Gerd Dudenhöffer im Offenbacher Capitol

Heinz Beckers absurder Alltag

Gerd Dudenhöffer alias Hein Becker
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Gerd Dudenhöffer alias Hein Becker

Offenbach - Bekanntlich zeigt sich wahres Können oft in der Beschränkung auf das Wesentliche. Puristischer als der Auftritt von Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker im Offenbacher Capitol kann eine Comedyshow nur schwer ausfallen. Von Sebastian Krämer 

Lediglich mehrere Stellwände mit Gesichtern umrahmen den hölzernen Klappstuhl, auf dem der Saarländer für mehr als zwei Stunden Platz nimmt. Dabei setzt der aus Bexbach stammende 68-Jährige ganz auf sein beachtliches rhetorisches Talent.
Batschkapp, Hosenträger und kariertes Hemd, so kennt fast jeder den charismatischen Unterhalter. Seine Alltagsgeschichten aus der Perspektive Heinz Beckers, die an einigen Stellen ins Absurde abdriften, haben zuletzt an Schärfe gewonnen. Bissig und rabenschwarz ist der humoristische Spiegel, den er seinem Publikum vorhält, gern eingeleitet mit seiner pfälzischen Lieblingsphrase: „Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon verzählt ab...“

Da berichtet er unter anderem über die Ängste eines Stadtrats bezüglich eines Heims für körperlich behinderte Kinder in seinem Heimatort. Wenn diese mit „normalen Kindern spielten“, könnten sich Letztere ja eventuell etwas Falsches abschauen, unkt er.

Der gezielte Tabubruch ist ein beliebtes Stilmittel des gelernten Grafikers. So wenn er bei der verschleierten Bediensteten fälschlich davon ausgeht, dass die Post bereits geschlossen sei. Bei Kommentaren zu Themen wie Ehe für alle, Flüchtlinge, Diskriminierung, Sterbehilfe oder Suizid geht stellenweise ein Raunen durchs Publikum.

Neben dem persiflierten „Alltagsrassismus“ geht es um das Beckersche Familienleben. Probleme wie das Fehlen von Toilettenpapier werden clever gelöst: Der gewitzte Familienvater bastelt sich schnell aus dem letzten Blatt Papier und der Papprolle einen „Kratzer“. Szenen wie der Kampf von kalter Butter und frischem Mischbrot, bei dem schließlich die Butter auf dem Tisch landet und danach im Brot nur noch ein Loch übrig bleibt, kennt wohl jeder.

Eine Requisite gönnt Gerd Dudenhöffer den Zuschauern seines Programms „Déjà Vu“ aber doch: Zur Zugabe kommt er mit einer Schnapsflasche auf die Bühne und krönt seine Galavorstellung, die nichts vermissen lässt, in der Rolle des Betrunkenen.

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