Hauptschule ist auch für Schüler Auslaufmodell

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Bei der so genannten Schulabgangsbefragung, deren Ergebnisse die Stadt gestern veröffentlicht hat, gaben nur 1,6 Prozent aller heutigen Neunt- und Zehnklässler an, die Schule demnächst wohl ohne Abschluss verlassen zu müssen.

Offenbach (mcr) ‐ Einigen Offenbacher Haupt- und Realschülern mangelt es möglicherweise an gesundem Realismus. Bei der so genannten Schulabgangsbefragung, deren Ergebnisse die Stadt gestern veröffentlicht hat, gaben nur 1,6 Prozent aller heutigen Neunt- und Zehnklässler an, die Schule demnächst wohl ohne Abschluss verlassen zu müssen.

Das steht im scharfen Gegensatz zu den Zahlen des städtischen Erziehungs- und Bildungsberichts 2009. Denen zufolge widerfährt diese Karrierekatastrophe eher etwa jedem zehnten Offenbacher Jugendlichen. Die statistische Lücke relativiert sich allerdings, wenn man unterstellt, dass es vor allem die Hoffnungslosen waren, die den Fragebogen gar nicht erst ausgefüllt haben. Das waren 133 Jugendliche, rund 15 Prozent der 867 um Selbsteinschätzung gebetenen Schüler (ohne Gymnasiasten).

Auch das ist natürlich kein tröstlicher Gedanke. Aber zumindest ist das Bewusstsein nachweislich größer geworden, dass Hauptschulabschluss und Arbeitslosigkeit zwar nicht als Synonym zu verwenden sind, das eine aber oft zum anderen führt. Im Vergleich zum Vorjahr streben mehr Schüler den Realschulabschluss an (plus 6 Prozent) und weniger den qualifizierenden Hauptschulabschluss (minus 8 Prozent).

Angesichts der 85-prozentigen Rücklaufquote der Fragebögen hält die Stadt ihre Zahlen für recht repräsentativ. 54 Prozent der Schüler sind Ausländer, 46 Prozent haben den deutschen Pass. Jungs und Mädchen halten sich fast genau die Waage.

Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen, 55 Prozent, fühlt sich auf die Zeit nach der Schule gut vorbereitet, 8 Prozent (Vorjahr: 21,5 Prozent) sprechen von „schlechter oder gar keiner“ Vorbereitung. 7 Prozent wissen bis jetzt nicht, welchen Weg sie nach dem letzten Schulgong nehmen werden. Von denen, die sich eine Richtung ausgesucht haben, haben 67 Prozent auch eine Alternative ausgetüftelt.

Viele von ihnen werden sie brauchen. Bis März konnten erst 7,3 Prozent der künftigen Abgänger, jeweils zur Hälfte Deutsche und Ausländer, einen Ausbildungsplatz vorweisen, etwa so viele wie vergangenes Jahr. 17 Prozent der Befragten wünschen sich nach der Schule eine Ausbildung nach dem klassischen „dualen System“ in Betrieb und Berufsschule. In den zehnten Klassen ist dieser Anteil mit 24 Prozent deutlich höher.

Beim Ausloten ihrer Chancen nehmen die Abgänger gerne die Berufsberatung wahr. 40 Prozent hatten bis März ein Gespräch mit der Arbeitsagentur. Die wichtigste Rolle bei der Berufswahl spielt aber die Familie (60 Prozent aller Nennungen). Freunde, Bekannte und Lehrer (jeweils 10 Prozent) hingegen blieben unter ferner liefen.

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