VDE-Institut testet Smart-Home-Technologie

Das Haus wird intelligent

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Norbert Verweyen, Geschäftsführer der RWE Effizienz GmbH (rechts), erhielt gestern in Offenbach das VDE-Zeichen für Informationssicherheit und Datenschutz von Michael Jungnitsch, dem Geschäftsführer des Instituts.

Offenbach - Das intelligente Haus soll seinem Bewohner das Leben leichter machen. Das VDE-Institut in Offenbach hat jetzt erstmals Smart-Home-Technologie getestet und sein Siegel vergeben. Von Marc Kuhn 

Die Fenster lassen sich übers Internet oder Smartphone schließen. Die Heizung wird automatisch rauf- oder runtergefahren. Lampen gehen wie von Geisterhand gesteuert an oder aus. Rauchmelder kommunizieren miteinander und auf Wunsch auch mit den Rolläden - im Smart Home, dem intelligenten Zuhause, können viele Geräte vernetzt werden. Und das ganze Haus ist mit seinem Besitzer übers Netz verbunden. Doch angesichts der zahlreichen Berichte über Datenklau sorgen sich potenzielle Kunden häufig um die Sicherheit. Nun hat der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) erstmals ein Zertifikat ausgegeben. Das Prüf- und Zertifizierungsinstitut hat gestern in Offenbach an die RWE Energie Effizienz GmbH das VDE-Zeichen für Informationssicherheit und Datenschutz für ein sogenanntes Smart Home Backend - Hard- und Software - vergeben. Die Experten untersuchten das Backend, das die Hausautomation verwaltet und geschützte Zugänge von außen ermöglicht. Unter anderem wurden das Rechenzentrum, das Netzwerk, die Sicherheit der Anwendungsplattform und der Datenschutz unter die Lupe genommen.

„Mit RWE Smart Home haben wir erstmals das Backend einer intelligenten Haussteuerung auf Herz und Nieren geprüft“, erklärte Michael Jungnitsch, Geschäftsführer des VDE. Es verfüge über ein „durchgängiges Sicherheitssytem“, berichtete der Manager für Smarte Technologien beim Verband, Alexander Matheus. Das Siegel schaffe Vertrauen, sagte Norbert Verweyen, Geschäftsführer der RWE Effizienz GmbH. Das Zeichen wurde für ein Jahr vergeben, erläuterte Siegfried Pongratz, Leiter der VDE-Smart-Home-Testplattform, die vor zwei Jahren in Offenbach eingerichtet wurde. RWE Smart Home ist eine Produktfamilie - Schalter, Steckdosen, Sensoren an Fenstern, Bewegungs- und Rauchmelder. Die Geräte sind über ein hausinternes Funknetz mit einer Steuereinheit verbunden. Zudem ermöglicht Smart Home eine intelligente Heizungssteuerung. Die elektrischen Geräte können nicht nur von zuhause, sondern auch von unterwegs über das Internet oder Smartphone gesteuert werden. Mit der Haussteuerung soll der Bewohner Energie sparen. Aber auch Sicherheitstechniken können integriert werden.

Zehn Euro pro Quadratmeter

Das System soll intuitiv bedienbar sein, sagte Verweyen. Die Kosten würden bei etwa zehn Euro pro Quadratmeter der Wohnung oder des Hauses liegen. Knapp 100.000 Einheiten habe RWE bisher verkauft. Verweyen erwartet, dass der Markt 2017 anzieht. Nach seinen Worten kann das System auch von Mietern verwendet werden, da es bei einem Umzug mitgenommen werden kann. Über den Browser steuert der Nutzer das System. Auf der Smart-Home-Zentrale werden nur seine Zugangsdaten, Seriennummern der angeschlossenen Geräte und die vom Anwender eingerichteten Steuerungsparameter gespeichert. Lediglich der Kunde und von ihm autorisierte Personen haben Zugriff. Alle Daten werden zweifach verschlüsselt. „Die Vernetzung ist eine neue Gefahr“, sagte Jungnitsch. Deshalb habe die Sicherheit eine neue Dimension bekommen. „Wir haben alle Hacker-Methoden ausprobiert, die wir kennen“, erklärte Pongratz zur Prüfung von RWE Smart Home. Ein Haus sei ein geschlossenes System. Doch Attacken von außen seien die Schwachstelle, berichtete der VDE-Experte. Das ganze System sei geprüft worden, vom Handy bis zum Sensor, erläuterte Matheus. Es ist nach Ansicht des Verbands sicher. Er will darüber hinaus mit den Tests sicherstellen, dass die unterschiedlichen Komponenten des Systems zusammenarbeiten.

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„Es geht darum, dass der Kunde entscheidet, was mit seinen Daten geschieht“, erklärte Verweyen. Es sei zum Beispiel möglich, dass Sensoren an Fenstern melden, wenn sie geöffnet seien. Ziehe ein Unwetter auf, könne der Bewohner per SMS gewarnt werden. Dafür müssen aber die Daten freigeschaltet sein. Verweyen betonte, dass die Rechner für RWE Smart Home in Deutschland stehen und somit den hiesigen Datenschutzregeln unterliegen.

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