Haus des Jugendrechts nimmt Ende des Jahres Betrieb auf

Strafe soll auf dem Fuße folgen

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Gut gelaunt: Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (3. von rechts) stellte gestern zusammen mit Kerstin Reckewell, Chefin der Staatsanwaltschaft Darmstadt, und Alexander Homm von der Offenbacher Anklagebehörde (rechts) das Konzept für das Haus des Jugendrechts vor. Andreas Sprengel (4. von rechts), Vermieter im Kaiserpalais, führte mit seinem Team durch die vom Land angemieteten Räume, die noch umgebaut werden.

Offenbach - Voraussichtlich Ende des Jahres wird auch in Offenbach ein Haus des Jugendrechts in Betrieb gehen. Von Matthias Dahmer

Hessens Justizministerin Eva Kühne- Hörmann (CDU) hat gestern die Räumlichkeiten im Kaiserpalais, dem ehemaligen Goldpfeil- Gebäude an der Kaiserstraße, vorgestellt. Und die Besonderheiten der Offenbacher Einrichtung betont.
Häuser des Jugendrechts gelten als Erfolgsmodell, wenn es um die Eindämmung von Jugendkriminalität und um Prävention geht. In ihnen arbeiten in der Regel Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und ein freier sozialer Träger unter einem Dach zusammen, um kurze Wege sowie eine zeitnahe Reaktion auf strafbares Handeln zu garantieren.

In Offenbach wird hessenweit das vierte Haus des Jugendrechts in Betrieb gehen. Bislang gib es zwei Einrichtungen in Frankfurt und eine in Wiesbaden. Vier weitere sind geplant: in Hanau, Fulda, Kassel und ein drittes Haus in Frankfurt.

2000 Quadratmeter hat das Land im zweiten Stock des Kaiserpalais angemietet. Dort, wo künftig im Erdgeschoss das Bürgerbüro und weitere städtische Einrichtungen untergebracht sind.

„Wir sind echt stolz auf dieses Projekt“, sagt Justizministerin Eva Kühne-Hörmann beim Rundgang durch die noch im Umbau befindlichen Räume. Gerade bei sehr jungen Straftätern könnten schon wenige Monate ausreichen, um kriminelle Karrieren zu festigen. „Dem wollen wir durch ein intensives Eingehen auf die Täter, gute Informationsarbeit zwischen den unterschiedlichen Trägern und schnelle Entscheidungen entgegenwirken. Denn oftmals ist es nicht die Strafe selbst, sondern der Umstand, dass die gesellschaftliche Reaktion auf dem Fuße folgt, der junge Menschen zum Umdenken bewegt.“ Die Statistik zeige, dass durch Häuser des Jugendrechts die Jugendkriminalität um rund 30 Prozent sinke, betont Eva Kühne-Hörmann.

Die Ministerin hebt die Offenbacher Besonderheiten hervor: Erstmals ist das Gericht in einem Haus des Jugendrechts mit vertreten, die Jugendrichter des Amtsgerichts werden ein Büro im Kaiserpalais haben und könne so von Anfang an bei der Aufarbeitung der Fälle durch Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und die Diakonie mitwirken.

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Ein weiteres Merkmal ist der Standort: Die Lage mitten in der Stadt sei ein immenser Vorteil, durch die Nachbarschaft zu Bürgerbüro und weiteren Einrichtungen, mit denen man sich den Zugang teile, werde eine Stigmatisierung der Jugendlichen vermieden. Hinzu komme, so die Ministerin, ein Effekt, der aber auch bei anderen Häusern des Jugendrechts zu beobachten sei und der so gar nicht beabsichtigt gewesen sei. Die Einrichtungen leisteten auch Präventionsarbeit, da sich Jugendliche oder auch Eltern aufgrund des niedrigschwelligen Angebots schon meldeten, wenn sich ein Abgleiten auf die schiefe Bahn abzeichne.

Außer beschleunigten Verfahren, die das Ziel haben, die Strafe zeitnah folgen zu lassen, zeichnen sich Häuser des Jugendrechts durch eine hohe Quote beim sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich aus. Diese außergerichtliche Konfliktbewältigung, die im Offenbacher Haus die Diakonie übernehmen wird und die dafür sorgen soll, dass jugendliche Täter und Opfer nach einem Strafverfahren nicht wieder in Streit geraten, gelinge in 80 bis 90 Prozent der Fälle.

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Vermutlich mehr als 100 Verfahren werden pro Monat im Haus des Jugendrechts bearbeitet, schätzt Oberstaatsanwalt Alexander Homm, der die Anklagebehörde in der Einrichtung leitet. Damit komme Offenbach in etwa auf die Zahlen der anderen Häuser, sagt Ministeriumssprecher René Brosius. Laut Ministerin wird die Staatsanwaltschaft mit 2,5 Stellen plus drei Mitarbeitern vertreten sein, die Polizei sei mit etwa 20 Beschäftigten dort tätig, ebenso die Stadt.

Die Verzögerungen beim Projekt, das seit Jahren in der Diskussion war, erklärt Kühne-Hörmann mit dem Umstand, dass es in der Stadt keine Jugendgerichtshilfe gegeben habe, die ein notwendiger Beteiligter in den Einrichtungen sei. Das habe strukturelle, aber auch ideologische Gründe gehabt. Erst die Offenbacher Tansania-Koalition habe die Notwendigkeit erkannt, kann sich die CDU-Ministerin gestern ein wenig Wahlkampf nicht verkneifen.

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