Helden-Frage

Jeder kann Vorbild sein

Auch tänzerisch haben sich die Kinder und Jugendlichen dem Thema „Helden“ genähert. - Foto: Georg 

Offenbach - „Es ist traurig aber wahr, Helden sind unsichtbar.“ Doch es gibt sie, davon sind Yannick Hörner (18) und Hannes Mittwollen (14), von denen der Rap-Song „Alltagshelden“ der Jugendband Flying Monkeys stammt, überzeugt. Von Harald H. Richter 

„Es seid ihr, denen es in der Hand liegt, die Welt zu retten, Kinder einzubetten, Verderben einzudämmen, ja ihr seid in Wirklichkeit die wahren Helden“, verbreiten sie ihre Botschaft. Zusammen mit Gisken Mittwollen, Kaan Yves Kneipp und Merle Frey stehen sie auf der Bühne des KJK Sandgasse und geben ihren Sprechgesang-Beitrag zum 14. Kreativ-Wettbewerb des Jugendbildungswerks und des Jugendkulturbüros zum Besten. „Let‘s talk about us – Helden und Heldinnen“ lautete diesmal das Motto, zu dem sich Gruppen aus Schulen und Jugendzentren, Gemeinden, freien Initiativen und Vereinen allerhand einfallen ließen. 130 Kinder und Jugendliche haben sich in den vergangenen Wochen differenziert kreativ – mal nachdenklich-kritisch, mal vergnüglich-unterhaltsam – mit der Frage auseinander gesetzt, was Helden ausmacht, welche Figur oder Person Vorbildfunktion besitzt.

Sind es allseits bekannte Comic- oder Actionstars, Figuren der Zeitgeschichte oder einfache Menschen, die sich für andere aufopfern, in brenzliger Situation Courage zeigen, trotz Schicksalsschlägen nicht aufgeben? Herausgekommen sind Theater- und Tanzbeiträge, etwa die „Kleinen Helden der Kommunikation“ des Tanztheaters Studio Lambrecht, eine Performance des Vereins People’s Theater und manches mehr.

Zeichnungen, Collagen, Texte und mehr

Eine bemerkenswerte und zum Teil berührende Ausstellung gehört dazu, die in den oberen Etagen des KJK zu betrachten ist. Malerei, Grafik, Foto und Film sind Stil- und Ausdrucksmittel gewesen, außerdem Zeichnungen, Collagen und Texte, mit denen zum Beispiel Fröbelschüler unter Anleitung von Lehrerin Edith Gessner ihre Empfindungen und Wahrnehmungen ausgedrückt haben. Beachtung verdienen auch in Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule entstandene Tonarbeiten der Schillerschule zur Rolle der Mutter, sowie Collagen über den Zusammenhang von Alltagshelden und Heiligen, womit sich eine Gruppe aus der Italienisch-katholischen Gemeine befasst hat.

Claudia Weigmann-Koch vom städtischen Jugendamt freut sich über das breite inhaltliche Spektrum, welches sich in den Beiträgen der jungen Leute spiegelt. Auch Bürgermeister Peter Schneider imponiert, was er sieht und hört. „Mut zeigen, wenn andere wegschauen, Fairness und Respekt im Umgang miteinander zeigen und danach leben, auch das macht einen Helden aus, einen Menschen mit Vorbildcharakter“, betont der Bildungsdezernent in seinem Grußwort. Unbequemlichkeiten nicht ausweichen, auch einmal Widerspruch äußern, das seien durchaus Tugenden.

Wer sind die Comic-Helden aus Lego-Steinen?

Wer sind die Comic-Helden aus Lego-Steinen?

Davon handelt auch das szenische Spiel, mit dem die freie Theater-AG der Geschwister-Scholl-Schule aufmerken lässt: Wird darin doch offen das Problem der Frühverheiratung junger Mädchen getadelt. Jugendliche des Vereins Group African Development führen tänzerisch ein Helden-Ritual in Bambana-Tradition auf und unterstreichen die sämtliche Kulturräume umspannende Bedeutung des Themas.

Mit allem, was die Jugendlichen an diesem Abend an der Sandgasse zeigen, wollen sie aufrütteln, zum Nachdenken anregen. Sie tun dies durchaus provokant und in der ihrer Generation eigenen Sprache – wie in dem Lied der Flying Monkeys, wo es heißt: „Geh runter vom Sofa, beweg deinen Arsch, das Leben geht weiter und ist kein Trauermarsch. Geh raus und hilf, denn selbst Jesus sprach: The sky is the limit, also greife danach!“

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