Der heimliche Bürgermeister

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Oberbürgermeister Horst Schneider überreichte im Sitzungssaal der Stadtverordneten die Bürgermedaille in Bronze an den Rumpenheimer Heinrich Farr.

Offenbach (mk) - Was für ein Jahr für Heinrich Farr: Im Frühjahr den 90. Geburtstag gefeiert, im Sommer die Bürgermedaille in Bronze erhalten.

Bleibt abzuwarten, was der Herbst für den Rumpenheimer bringt, der lange Jahre als der „heimliche Bürgermeister“ des ehemals selbstständigen Stadtteils galt. Nicht wenige waren daher der Einladung in den Stadtverordnetensitzungssaal gefolgt, wo Oberbürgermeister Horst Schneider die Medaille feierlich an Heinrich Farr überreichte.

Der Geehrte ist so etwas wie ein „Rumpenheimer Urgestein“ – im besten Sinne. Dabei drängte es Heinrich Farr niemals in die erste Reihe, sondern wirkte „hilfreich im Stillen“, wie es Peter Schneider formulierte, den mit Farr eine lange Zusammenarbeit verbindet. Dabei stellte sich „dem Heinrich“ eigentlich nie die Frage, ob jemand der gleichen politischen Kraft angehörte (Farr ist Mitglied der FDP, Peter Schneider etwa Fraktionschef der Grünen). In Farrs Fokus stand jeweils die Sache, die Rumpenheimer Sache, versteht sich.

„Den kenn’ ich; ich rede mal mit ihm...“

Heute würde man sagen, der 90-jährige ist in seinem Geburtsort gut vernetzt. Tatsächlich kennt er sich wie wohl kein zweiter in seinem Dorf aus. Und nicht selten hieß es aus seinem Mund: „Den kenn’ ich; ich rede mal mit ihm...“

Gern erinnert sich Schneider an den gemeinsamen Kampf gegen einen geplanten Golfplatz in Rumpenheim in den 90er Jahren. „Irgendwann kam Heinrich Farr mit einer Liste der Eigentümer der Grundstücke. Das war damals sehr hilfreich“, blickt der Grünen-Politiker zurück. Andere dürften über diese Farr-Nummer weniger erfreut gewesen sein. Allein das reicht natürlich nicht aus, um die Bürgermedaille zu erhalten. Heinrich Farr hat sich über viele Jahrzehnte auf verschiedenen Gebieten ehrenamtlich für das Allgemeinwohl engagiert. Wie groß dieses Engagement war, spiegelt sich in seinen Ehrentiteln wieder und in der Präsenz der Gäste: Ferdi Walther war da für die FDP, Heinz Maier-Ebert für die BIR, Helmut Hill für Rumpenheim...

Nicht seine erste Auszeichnung

Heinrich Farr ist Ehrenvorsitzender der liberalen Ortsgruppe Bürgel/Rumpenheim/Waldheim und Ehrenvorsitzender der Bürgerinitiative Rumpenheim. Mit der BIR hatte er sich zum Ziel gesetzt, Kunst, Kultur und Denkmalschutz im Interesse der Bevölkerung zu fördern und den Landschafts- und Lebensraum zu schützen. Für diese Arbeit wurde sie 1985 mit dem Konrad-Adenauer-Preis in Silber und 2007 mit dem Denkmalpreis der Stadt Offenbach am Main ausgezeichnet.

Heinrich Farr kämpfte aber nicht nur eisern und zäh um den Wiederaufbau und die Pflege von Schloss und Schlosspark Rumpenheim, er engagierte sich unter anderem auch für den Bau und Betrieb des Anni-Emmerling-Hauses. 1994 unter der Oberaufsicht von Herrn Lippisch für die Kirchenrenovierung, die sich über mehrere Monate hinzog. Er arbeitete gut zwei Amtsperioden im Vorstand der evangelischen Schlossgemeinde mit und organisierte Reisen für die Senioren der Gemeinde zu diversen Zielen in Deutschland, Südtirol und Österreich.

Die Stadt Offenbach bedankte sich nun für sein „Einmischen“ und „gratuliert recht herzlich zur Aushändigung der Bürgermedaille in Bronze der Stadt“, sagte Oberbürgermeister Horst Schneider.

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