Mädchen schrauben an Autos

Technik, die begeistert

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Paromita (rechts) und ihre Freundin sind begeistert von der pneumatischen Steuerungstechnik, die sie gemeinsam mit Azubi Leon beim Schnuppertag im Unternehmen GKN zusammengebaut haben.

Offenbach - Schülerinnen von Albert-Schweitzer-Schule, Marienschule und Leibnizschule sollen eine Ferienwoche lang in von Männern dominierte Berufe hineinschnuppern. Von Rebecca Röhrich

Der Grund: Noch immer entscheiden sich weniger Frauen als Männer für einen technischen oder einen naturwissenschaftlichen Beruf. Paromitas Augen beginnen zu leuchten, als die Druckluft durch den Zylinder schießt und sich der Kolben der Konstruktion langsam auf und ab bewegt. Gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen hat sie zuvor einen Steuerungsmechanismus an die Übungswand geschraubt. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, einen technischen Beruf zu lernen“, sagt die 14-Jährige. Ingenieurin fände sie toll.

Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für ein Studium der Ingenieurwissenschaften. 2012 lag der Frauenanteil in dem Studiengang immerhin bei 23 Prozent, im Jahr 1975 waren es magere 7 Prozent. Mit diesem Berufsziel ist Patomita trotzdem, statistisch gesehen, eine Ausnahme. Die MINT-Berufe, also Berufe auf den Gebieten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, werden immer noch von Männern dominiert. Laut der Agentur für Arbeit lag 2014 der Frauenanteil in naturwissenschaftlichen Berufen bei 14 Prozent. Damit sich dies ändert, veranstaltet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach mit Unterstützung der kommunalen Frauenbeauftragten zum vierten Mal das Ferienangebot „Ferien mal anders – Mädchen auf Berufetour“.

Eine Woche lang besuchen insgesamt 15 Mädchen Firmen in Offenbach, die Ausbildungen zum Kfz-Mechaniker oder zum Elektroniker anbieten. Mit dabei: Das Autohaus M.A.X., die Energieversorgung Offenbach und das Technikunternehmen GKN (früher Löbro), dass unter anderem Antriebswellen für Automarken von Fiat bis VW herstellt. Im Ausbildungszentrum des Betriebs können die Schülerinnen testen, ob Feilen, Schrauben oder Löten etwas für sie ist. Rania und Leyla bemühen sich, Schalter und Zylinder an einer Metallwand festzuschrauben.

Beide gehen in die neunte Klasse und wissen noch nicht, was sie später beruflich machen wollen. Leyla hat schon mal darüber nachgedacht, Apothekerin zu werden. „Irgendwas mit Gesundheit“, sagt sie, während sie einen Schalter anschraubt. Damit entspricht sie der Statistik: Medizinische und pflegende Berufe sind bei den Azubis 2014 die erste Wahl in Offenbach. Zu Hause sind weder Leyla noch Rania bisher groß mit handwerklichen oder technischen Arbeiten in Berührung gekommen. „Ich hab mal geholfen, einen Schrank aufzubauen“, erzählt Rania. Mehr Erfahrung hat auch Leyla nicht.

„Es kann schon sein, dass das Desinteresse an technischen Berufen daher rührt, dass Mädchen im Alltag seltener mit ihr in Berührung kommen“, sagt Thomas Süsser, Referent in der Aus- und Weiterbildung bei der IHK Offenbach. Sie würden vermutlich seltener lernen, ihr Fahrrad selbst zu reparieren. Interessant in dem Zusammenhang: Die technikbegeisterte Paromita durfte ihren Vater, einen Ingenieur, schon zur Arbeit begleiten. Der stellvertretende Ausbildungsleiter bei GKN, Michael Dorsch, ist jedenfalls mit seinen weiblichen Auszubildenden sehr zufrieden. „Mädchen sind bei der Arbeit oft überlegter“, erzählt er. Am Ende komme aber das gleiche Ergebnis raus. Auch Azubi Leon würde sich über mehr weibliche Kolleginnen freuen. „Das wäre einfach abwechslungsreicher“, findet er.

Wie werde ich...? Aufbereitungsmechaniker/in

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