Ein Herz für Offenbach

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Auf dem Balkon mit Blick in den schönen Hinterhof: Hier wird gelesen, gerätselt und geraucht - Addy Wehner stellt sein privates Lieblingsplätzchen vor.

Offenbach - Auf seine Heimatstadt lässt Addy Wehner nichts kommen. Dann wird er nämlich grantig: „Ich mag es nicht, wenn die Leute nur schimpfen. Man muss halt auch mal dahin gehen, wo Offenbach schön ist.“ Von Simone Weil

Er zählt auf: Büsing- und Schlosspark, Wochenmarkt, aber auch die Berliner Straße zählt er zu den schönsten Flecken der Stadt. „Wenn man von Frankfurt kommt und nach Offenbach reinfährt, denkt man doch, dass das klasse aussieht.“

Dass der Schnauzbartträger Kickers-Fan ist, ist eigentlich fast eine Selbstverständlichkeit. Doch Addy Wehner setzt noch eins drauf und sagt von sich: „Seit meinem zehnten Lebensjahr habe ich kein Spiel versäumt, wenn ich in Offenbach war.“ Gattin Marianne geht übrigens gern mit auf den Berg.

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Der 66-jährige Taxifunk-Chef der „Fledermaus“-Zentrale mit 52 Autos kann seine Familie bis zu acht Generationen zurückverfolgen. Darauf ist er stolz. Denn die Familie ist ihm wichtig. So kommt es nicht von ungefähr, dass im Haus an der Grabenstraße außer Addy Wehner und seiner Frau auch seine Schwester und der Sohn mit seiner Familie leben. Am großen Grill und der Sitzecke wird deutlich, dass gern Geselligkeit gepflegt wird.

Gattin Marianne ist für die Blütenpracht an den Balkonen im Innenhof zuständig (Addy Wehner: „Ich mach‘ nur den Kehrmeister im Hof“). Petunien, Geranien - da blüht alles, was Farbe hat und Spaß macht. „Das haben wir uns im Elsass abgeguckt“, erzählt Wehner. „Die machen das dort nach dem Motto: Setz‘ alles rein, was wächst, das wächst.“

Der Träger der bronzenen Bürgermedaille, der für sein Engagement im Ringsportverein Siegfried (als Jugendlicher wurde er Hessenmeister) und der Kickersjugend gewürdigt wurde, sitzt gern auf seinem liebevoll gestalten Balkon und erfreut sich an einem der schönsten Innenhöfe der Stadt („Ich habe doch nicht übertrieben?“), löst Kreuzworträtsel und liest täglich die Heimatzeitung.

Von Bayern inspiriert sind die Holzbalkone und die Schilder

Deren Inschriften verraten dem Besucher, wer in den Gebäuden wohnt und wann sie erbaut und saniert wurden. Dabei hat der Hausherr selbst viel handwerkliches Geschick eingebracht - schließlich hat er auch die Taxifunkgeräte ein- und ausgebaut sowie repariert: Viele Details, wie etwa das prachtvolle Vogelhaus, stammen aus eigener Produktion „Das ist die Suite“, sagt der Offenbacher zu dem großzügigen Raum für die Piepmätze, der sich tatsächlich als „Häuschen“ nicht mehr bezeichnen lässt. Mit Springbrunnen und Wandbemalung haben es sich die Wehners gemütlich gemacht. Dass im Hinterhof an der Grabenstraße an Weihnachten ein riesiges Lichtermeer vor sich hinleuchtet, versteht sich fast von selbst.

Der gelernte Maschinenschlosser ist als junger Mann zur See gefahren, hat dabei Länder wie Jamaica, Westindien und Südafrika kennengelernt „und viel Armut gesehen“, erinnert sich Wehner. „Ich bin mal 20 Minuten weg“, hatte er damals zu seinen Eltern gesagt. Erst vier Monate später bekamen die Daheimgebliebenen von ihm eine Postkarte aus Südafrika.

Seit 1967 ist Wehner im Taxigeschäft, seit 1973 selbstständig. Als er noch selbst am Steuer saß, hat er einem Mann das Leben gerettet: Der Mitarbeiter einer Tankstelle war überfallen und angeschossen worden. Als der Droschkenlenker zufälligerweise dort hielt, entdeckte er den schwer verletzten Mann, der einen Bauchschuss abbekommen hatte. Der Taxifahrer zögerte nicht lange, packte den Verwundeten in sein Auto und fuhr ihn schnurstracks ins Krankenhaus. Nur weil er so flugs reagierte, überlebte der Mann. Deswegen hat der Funkchef auch nie vergessen, dass der Angeschossene sich bis heute nicht bedankt hat.

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