Hausbesitzer rechnen ab

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Der Platzumbau selbst kommt bald auf Touren. Die Hausbesitzer fürchten aber eher die Erweiterung.

Offenbach - Keine Ruhe vor dem Sturm: Wie nah der Abend ist, an dem das Offenbacher Stadtparlament über eine Ausdehnung des Wilhelmsplatzes bis an die seitlichen Häuserfassaden entscheiden soll, ist momentan deutlich an der erhöhten Mailfrequenz aus dem Umbau-Widerstand abzulesen. Von Marcus Reinsch

Tagtäglich machen Botschaften aus den Reihen der Immobilieneigentümer die große Runde durch die Posteingänge potenzieller Sympathisanten und Zeitungsredaktionen. Und tagtäglich wäre ihre Lektüre eine Fundgrube für Soziologen auf der Suche nach Beispielen für die große Bandbreite menschlicher Reaktionen - Betroffenheit, Ironie, teils grenzwertige Spitznamen für Funktionsträger - auf ein und das selbe Thema.

Das Thema ist: Falls die Stadt den Wilhelmsplatz erweitert wie geplant, wird nach dem Abzug der Bagger jeder der drei Dutzend Eigentümer eine durch die städtische Straßenbeitragssatzung abgesicherte Rechnung bekommen. Die wollen sie nicht bezahlen, und die, das wird beklagt, könnten viele nicht bezahlen, ohne sich hoch zu verschulden.

Also erwartet die Riege der Hausbesitzer am 3. September (17 Uhr, Rathaus, Berliner Straße 100) von der Politik ein Nein zum Umbaubegehren des Magistrats, wird aber wohl doch eher ein klares Ja erleben. Die Volksvertreter aus der SPD-Grüne-FDP-Koalition zumindest haben längst öffentlich zu Protokoll gegeben, dass sie nicht nur einen optisch aufgemöbelten, sondern auch einen größeren Wilhelmsplatz durchaus als Gewinn fürs Volk sehen würden. Und dass Hausbesitzer an anderen grundlegend umgebauten Straßen ja schließlich auch ihr finanzielles Scherflein zur Verbesserung des Umfelds beigetragen hätten.

Was die Umbaugegner von den Verbesserungsvorschlägen der Planer halten, machen sie in ihrer jüngsten Veröffentlichung - einem Schreiben an alle Stadtverordneten - schon dadurch deutlich, dass das Wort Verbesserungen nicht einmal vorkommt. Die von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) und der Ampelkoalition propagierte „Aufwertung“ erwähnen sie nur, um sie zu bestreiten.

Existenzielle Bedrohung für die Marktbeschicker, Gastronomen und Hausbesitzer

Das Klagelied hat einige Strophen. Die Verfasser bemängeln die städtische Informationspolitik gegenüber den Betroffenen, den Verlust des natürlichen Wilhelmsplatz-Charmes, die schon gefallenen Bäume, den Verlust von Parkplätzen, das neue Pflaster, die neuen Lampen, die Einladung an Raser durch die Beseitigung der seitlichen Fahrbahnbegrenzungen, die Folgekosten, die existenzielle Bedrohung für Marktbeschicker, Gastronomen und Hausbesitzer („Die stehen teilweise vor dem Notverkauf ihrer Häuser“).

Und: Die Zeilen sind als letzter außergerichtlicher Versuch zu verstehen, das Eine-Million-Euro-Projekt zu kippen. „Die Hausbesitzer der westlichen und südlichen Straßen werden gegen die Zahlungsbescheide den Rechtsweg beschreiten“, heißt es. Die Stadtverwaltung übersehe, dass auch ein Gericht den „größten Teil“ des Umbaus als „Luxus“ werten und damit die Abwälzung vieler Kostenposten auf die Eigentümer kippen könnte. Und dass die Stadt „einen Platz mit derartiger zentraler städtischer Funktion“ quasi als überwiegend den Anwohnern dienendes und damit als überwiegend auf Eigentümerkosten umzubauendes Objekt einstufe, sei ebenfalls einer juristischen Überprüfung wert. Mindestens 350 000 Euro inklusive Baukostensteigerungen, schätzen die Umbaugegner, werde die Stadt wohl noch auf ihren bisher fast komplett aus dem Konjunkturpaket gedeckten Anteil drauflegen müssen.

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