Zum elften Mal in Folge

Hauptstadt der Firmengründer: Offenbach bei Regionenranking vorne 

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Im Gründerzentrum Ostpol in der Offenbacher Hermann-Steinhäuser-Straße arbeiten mehr als 70 Jungunternehmen und Künstler Tür an Tür. 

Offenbach -  Offenbach ist die beliebteste Gründerstadt Deutschlands – im Regionenranking des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn liegt die Stadt bereits zum elften Mal in Folge bei Gewerbegründungen auf Platz eins.Wir fragen nach den Hintergründen des Gründerbooms. Von Achim Lederle

Die Zahlen des IfM-Regionenrankings „Neue Unternehmerische Initiative“ (NUI) sind beeindruckend: Auf 10.000 Einwohner kommen in Offenbach 282 Gewerbeneuanmeldungen. Frankfurt rangiert zum Vergleich nur auf dem 32. Platz mit 167 Neugründungen. Auch die angebliche Startup-Hauptstadt Berlin landet mit 185 Neugründungen abgeschlagen auf Rang 13.

Für Holger Winkler, den Referenten für Existenzgründung und Unternehmensförderung der Offenbacher Industrie- und Handelskammer (IHK), ist die Entwicklung logisch: „Mit dem Netzwerk Gründerstadt wurde bereits 2003 die Grundlage geschaffen. Im Rahmen des EU-geförderten Projekts ,City of Entrepreneurs’ war es das Ziel, die Aktivitäten der Offenbacher Gründungsförderer zu bündeln und Existenzgründungen zu unterstützen.“

Innovationsförderer Matthias Schulze-Böing

Partner wie die Bundesagentur für Arbeit, IHK, Sparkasse oder Wirtschaftsjunioren sitzen seither im gemeinsamen Förder-Boot. „Diese Vernetzung hat sich ausgezahlt“, so Winkler. „Der Standort hat sich für Gründer etabliert. Wir sind eine Stadt der kurzen Wege, der bezahlbaren Mieten, mit einer großen Kreativszene rund um die Hochschule für Gestaltung (HfG) – eingebettet in die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main.“

„Man wird nicht verschluckt von der Stadt. Alles ist überschaubar, und auch Neuankömmlinge sind schnell Teil der Gründer-Community“, sagt Mervyn Bienek von „Frame One“. HfG-Student Bienek belegte mit seinem Team beim landesweiten Wettbewerb „Hessenideen“ 2016 den ersten Platz mit seinem Konzept von maßgefertigten Fahrrädern aus dem 3D-Drucker. Gute unternehmerische Ideen aus Offenbach kennt IHK-Innovationsberater Frank Irmscher viele: „Bei Innovationen hat Offenbach eine Ausnahmestellung“, so Irmscher.

Im September 2017 hat zum Beispiel die Firma „Meshcloud“ mit einer europäischen Cloud-Plattform beim Wettbewerb „Digitale Innovationen“ des Bundeswirtschaftsministeriums den Hauptpreis gewonnen. Meshcloud schaffte sich seine wirtschaftliche Erfolgsbasis im Gründerzentrum Ostpol, wo über 70 Ateliers und Büros für Jungunternehmer und Künstler existieren. Auch im Ostpol wird die Vernetzung groß geschrieben: Tür an Tür arbeiten Schriftsteller, Internetfirmen, Maler und Modelabel. Der Vielfalt an Firmen entspricht in Offenbach eine Vielfalt der Nationen: „Wir haben Gründer aus 65 verschiedenen Ländern“, sagt Frank Irmscher.

So jung und schon Chef: Wenn Berufseinsteiger Firmen gründen

Für Matthias Schulze-Böing ist die nationale Vielfalt eine wichtige Basis für den Offenbacher Gründerboom. „Migranten haben häufig eine höhere Affinität zur Selbstständigkeit“, sagt der Innovationsförderer der Stadt und Chef des Jobcenters Mainarbeit. Inzwischen sieht er eine neue Qualität bei den Gründungen: Bis 2013 gab es laut Schulze-Böing in Offenbach eine stark ansteigende Zahl von Gewerbeanmeldungen vor allem durch osteuropäische Handwerksbetriebe. Mit der Freizügigkeit innerhalb der EU und dem gesamtdeutschen Job-Boom halbierte sich die Zahl von 1100 auf rund 600.

„Im dritten Quartal 2017 registrierten wir 558 Gewerbeanmeldungen in Offenbach“, so der Innovationsförderer. Während bundesweit die Zahlen der Existenzgründer wegen des guten Arbeitsmarkts teils deutlich sinken, bleiben die Zahlen in Offenbach also stabil. „Die Gründer sind inzwischen besser vorbereitet, beginnen oft im Nebenerwerb, bevor sie dann hauptberuflich mit ihrer neuen Firma durchstarten“, erläutert IHK-Experte Winkler. Die einstige Lederstadt ist längst zur Gründerstadt geworden – und es spricht einiges dafür, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

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