Selbstbewusstsein möchten sie zulegen und gerüstet sein für ein möglichst überzeugendes Auftreten beim Gespräch mit einem Personalchef. Von Harald H. Richter

Ihren Zielen kamen Caner, Elvedin, Pachili und Afia sowie 46 weitere Jugendliche aus überwiegend neunten Klassen Offenbacher Schulen ein gutes Stück näher. Die 15-Jährigen sind sich in der Beurteilung einig, dass die Ganztagsveranstaltung im Haus der IHK sowie die vorausgegangene Vorbereitung durch ihre Lehrer und das Patenschaftsmodell Früchte getragen haben.

„Ich hatte keine Ahnung, wie man in ein Bewerbungsgespräch hineingeht“, bekennt Elvedin, der die Ernst-Reuter-Schule besucht. „Jetzt aber fühle ich mich gut präpariert.“ Ähnlich bewertet es die gleichaltrige Afia. Die Schülerin der Bachschule nimmt viel mit von dem Ganztagsprogramm, dessen inhaltliche Ausrichtung von der Recherche nach Lehrstellen über das Ausformulieren des persönlichen Stärken-Schwächen-Profils bis hin zum angemessenen Auftreten und äußerem Erscheinungsbild reicht. Ihre Ratgeber sind zahlreiche Experten aus der Wirtschaft und der Arbeitsagentur, die in mehreren Gruppen- sowie Einzelgesprächsrunden professionelle Tipps und Orientierungshilfen geben.

In der Arbeitswelt Fuß fassen

„Die jungen Leute registrieren, dass sie nicht allein gelassen werden, sondern es im Interesse der Schulen, der Gesellschaft und der Wirtschaft ist, wenn sie in der Arbeitswelt Fuß fassen“, resümiert Bürgermeister und Jugenddezernent Peter Schneider zufrieden.

Wie notwendig ein Projekt wie dieses ist, unterstreicht IHK-Geschäftsführer Friedrich Rixecker. Denn der Wirtschaft in der Region fehlen zurzeit 12.000 beruflich qualifizierte Kräfte. Auf dem Ausbildungsmarkt wird daher jeder Jugendliche gebraucht. „Deshalb begrüßen wir es sehr, dass Schüler der Mathildenschule, der Geschwister-Scholl-Schule, der Bachschule und der Ernst-Reuter-Schule so intensiv auf die Bewerbungssituation vorbereitet worden sind. Ich bin sicher, dass die Kooperation zwischen Schule und Wirtschaft im Zuge eines Patenschaftsmodells der Schlüssel für eine gute Berufsorientierung junger Menschen ist und dazu beiträgt, dass sie vor einer erfolgreichen beruflichen Zukunft stehen.“

Mit Praktika ersten Zugang zur Arbeitswelt herstellen

Mit dieser Einschätzung liegt Rixecker richtig, zumindest was Caner betrifft. Der 15-Jährige, der die Geschwister-Scholl-Schule besucht, hat durch mehrere Praktika ersten Zugang zur Arbeitswelt herstellen und ein Erfolgserlebnis verbuchen können: Nach dem Schulabschluss nächsten Sommer kann er eine Ausbildung zum Hotelfachmann beginnen. „Das hätte ich ohne die große Unterstützung bestimmt nicht gepackt“, sagt er und verweist auf die intensive Begleitung durch das PMO.

Dessen Projektleiter Jörg Meyer verdeutlicht, dass sich mittlerweile 60 Paten um Jugendliche kümmern, ihnen Nachhilfe geben und an deren Persönlichkeitsbildung feilen. Das Angebot des Beratungstags sei ein wichtiger Baustein des Gesamtkonzepts, junge Menschen auf ihrem Weg in die Arbeits- und Berufswelt zu begleiten. „Noch nie war die Nachfrage so groß wie diesmal“, berichtet er. Von den teilnehmenden 26 Jungen und 24 Mädchen besitzen 87,5 Prozent einen Migrationshintergrund, die Hälfte davon hat aber die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Internationalität bewertet Guido Rünger, Teamleiter Personalbetreuung bei der Deutschen Bank, als Gewinn. „Diesen Vorteil muss man den jungen Leuten vor Augen führen.“

Erwartungsvolle Augen und Anspannung der Schüler

Eine Beobachtung schätzt Rünger ganz besonders: „Für mein Team an Personalmitarbeitern und mich ist dieser Tag etwas Besonderes. Die erwartungsvollen Augen und die Anspannung der Schüler, die sich nach dem Bewerbungsgespräch zu Stolz wandelt, motivieren auch uns immer wieder. Bei den Schülern liegt ein beeindruckendes, teils schlummerndes Potenzial.“

Fähigkeiten und Talente sichtbar machen – bei Pachili hat das geklappt. Der 15-Jährige, der den Realschulzweig der Mathildenschule besucht, ist zwar nicht ins Patenschaftsmodell eingebunden, hat sich aber ebenfalls für den Beratungstag anmelden können.

„Ich möchte Arzt werden, das ist mein großes Ziel“, sagt er. Und dafür legt er sich lerneifrig ins Zeug, hat am Klinikum schon ein Praktikum in der Krankenpflege absolviert und sich nun jede Menge Tipps beziehungsweise Ratschläge besorgen können. „Ich möchte gern auch im nächsten Jahr an dem Beratungstag teilnehmen, um mich weiter fit zu machen“, schaut er erwartungsvoll voraus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare