Da wird kräftig gerührt

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Rühren gestern in der Ernst-Reuter-Schule mal ganz ohne die typische Berufskleidung: Gregor Münch und Celina Marianne Holzdörfer.

Rumpenheim - Die heimische Küchenzeile mutiert mitunter zur „Koch-Arena“.  Schließlich will jeder das „perfekte Dinner“ zubereiten. Und am Ende heißt es vielleicht „Lafer! Lichter! Lecker!“. Auf den Spuren bekannter Kochsendungen und doch ganz anders ist der Schülerkochpokal. Von Martin Kuhn

Fürs Hessenfinale schnippeln, rühren, grillen und dünsten vier Ernst-Reuter-Schüler. Sie wollen am kommenden Dienstag die Jury in Marburg mit einem schmackhaften Menü überzeugen. Dem jungen Quartett steht mit York Krause ein erfahrener Lehrer und ambitionierter Hobbykoch zur Seite. Er führte Rumpenheimer Schüler bereits ins Bundesfinale der Schülerköche.

Immer der Nase nach. Selten trifft diese Redewendung. Gestern ist das anders. Kollegen von York Krause öffnen die Tür zur Küche: „Mmh. Riecht total lecker. Gibt’s was mit Apfel?“, fragt eine. Das ist zu verneinen. Für den süßlichen Duft zeichnet Altug Menek verantwortlich. Er grillt rote Paprika, um sie zu häuten. Im Ofen verbreiten die Nachtschattengewächse den charakteristischen Geruch. Es ist eine Nuance. Wenig später kommen diverse Düfte hinzu. Die Generalprobe, aufgrund der Osterferien auch die einzige nach dem erfolgreichen Regionalfinale, ist in vollem Gange. Wie so oft: Nicht alles funktioniert dabei an diesem Mittag reibungslos. „Aber im Wettbewerb haben sie bislang alles rausgeholt“, lobt Krause seine Kochtruppe.

Kochen als reines Hobby

Gregor Münch rührt und rührt und rührt. Zunächst Sellerie in Milch und Sahne weich kochen, dann in Butter andünsten, dazwischen Karotten und Zucchini als Kugeln ausstechen.  Nicht vergessen: Rühren, rühren, rühren. Am Ende gibt’s eine schmackhafte Selleriesuppe mit Kroketten, die der 16-Jährige auf den Tisch stellt. Und heimlich geübt? „Na ja, dreimal hab’ ich die Suppe inzwischen zu Hause gekocht.“

So soll’s aussehen: Hähnchenbrust auf Bandnudeln und Buttergemüse. Die kulinarische Reise geht vom Watt bis zur Zugspitze.

Derweil kümmert sich Celina Marianne Holzdörfer um das Dessert: Joghurt-Mousse mit Knuspernougat. Sie weiß bereits: „Es kommt auf die Kleinigkeiten an.“ Heißt: Die Gelatine darf nicht zu heiß, die Sahne hingegen extrem fest geschlagen sein. Das alles füllt sie in Förmchen, die sie mit Folie auskleidet und ab geht’s in den Kühlschrank.
Auf dem Teller soll das nicht zerlaufen – ein unerwünschter finaler Probelauf. York Krause gibt gleich den Tipp: „Tablett mit allen Förmchen kurz aufstoßen, damit die Masse kompakter wird.“ Und das vor den Juroren am Dienstag nicht vergessen. Kochen betrachtet die Schülerin als reines Hobby,  mehr nicht. Sie strebt eine Ausbildung zur Karosseriebauerin an.

Wettbewerb der Jungköche in Frankfurt

Wettbewerb der Jungköche in Frankfurt

Auch Altug Menek zieht’s nicht (mehr) in die Gastronomie. „Ich liebe Mathematik“, so der 15-Jährige. Nach dem Abschluss möchte er auf die Fachoberschule wechseln mit Schwerpunkt Informatik. Lediglich Erik Sackmann will von der Schulbank an den Herd. Er strebt eine Ausbildung zum Koch an. Jetzt ist er für Service und Präsentation zuständig. Er ist so etwas wie das Sicherheitssystem des kochenden Trios, er springt ein, wenn einer ausfällt. Gerade hilft er Celine,  deren Nudelteig etwas zu wenig Mehl hat. Der wird auf dem Trockengestell immer länger.

„Was macht die Zeit?“ York Krause achtet mit der Frage nicht etwa darauf, dass der Unterricht endet. Im Wettbewerb stehen den Nachwuchskräften 120 Minuten zur Verfügung – keine einzige mehr. Dann kämpfen sie aber auch nicht mit räumlichen Widrigkeiten. Mittlerweile sind in Rumpenheim wegen steigender Schülerzahlen fast alle Fach- in Klassenräume umfunktioniert. Wichtige Utensilien sind in der Chemie-Sammlung verstaut, der Kühlschrank abgeschaltet und die Springform verschwunden. So lernt die Gruppe neben Teamfähigkeit noch etwas anderes – improvisieren...

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