Ein Herz fürs Mediterrane

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Italienisches Flair im Westend - Ursula Ölcer zeigt ihr Lieblingsplätzchen: Im Garten ihres Hauses an der Geleitsstraße wird gegessen, mit den Enkeln gespielt und auch mal geruht.

Offenbach - „Sie ist eine strenge Chefin, aber mit Herz“, sagt Gavsi Ölcer über Gattin Ursula. In der Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft (ODG) des Paares sind 120 Mitarbeiter beschäftigt. „Die kommen alle und weinen sich bei mir aus“, sagt die 61-Jährige. „Da bin ich die Mutter der Nation.“

Das „Bernemer Mädsche“ aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim ist gelernte Bankkauffrau. Wegen der schönen Wohnung an der Luisenstraße zog es die Ölcers 1980 nach Offenbach. Für die Geschäftsfrau ist ihr Verhältnis zu der kleineren Stadt am Main eine „Liebe auf den zweiten Blick“.

Vom Einzelhandel wechselte sie schließlich zur Gebäudereinigung. Damit ihr keiner etwas vormachen kann, hat die agile und resolute Frau auch noch eine zweite Ausbildung zur Reinigungskraft hinter sich gebracht. Sie wird nicht müde, zu werben: „Wir sind das einzige Handwerk, in dem man ohne Schulabschluss eine Ausbildung und den Meister machen und dann sogar studieren kann.“ Und den Slogan ihres Unternehmens liefert sie gleich mit: „Wir putzen nicht, wir reinigen.“

Zu den Vorzeigekunden zählt das Frankfurter Polizeipräsidium. Dort werden täglich 70 000 Quadratmeter gereinigt. Insgesamt sind es fast zwei Millionen Quadratmeter, für deren Sauberkeit die Offenbacher Firma zuständig ist.

Weil die Ölcers für einen längeren Urlaub zu beschäftigt sind, hat es sich die Geschäftsfrau im eigenen Haus an der Geleitsstraße gemütlich gemacht: Lieblingsplätzchen hat sie gleich mehrere. „Wir verlegen im Sommer unser Leben nach draußen“, erzählt sie. Rund ums Haus ziehen sich mehrere nette Sitzgelegenheiten mit Sonnenschirm und Bänkchen. So kann man je nach Sonnenstand mitwandern.

Toskana-Hügel und Meer im Innenhof

Der Garten ist der zweifachen Mutter und Oma besonders ans Herz gewachsen. „Ich habe einen grünen Daumen“, sagt sie. Tatsächlich gedeihen mediterrane Pflanzen wie Oliven, Oleander, Zitronen und Orangen, aber auch unzählige Küchenkräuter prächtig. Die ursprünglich öden Mauern, die das grüne Paradies umgeben, hat die Unternehmerin bemalen lassen: Jetzt zieren Toskana-Hügel und das Meer den Innenhof. Fehlen darf auf keinen Fall ein Bild ihres über alles geliebten Lavendels: Auch die ganze Küche ist mit dekorativen Accessoires bestückt, auf denen die lila-blühende Duftpflanze oder Olivenzweige abgebildet sind.

Die Italiener haben zu viel vom lieben Gott abgekriegt“, findet die Christdemokratin. Begeistert spricht sie von der Mode, der Küche, der herrlichen Landschaft und den schönen Menschen.

Wir schauen bei Prominenten und weniger bekannten Personen in Offenbach vorbei: Haben Sie Lust, uns zu sich einzuladen? Dann melden Sie sich unter Tel: 069 85008-216 oder simone.weil@op-online.de.

Mit dekorativen Dingen umgibt sich die Wahl-Offenbacherin, die gerne Märchen aus aller Welt liest, gerne: Mokkatässchen und Puppenstubenmöbel zieren den alten Bücherschrank, der jetzt repräsentative Pflichten übernommen hat. Demnächst will sie ein Puppenhaus bauen, damit die Möbel und die Miniaturausgabe eines Hausstandes einen passenden Platz finden. Außerdem liebt Ursula Ölcer Bleikristallgläser und feines Porzellan: „Davon kann ich nicht genug kriegen. Aber ich benutze es auch.“

Die Brillenträgerin pflegt Traditionen und bewahrt Erinnerungsstücke aus der Familie auf. „Ich habe Glück gehabt in meinem Leben“, findet sie. „Ich hatte eine schöne Kindheit und habe den Aufbau miterlebt. Mit meinem Jahrgang 1948 ging es auch im Land so richtig los.“

An einem anderen Lieblingsplätzchen hängen Bilder von der Sissy und König Ludwig. Die österreichische Kaiserin schätzt sie, weil sie für ihre Zeit schon sehr emanzipiert war und einiges für Frauen durchgesetzt hat. „Ich finde, das Frauen selbstständig sein müssen, trotzdem sollten sie Frauen bleiben.“

Eine Straßenbahnromanze

Die Christdemokratin, die mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet wurde, bekleidet jede Menge Ehrenämter. Eine kleine Auswahl: Sie gehört dem Vorstand der Frauenunion an, dem Vorstand der Unternehmerfrauen im Handwerk und dem der Seniorenhilfe, ist darüber hinaus Senatorin beim Offenbacher Karnevalverein und ehrenamtliche Richterin beim Arbeitsgericht.

Wo sie ihrem türkischen Mann begegnet ist? Ursula Ölcer schmunzelt: Diese Frage war doch erst kürzlich Thema in der Hessenschau und ist in Bild und Ton festgehalten worden. Sie saß anlässlich des Jubiläums 125 Jahre Bus und Bahn in Offenbach in einem Sonderzug, als die Reporterin wissen wollte, an was sie diese Straßenbahn erinnert: „Meinen Mann habe ich hier kennengelernt“, erzählte sie vor laufender Kamera. Sie begegneten sich regelmäßig zur gleichen Zeit in der Frankfurter Linie 12. Sie kam von der Arbeit bei der Bank, er fuhr zum Sprachunterricht. Wer wen angesprochen hat? „Er mich.“

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