Der Tag des Herrn Winter

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Hans Winter (rechts) mit Gattin Hannelore, Verdienstmedaille und Überbringer Stefan Grüttner im Rathaus. Dort bereiteten ihm Weggefährten die perfekte Kulisse für seine Ehrung.

Offenbach ‐ Wenn die Mannen der Bieberer Concordia „Das ist der Tag des Herrn“ anstimmen, kann üblicherweise kein Zweifel herrschen, wem Gesang und Lobpreis gelten. Aber es gibt Gelegenheiten, da muss die Tür zum Interpretationsspielraum einen Spalt weit offen stehen dürfen. Von Marcus Reinsch

Am vergangenen Freitagnachmittag zum Beispiel. Da hätten sich die Concordianer keineswegs eines blasphemischen Ausrutschers beschuldigen lassen müssen, wenn sie „Das ist der Tag des Herrn Winter“ gesungen hätten.

Gemessen an dem, mit was andere Menschen ihr Leben füllen oder in der Regel eben nicht, war so ziemlich jeder Tag der vergangenen 50 Jahre Hans Winters Tag. Der Mann ist ein Ehrenamtlicher wie aus dem Bilderbuch. Dafür heftete ihm Stefan Grüttner, Offenbacher Chef der Hessischen Staatskanzelei im Ministerrang, im Rathaus die „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ ans Revers - mit schönstem Gruß von Bundespräsident Horst Köhler und dem des Offenbacher CDU-Altvorderen Hermann Schoppe.

Letzterer hatte keine Mühe gehabt, seinen Vorstoß in Berlin zu begründen. Zur Gottheit wird im tief katholisch verwurzelten Bieber zwar nie ein Mensch aufsteigen, doch Hans Winter kann zumindest alle Hoffnung fahren lassen, dass ihn Weggefährten nicht mehr so hartnäckig als heimlichen, „Bürgermeister von Bieber“ adeln.

Seit 50 Jahren Vorstandsmitglied

Die Liste seiner Verdienste ist lang. Da ist zunächst der Gesangverein Concordia 1874 Offenbach-Bieber. Winter prägt ihn seit jeher, seit 50 Jahren als Vorstandsmitglied, seit mehr als 25 als Vorsitzender. Der Jubilar hat in diesen Dekaden zahllose Jubiläen, Konzerte, Konzertreisen organisiert; er förderte neben dem Männerchor vor allem den Jungen Chor. Die Concordia, sagte Grüttner, sei nicht nur Aushängeschild, sondern auch „ein großes Stück Leben von Hans Winter“

Das ganze Leben ist sie nicht. Kann es nicht sein, weil Winter beispielsweise auch Vorsitzender des Bieberer Heimatvereins ist, den er 1990 mitbegründete. In diesem Amt widme er sich „immer wieder mit großem persönlichem Einsatz den Belangen der Bieberer und der Förderung und dem Erhalt des Geschichtsbewusstseins“. Die Organisation der großen 1200-Jahr-Feier 1991, die Neugestaltung des Ostendplatzes, die Restaurierung der ehemaligen Bieberer Ortsmauer, das jährliche „Bieber rockt“ und das gedruckte Gedächtnis „Blick auf Bieber“ seien nur einige Beispiele für Bewegendes, das unter Winters Leitung vom Verein initiiert oder finanziell unterstützt wurde, heißt es in der Laudatio.

Sowas knüpft Kontakte. Und so war es nur logisch, dass Hans Winter über lange Jahre Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der Interessengemeinschaft Bieberer Ortsvereine (IGBOV) war und seit 1991 ehrenamtlich als Vertreter Offenbacher Kulturvereine im Kuratorium der Kulturstiftung der Städtischen Sparkasse ist. Weitere Ehrenämter übte oder übt der gelernte Industriekaufmann im Elternbeirat der Bieberer Grundschule und der Marienschule und, seit 1993, als Mitglied der städtischen Kulturkommission aus.

„Wir haben unverwechselbare Persönlichkeiten.“

Entsprechend viele Hände hatte der Geehrte - samt Gattin Hannelore - nun zu schütteln. Grüttners natürlich, aber auch die anderer Menschen, die ihm die Auszeichnung mehr als gönnen. Kurt Kubicki etwa, der an andere Ehren - Bieberer Amulett, Landesehrenbrief, Bürgermedaille - erinnerte und Hans Winter als „Mann, dem keine Arbeit zu viel erscheint“, würdigte.

Oder der zweite Heimatvereinsvorsitzende Egbert Färber, der Winter für dessen Hartnäckigkeit dankte und dafür, dass er Bieber zu seiner „Herzensangelegenheit“ gemacht habe. Bieber sei „ein selbstbewusster Ort, aber politisch nicht selbständig. Es hat keine Stadtverordnetenversammlung und keinen Bürgermeister. Aber wir haben unverwechselbare Persönlichkeiten, die sich für Bieber einsetzen. Du gehörst zu diesem Personenkreis.“ Der Heimatverein habe einen Sinneswandel eingeleitet. „Wir definieren uns heute nicht mehr durch Abgrenzung: ’Bieberer gegen Offenbach‘ sondern selbstbewusst positiv ’Bieberer für Bieber‘. Dieses Ergebnis ist Dein Verdienst. Du bist die Stimme Biebers!“

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