Ostpol schreibt Erfolgsgeschichte / Vertrag mit Netzwerk-Koordinator KIZ verlängert

Das Herz der Gründerstadt

Repräsentabel: das Ostpol-Foyer. Knapp 80 Büros und 30 Studentenwohnungen beherbergt der Gründercampus. Fotos: p/schäfer

Offenbach – Wenn es so etwas wie das Herz der der Gründerstadt Offenbach gibt, dann schlägt es im Ostpol. VON MATTHIAS DAHMER

Der Gebäudekomplex samt Quartiersaal an der westlichen Hermann-Steinhäuser-Straße, in dem bis Anfang der 1990er-Jahre die renommierte Druckerei Gerstung ihren Sitz hatte und danach die Post Pläne für ein Wohnheim verwirklichen wollte, hat sich als erste Adresse für jene etabliert, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen.

2005 erwarb die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) mit Landesförderung die Immobilie im Mathildenviertel, ein Jahr später wurde dort der Gründercampus Ostpol eröffnet. Er dürfte maßgeblichen Anteil daran habe, dass Offenbach regelmäßig die bundesweite Rangliste der Firmengründungen anführt. Das Phänomen, wonach vor allem Zuzügler aus Südosteuropa mit ihren Ein-Mann-Unternehmen für die gute Platzierung verantwortlich waren, sei fast verschwunden, versichert der Chef der Offenbacher Arbeitsförderung, Matthias Schulze-Böing. Das Spektrum der Gründungen reiche von konventionellen Dienstleistungen bis hin zu echten Innovationen.

Entstanden ist das mittlerweile viel beachtete Offenbacher Konzept 2003 aus der von der EU geförderten Initiative „Gründerstadt Offenbach“, einem Pilot-Projekt zur Stärkung des lokalen Unternehmertums. Dabei arbeiten IHK, Stadtkonzern, Handwerkerschaft, Arbeitsagentur, Hochschule für Gestaltung, Sparkasse und weitere Akteure zusammen, um ein für Gründer fruchtbares Umfeld zu schaffen.

Das so aufgebaute Netzwerk wird seit 2006 von der im Ostpol ansässigen Firma KIZ Sinnova koordiniert. Die gemeinnützige GmbH kümmert sich zudem um Maßnahmen der Gründungsförderung. Sie ist ein Ableger des 1997 gegründeten und bundesweit tätigen Unternehmens KIZ, das als Ankermieter ebenfalls im Ostpol beheimatet ist und sich auf die Beratung bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit spezialisiert hat.

Beleg dafür, dass KIZ Sinnova offenbar gute Arbeit leistet, ist der Umstand, dass die Stadt jetzt den Vertrag mit der gemeinnützigen GmbH verlängert hat. Die Tätigkeiten der Koordinationsstelle sind vielfältig. Sie reichen von Publikationen wie „GO aktuell“ und einem Newsletter (gruenderstadt-offenbach.de) über regelmäßige Veranstaltungen und Fachvorträge bis hin zu Unternehmerabenden und der Präsentation des Offenbacher Netzwerks in der Region. Als neues Angebot startet im April ein Mentorenprogramm, bei dem zwölf Fachleute aus der Wirtschaft, Neugründer auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleiten sollen.

Dieser Weg ist zwar nicht immer einfach, führt aber oft auch zum Erfolg, berichtet KIZ-Chefin Petra Bünz. 600 Erstgespräche seien bei den Info-Abenden im vergangenen Jahr geführt worden, und man habe knapp 250 Gründungen zählen können. Manchmal, räumt die engagierte Beratungsexpertin ein, gehöre es aber auch dazu zu desillusionieren. Rund 80 Prozent der neu gegründeten Firmen, das haben Untersuchungen ergeben, sind auch zweieinhalb Jahre später noch auf dem Markt, die Hälfte der als Einzelpersonen gestarteten konnten Mitarbeiter einstellen.

Zu den Hauptaufgaben von KIZ Sinnova zählt die Betreuung der Infrastruktur im Ostpol. Den Mietern der knapp 80 Büros, werden – bei einem ohnehin günstigen Mietpreis für die zwischen 20 und 65 Quadratmeter großen Räumlichkeiten – kostenlose Service-Leistungen wie Besprechungsräume, Telefon-Service und schnelles Internet geboten. „Das ist ein Riesenangebot für junge Unternehmen – deshalb ist das Haus auch voll, und es gibt Wartelisten“, sagt Elisabeth Neumann, Projektmanagerin von KIZ Sinnova.

Das können Mieter nur bestätigen. So ist man etwa beim Buchhaltungs- und Büroservice Nikolex rundum zufrieden mit dem Firmensitz Ostpol. Auch die LAO Ingenieurgesellschaft, die sich auf das Aufspüren von Leitungen im Untergrund spezialisiert hat, ist voll des Lobes. Sie hat eines der größten Büros im Ostpol gemietet und steht nun vor dem Problem, dass auch dies schon wieder zu klein geworden ist. „Wir suchen mit der Wirtschaftsförderung fieberhaft nach neuen Räumen“, sagt Elisabeth Neumann.

Infos im Internet

ostpol-gruendercampus.de

kiz.de

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