„Herrliches Hessen“ in Offenbach

Film mit riesiger Fallhöhe

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Der Hafengarten am Nordring ist neben Ledermuseum, B-Ebene und Wilhelmsplatz einer der Drehorte für „Herrliches Hessen“. Übrigens: Auch der Kameramann Jürgen Volz ist ein echter Offenbacher.

Offenbach - „Herrliches Hessen“ – wem fiele bei dem Titel nicht spontan Offenbach ein? Beim Hessischen Rundfunk kaum jemandem. Volker Janovsky darf dennoch einen Dreiviertelstünder fürs Fernsehen drehen. Von Markus Terharn 

Die Frage, ob er Offenbacher sei, beantwortet Volker Janovsky mit einem herzhaften „Aber hallo“. Der 42-Jährige ist fürs Hessen-TV multifunktional tätig. „Freier Mitarbeiter, Redakteur, Videojournalist“ steht auf seiner Visitenkarte. Derzeit ist er vier Tage lang in seiner Geburtsstadt unterwegs. Das kam so: „Mein Chef hat mich gefragt, ob ich mal einen Beitrag für die Reihe ,Herrliches Hessen’ machen könnte“, erzählt Janovsky. Er habe sofort ja gesagt. „Unter der Bedingung, dass es ein Film über Offenbach wird.“ Und damit beim Frankfurter Sender, dem die Offenbacher gern ein vorurteilsbeladenes Verhältnis zur Nachbarstadt nachsagen, offene Türen eingerannt. „Nach dem Motto: Endlich macht’s einer!“

Mit Susie Maass hat Janovsky die ideale Regisseurin für sein Vorhaben gefunden. Die lebt nämlich nicht im Rhein-Main-Gebiet, kannte Offenbach zuvor gar nicht. Nach einem Stadtrundgang war sie „verzaubert“, wie der Autor formuliert und wie sie keineswegs dementiert: „Hin und weg“ sei sie gewesen, so versichert sie. Und sie werde ganz sicher privat nochmal zurückkommen, zum Beispiel zum Essen und Trinken am Wilhelmsplatz.

Kein Problem für den Lokalpatrioten

Volker Janovsky, gebürtiger Offenbacher, hat die 45-minütige TV-Folge für das Hessen-Fernsehen konzipiert.

Drehbeginn ist indes, auf ausdrücklichen Wunsch von Susie Maass, im Hafengarten. Mit drei Kameras, Kran und Schienen sowie etwa 15 Mitarbeitern ist das hr-Team angerückt. Auf der Hafentreppe spielt auch die Schluss-Szene, wie die ganze Sendung moderiert von Dieter Voss. Der hat Offenbach-Bezug: Freunde von ihm leben hier. „45 Minuten Offenbach – wie geht das denn?“ Das war laut Janovsky die häufigste Reaktion, wenn er seinen Plan schilderte. „Ich kann mich in der Tat nicht erinnern, dass es das schon mal gegeben hätte.“ Für den Lokalpatrioten war das indes kein Problem. „Ich musste mich eher entscheiden, was ich alles weglasse...“

Nicht fortgelassen hat der Autor zum Beispiel die Geschichte der alten Lederstadt, gespiegelt im Ledermuseum. Dort spricht er mit Restauratorin Jutta Göpfrich, die er als eine hervorragende Fachfrau auf ihrem Gebiet schätzt. Das gilt auch für Heiner Blum, für ihn jener Professor der Hochschule für Gestaltung, der die HfG zur Stadt geöffnet und dort sehr viel bewegt hat.

Wegen des Wochenmarkts kommen sogar Frankfurter

Auch einen weiteren guten Offenbach-Kenner holt der hr vor die Kamera: Loimi Brautmann, Erfinder und Macher von Führungen der anderen Art. Mit ihm geht er über den Wochenmarkt, „einer der Gründe, weshalb sogar Frankfurter herkommen“, wie Janovsky weiß. Aber auch die Moschee an der Sandgasse ist Ziel der gemeinsamen Exkursionen. Und nicht zuletzt die städtebaulich missratene B-Ebene. „Da ist die Fall- beziehungsweise Aufschlagshöhe recht gigantisch“, grinst der Filmer und beweist damit Sinn für Humor.

Gut trifft sich für ihn, dass an diesem Wochenende wieder das Mainuferfest über die Bühne geht. Das Fest der Vereine, für viele das schönste und beliebteste, auf jeden Fall das typischste, dürfe im Film nicht fehlen. Schöne grüne Ecken hat Janovsky gesucht, so die Hunderennbahn in Bürgel, wo er beim jüngsten Jederhundrennen drehte. Rot-weiße Farbtupfer, denn die Kickers waren ein Muss. Und bunte Flecken: „Wer weiß denn, dass es an der Industriebahntrasse das mit 300 Metern längste zusammenhängende Graffiti Deutschlands gibt?“

Industrielle Vergangenheit und Gegenwart sind auch Thema seines Gesprächs mit Patricia Kappus, Geschäftsführerin der traditionsreichen Seifenfabrik. Da hat Janovsky sogar etwas gelernt, das mit seiner Heimatstadt zunächst nichts zu tun hat – über chemische Substanzen, die sich in jeder Flüssigseife finden. Folge für ihn persönlich: „Ich überlege ernstlich, ob ich wieder zu fester Seife zurückkehre.“

Sendetermin des Films ist Dienstag, 19. August, 20.15 Uhr, im Hessen-Fernsehen.

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