Auch dem Mai fehlt Dynamik

Frankfurt/Offenbach - Der Mai hat die im Frühjahr übliche Belebung des hessischen Arbeitsmarktes gebracht, sank die Zahl der Erwerbslosen seit April um 4385 auf 176.865 Männer und Frauen.

So wies die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit auch darauf hin, dass dies der niedrigste Mai-Wert seit 19 Jahren ist. Die Arbeitslosenquote ging den Angaben von April auf Mai um 0,2 Punkte auf 5,6 Prozent zurück. Ein Jahr zuvor hatte sie noch 5,8 Prozent betragen.

Bundesweit waren 2,855 Millionen oder 108000 weniger Männer und Frauen ohne Arbeit als im April. Dies teilte die BA in Nürnberg mit. Die Erwerbslosenquote sank um 0,3 Punkte auf 6,7 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 7,0 Prozent gelegen.

Nachlassende Dynamik des Arbeitsmarktes

In Hessen beklagten Arbeitsagentur wie auch Arbeitgeber und Gewerkschaften die bereits aus den Vormonaten bekannte nachlassende Dynamik des Arbeitsmarktes. Für die nächsten beiden Monate rechne er aber mit den üblichen Entwicklungen, erklärte der Chef der Regionaldirektion, Frank Martin. Danach werde die Arbeitslosigkeit im Juni noch einmal zurückgehen, bevor sie im Juli mit den Sommerferien wieder deutlich ansteige.

Von der Belebung im Mai profitierten vor allem Menschen, die noch nicht so lange auf Jobsuche waren. Dagegen bewegte sich im April bei den Langzeitarbeitslosen, die Leistungen nach Hartz IV beziehen, nur wenig, wie die Arbeitsagentur berichtete. Im Jahresvergleich wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs in Hessen wie im Bundesschnitt um 2,4 Prozent auf nun knapp 2,3 Millionen. Neue Jobs gab es vor allem im Gastgewerbe sowie bei Erziehung und Unterricht. Rückläufig sind hingegen Leiharbeit und öffentliche Verwaltung.

Arbeitslosigkeit in Kassel am niedrigsten

Hessenweit war im nördlichen Regierungsbezirk Kassel die Arbeitslosigkeit mit 5,5 Prozent am niedrigsten. Dafür sorgte insbesondere die sehr günstige Entwicklung in der Stadt Kassel, die erstmals seit Monaten wieder eine Quote unterhalb der 10-Prozent-Marke melden konnte.

Nun ist Offenbach mit 10,4 Prozent die einzige Stadt in Hessen mit einer zweistelligen Quote. Im Bezirk der Hauptagentur waren im Mai 6380 Personen arbeitslos, 67 Personen oder ein Prozent weniger als im April und 4,4 Prozent weniger als im Mai 2011.

In der Geschäftsstelle Rodgau waren 3725 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Daraus ergab sich gegenüber April ein Plus von 2 Prozent und gegenüber Mai 2011 ein Minus von 7,7 Prozent (309 Personen). Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,9 Prozent.

Mit 2571 Personen waren im Bezirk der Geschäftsstelle Seligenstadt 57 Personen mehr arbeitslos als im April (plus 2,3 Prozent). Im Vergleich zum Mai 2011 ergab sich eine Abnahme von 7,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5 Prozent.

Einstellung künftiger Fachkräfte

Hessens DGB-Chef Stefan Körzells hielt den Unternehmen vor, sich bei der Einstellung künftiger Fachkräfte zurückzuhalten, obwohl sie andererseits stets ihren Mangel beklagten. Sie hätten zurzeit genügend Spielraum für eine nachhaltige Personalpolitik, zumal es mehr Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt gebe als angebotene Stellen.

Die Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) erklärte hingegen, dass noch nie in den vergangenen zehn Jahren so viele befristete Arbeitnehmer unbefristet übernommen worden seien wie heute, nämlich fast sechs von zehn. „Dies zeigt, dass Flexibilität kein Selbstzweck ist, sondern die Unternehmen sehr verantwortungsvoll damit umgehen“, ließ Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender wissen.

dpa/fp

Rubriklistenbild: © AP

Kommentare