In Offenbach

Ein Heim für Kampfkünstler

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Endlich ein Zuhause: Im ehemaligen Sängersaal der vereinseigenen Halle an der Goethestraße haben die Karateka des TV Offenbach ihr Dojo eröffnet.

Offenbach - Der Traum vom eigenen Heim treibt viele Menschen an. Die Karateka des Turnvereins Offenbach haben sich diesen erfüllt. Zwar haben sie kein eigenes Haus gebaut, sind jedoch Herr über die eigenen vier Wände. Im Karate ist dies kein unwichtiges Gut. Von Steffen Müller 

Nach mehr als zehn Jahren Warten bekommt die Karateabteilung des TVO ihren eigenen Übungsraum. Gestern Abend wurde in der vereinseigenen Turnhalle an der Goethestraße das Trainingszentrum, das Dojo, eröffnet. „Unsere Mitglieder wollten ein Zuhause, endlich haben sie eins“, freute sich Abteilungsleiter Günter Lehrke.

Eigene Ausstattung und sauberer Boden: Das Dojo ist traditionell eingerichtet und lässt keine Wünsche offen.

Für den TVO ist die Eröffnung ein bedeutender Schritt, denn die Übungshalle ist für die Anhänger dieser Kampfkunst mehr als nur ein Ort zum Training. „Ein Dojo bietet Ordnung und hilft bei der Einhaltung von Disziplin. Es ist eine Stätte voller Rituale und Respekt“, erklärt Lehrke. Bislang nutzte die Karate-Abteilung den Gymnastikraum in der Turnhalle des Vereins, nun wurde der ehemalige Sängersaal in einen, so die wörtliche Übersetzung, „Ort des Weges“ umgebaut. Und dieser Raum steht ausschließlich den 50 Karateka des TVO zur Verfügung. Matten liegen aus, an einer Wand sind Spiegel angebracht, an einer anderen finden sich Bilder von Lehrmeistern, japanische Schriftzeichen und Schwerter. Eine deutsche Flagge ist für ein Dojo unüblich, da jedoch 95 Prozent der jugendlichen TVO-Karateka einen Migrationshintergrund haben, wollten sie mit der Fahne ihre Zugehörigkeit zu Deutschland signalisieren.

Von der Ausstattung her hätten die Karate-Spezialisten auch in der Turnhalle ihrer Sportart weiter nachgehen können, doch beim Blick auf die Tradition des Karates wird deutlich, welche Bedeutung das Dojo einnimmt. Um all den Anforderungen dieses komplexen Sports gerecht zu werden, ist hohe Konzentration vonnöten. Karate ist mehr als nur eine Kampfkunst, es ist eine Lebenseinstellung, die gegenseitigen Respekt, Bescheidenheit und Ruhe erfordert. Vor allem ruhige Bedingungen waren in der Gymnastikhalle nicht immer gewährleistet. Während des Trainings herrschte durch Besucher anderer Sportarten immer eine gewisse Unruhe.

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Dies ändert sich nun. „Wir können die Tür abschließen und gefährliche Kampfgegenstände offen stehen lassen. Das war vorher nicht möglich“, nennt Lehrke nur einen Vorteil. Viel entscheidender ist jedoch, dass im Dojo Respekt für die Traditionen gewahrt bleibt. Und zwar nicht nur von Sportlern, sondern auch von Gästen. So müssen vor Betreten des Übungsraums die Schuhe ausgezogen werden, damit der Boden nicht verunreinigt wird. Außerdem wird mit einer Verbeugung beim Eintritt symbolisiert, dass man sich an die Regeln der Sportart hält. Diese besagen unter anderem, dass laute Geräusche und Unterhaltungen zu unterlassen sind, um die Übenden nicht zu stören. Einhaltung der Traditionen steht bei den Karateka über allem. Dass sich nicht alle Gäste an die Regeln gehalten haben, hat Lehrke immer geärgert. Dieser Störfaktor ist nun beseitigt. Nach Sensei Wolfgang Bundschuh das Dojo eröffnet hat, kann das Motto „In der Ruhe liegt die Kraft“ in die Tat umgesetzt werden.

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