Heroin-Dealer packt aus

Offenbach - Glück für Saso I. aus Offenbach, dass es Paragraf 31 des Betäubungsmittelgesetzes gibt. Der sieht wesentliche Strafmilderung vor, wenn der Täter durch freiwillige Offenbarung seines Wissens wesentlich zur Tataufdeckung beiträgt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

So kommt der 31-Jährige gestern vor dem Landgericht Darmstadt wegen unerlaubtem Drogenhandel in größeren Mengen mit fünf Jahren und sechs Monaten Haft davon - Staatsanwältin Annette Fercher hatte zwei Jahre mehr gefordert.

Saso I. und zwei Mittäter waren am 14. Februar erwischt worden. „Kurier“ Milorad R. (57) hatte zwei Kilogramm Heroin in seiner Kleidung eingenäht von Skopje aus mit dem Bus nach Deutschland geschmuggelt und verkaufte das Paket an Saso I. und Mario P. (33). Im Keller von I.‘s Wohnung wurden außerdem drei Kilogramm Streckmittel sicher gestellt.

Die Anklage hätte sich höchstwahrscheinlich mangels Beweisen auf diesen einen Fall beschränkt, hätte I. sich nicht dazu entschieden, mit der ganzen Wahrheit rauszurücken: In insgesamt acht Deals setzte er 15,8 Kilogramm des weißen Stoffes um, sein Gewinn betrug dabei rund 22.000 Euro.

„Risiko des Drogendeals in Kauf genommen“

„Wir hatten in den letzten Jahren eine Vielzahl von ähnlichen Prozessen,“ so Richterin Barbara Bunk in ihrer Urteilsbegründung, „in denen junge Männer in finanziellen Notlagen das Risiko des Drogendeals in Kauf nehmen. Das große Geld machen dabei natürlich die Hintermänner.“

In einem ausführlichen Plädoyer führte der Verteidiger I.´s genau diese Motive seines nicht vorbestraften Mandanten an. Er sei in Mazedonien in ärmlichen kleinbäuerlichen Verhältnissen aufgewachsen und habe keinerlei Berufsausbildung erlangt. Um zusätzlich Geld zu verdienen, nahm er diverse Hilfsarbeiten in Italien und Slowenien an. Seine Mutter sei seit 1999 schwer krank und bedürfe medizinischer Versorgung – ein zweisprachiges ärztliches Attest belegt dies. Einen Großteil seines deutschen „Einkommens“ habe er nach Hause geschickt. Gewohnt hat er bei der Cousine in Offenbach. „Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe. Ich werde nie wieder so etwas machen“, erklärt I. über seine Dolmetscherin.

Die Beteiligung seines ebenfalls nicht vorbestraften Landsmanns Mario P. und des Serben Milorad R. beurteilte die 15. Strafkammer als Beihilfe, doch bei R. kam die Einfuhr hinzu. Er geht für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. P. darf sich drei Jahre bewähren, um nicht eineinhalb Jahre einzusitzen.

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