Herz aus dem Takt

+
Tipps von Professor Harald Klepzig, Kardiologe und Chefarzt am Sana Klinikum

Offenbach - November ist Herzmonat: im Fokus der alljährlichen Herzwochen der Deutschen Herzstiftung stehen diesmal Herzrhythmusstörungen - ein sehr häufiges Phänomen, das nicht unbedingt krankhaft sein muss.

Das Problem ist jedoch, dass die Übergänge zwischen normal und krankhaft fließend sind.

Tatsächlich hat fast jeder irgendwann in seinem Leben einmal unregelmäßigen Herzschlag und merkt es häufig gar nicht. „Nicht jede Herzrhythmusstörung muss behandelt werden, doch die behandlungsbedürftigen gehören unbedingt in die Hand eines Fachmanns“, wie Professor Harald Klepzig betont. Der Kardiologe und Chefarzt am Sana Klinikum Offenbach ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Er schreibt regelmäßig Beiträge für die Mitgliederzeitschrift „Herz heute“. Das Problem: Nicht alle Herzrhythmusstörungen werden von Patienten jedoch verspürt.

Rhythmusstörungen haben viele Facetten:

„Wir unterscheiden zwischen harmlosen Herzrhythmusstörungen – sozusagen ‚Fehlzündungen’ des gesunden Herzens - und Rhythmusstörungen als Folge einer Erkrankung des Herzens“, erläutert Klepzig. „Wenn das Herz aus dem Takt gerät, kann sich das verschieden äußern. So kann der Puls zu langsam werden, da elektrische Leitungsbahnen im Herzen ausfallen, oder es kann zu Extraschlägen kommen. Oder aber der Herzschlag wird vollkommen unregelmäßig - ein Krankheitsbild, dem zumeist Vorhofflimmern zugrunde liegt und das besonderer Beachtung verdient. An diesem häufigen Krankheitsbild leiden in Deutschland etwa eine Million Menschen. Ohne sorgsame Abklärung drohen schwere Komplikationen wie ein Schlaganfall.“

Herzstolpern kann zahlreiche Ursachen haben

Häufig sind Zigarettenrauchen, übermäßiger Alkoholgenuss, Kaffee, schwarzer Tee, aber auch Modegetränke wie Red Bull die Auslöser dafür, dass das Herz aus dem Takt kommt. Besonderer Stress und ungewöhnliche Aufregungen können ebenfalls Herzstolpern auslösen. „Die Behandlung dieser Ursachen ist theoretisch einfach und durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten zu erreichen“, so der Experte. „Jedoch müssen auch Störungen des Herzens und des Kreislaufs wie Herzklappenfehler, Aderverkalkungen oder ein Bluthochdruck vom Arzt mit abgeklärt werden. Dazu sind technische Untersuchungen notwendig, über die alle Herzspezialisten verfügen. Gelegentlich können auch Medikamente an Rhythmusstörungen beteiligt sein, so dass die Behandlung geändert werden muss.“

Sorgfältige Diagnostik

Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen sollten ein paar wenige Untersuchungen erfolgen, um die Art der Herzrhythmusstörungen und mögliche Ursachen aufzuklären: Die exakte Beschreibung der Rhythmusstörungen gelingt nur anhand eines EKGs. Gegebenenfalls muss über einen oder zwei Tage aufgezeichnet werden (Langzeit-EKG), auch gibt es kleine, tragbare Geräte für eine Registrierung nach Bedarf sowie implantierbare Geräte, die eine Überwachung über mehrere Jahre ermöglichen. Eine Herzultraschall- Untersuchung soll die Form und Funktion des Herzens untersuchen. Unter Umständen ist eine Belastungsuntersuchung notwendig, um Herzstolpern auszulösen. In jedem Fall sollte der Blutdruck gemessen werden, bei der Erstuntersuchung an beiden Armen. Blutwerte, vor allem Schilddrüsenwerte, können zur Ursachenklärung beitragen.

Rhythmusstörungen nur behandeln, wenn wirklich nötig

In den meisten Fällen müssen Herzrhythmusstörungen nicht behandelt werden. Es genügt, den Patienten über die Harmlosigkeit seines Herzstolperns aufzuklären, was nicht selten bereits zur Beschwerdefreiheit führt. „Herzrhythmusstörungen behandelt man nur, wenn dies auch wirklich notwendig ist“, betont Klepzig. „ Dies ist der Fall, wenn schwere Komplikationen wie ein Schlaganfall oder ein plötzlicher Herzstillstand drohen. Einige Formen von Herzrhythmusstörungen, so z.B. ein völlig chaotischer Herzschlag bei Vorhofflimmern, Herzrasen nach Herzinfarkt oder schwerem Bluthochdruck müssen genau unter die Lupe genommen werden und vom Herzspezialisten in Bezug auf eine Behandlungsnotwendigkeit geprüft werden. Viele Herzrhythmusstörungen können sehr effektiv mit Medikamenten unterdrückt werden.“

Enorme Fortschritte

Herzrhythmusstörungen können je nach Art und Schweregrad mit Hilfe von Medikamenten, Schrittmachern, Defibrillatoren oder sogar chirurgischen Verfahren behandelt werden. Bestimmte Formen können mit Hilfe spezieller Herzkatheter komplett geheilt werden. Solche Eingriffe, die in örtlicher Betäubung durchgeführt werden, erfordern ein speziell eingerichtetes Herzkatheterlabor, eine komplexe Computertechnik und ein hoch erfahrenes, speziell trainiertes Ärzte- und Schwesternteam. „Das Sana Klinikum Offenbach besitzt diesbezüglich eine hervorragende Ausstattung und wird zum Jahreswechsel noch einmal erheblich aufrüsten“, so Klepzig.

Was Patienten selbst tun können

Vor allem gilt es, potentielle Auslöser der Rhythmusstörungen auszuschalten. Hierzu zählen an erster Stelle das Rauchen, Alkohol, Koffein und Schlafmangel. Natürlich sollten Strategien entwickelt werden, übermäßigen Stress zu vermeiden und sich regelmäßig körperlich zu betätigen - Sport zu treiben.

(rb)

Kommentare