340 Delegierte

Hessen-CDU schwört sich in Offenbach auf Wahlkampf ein

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Landesparteitag der CDU Hessen in Offenbach

Offenbach - Klinkenputzen gehört zu einem guten Wahlkampf. So die Kernbotschaft der CDU-Generalsekretärin an die hessischen Wahlkämpfer beim Parteitag des hessischen Landesverbandes in Offenbach. Kramp-Karrenbauer mahnt außerdem: Nicht auf Umfragen verlassen.

Die Rede von CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem Parteitag des hessischen Landesverbandes dauerte nur knapp eine halbe Stunde. Mit ihren ruhig vorgetragenen, aber eindringlich formulierten Botschaften traf die frühere saarländischen Ministerpräsidentin aber am Samstag genau den Nerv der rund 340 Delegierten in Offenbach. Auch Hessens Regierungschef Volker Bouffier sonnte sich sichtlich in den stehenden Ovationen für die 56-jährige Saarländerin gleich zum Auftakt des Treffens sieben Wochen vor der Landtagswahl.

Lob für die gute wirtschaftliche Entwicklung in Hessen wechselten bei Kramp-Karrenbauer mit dem eindringlichen Appell an die CDU-Mitglieder, Umfragen nicht zu hoch zu hängen und gerade den Wahlkampf auf der Straße zu forcieren. Online-Wahlkampf sei zwar gut und wichtig. "Aber ehrlich gesagt, der Hesse ist genauso bodenständig wie der Saarländer, und der will nicht online irgendwie angetickert werden, der will angesprochen werden. Und zwar von Mensch zu Mensch."

Besonderer Applaus brandete auf, als die CDU-Generalsekretärin sich für den mangelnden Rückenwind aus Berlin wegen der heftigen Querelen etwa über den Kurs in der Asylpolitik entschuldigte. Neben kleinen Seitenhieben auf die FDP und die Grünen verzichtete sie in Offenbach aber auf die ganz großen bundespolitischen Botschaften und Wahlkampfgetöse.

Die Dramaturgie in der ehemaligen Fabrikhalle "Fredenhagen" hatte praktisch erst mit dem Auftritt der Saarländerin gezündet. Nach dem Einmarsch von Bouffier an der Seite von Kramp-Karrenbauer, untermalt vom Lied "Burning Heart" der Gruppe Survivor, startet der Parteitag nicht mit einer klassischen Rede des hessischen Regierungschefs, sondern mit einer Talkrunde auf der großen Bühne mit flankierendem Industriecharme.

Zusammen mit Bouffiers Gattin Ursula in kurzem hellblauen Sommerkleid gab es ein lockeres Frage-und-Antwort-Spiel über die Familie im Wahlkampf, die Bedeutung des Sports für die Gesellschaft und die touristischen Reize von Berlin, das von freundlichem Applaus der Delegierten begleitet wurde. Auch der kurze Einspielfilm von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ihren hessischen Parteifreunden gutes Gelingen im Landtagswahlkampf wünschte, verursachte auf dem Parteitag keine große Emotionen.

Bouffier behielt sich seine stärksten Worten bis zum Schluss des Parteitags auf, als er sich deutlich und wortgewaltig von der AfD und deren Aussagen abgrenzte. "Mit denen haben wir nichts am Hut", rief der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende unter dem starken Applaus der Delegierten.

Landesparteitag der Hessen-CDU in Offenbach: Bilder

Die Kanzlerin wird bis zur Stimmabgabe am 28. Oktober noch voraussichtlich vier mal bei Wahlkampfveranstaltungen in Hessen sein. Bis dahin will CDU-Spitzenkandidat Bouffier am liebsten für eine Fortsetzung der amtierenden Koalition mit den Grünen werben. Dass das Weiterregieren aber kein Selbstläufer ist, betont der 66-Jährige bei vielen Gelegenheiten.

Die neuste Umfrage über die Wählergunst in Hessen wird für Mitte September erwarten. Nach den zurücklegenden Befragungen der Hessen vor bereits schon mehreren Wochen würde es jedoch auf eine große Koalition oder ein Jamaika-Bündnis von CDU, Grünen und FDP hinauslaufen. Die Generalsekretärin der Bundes-FDP, Nicola Beer, hatte zwar mal betont, die Liberalen seien "keine willfährigen Steigbügelhalter" für eine Fortsetzung von Schwarz-Grün. In der hessischen FDP ist allerdings der Wille groß, wieder auf der Regierungsbank Platz zu nehmen.

Beim möglichen Partner zeigen sich die Liberalen offen. Spitzenkandidat René Rock sagte im Interview mit dem Hessischen Rundfunk in diesem Sommer: "Vom Alter her ist mir der Thorsten Schäfer-Gümbel ein bisschen näher, von der politischen Ausrichtung ist es natürlich mit Volker Bouffier ein bisschen einfacher, von daher kann ich mich da nicht festlegen." (dpa)

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