Heuschnupfen: Jetzt geht’s los

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Nach dem langen, harten Winter vermehren sich die Pollen in einigen Regionen jetzt geradezu explosionsartig.

Offenbach - Die Schonzeit für Allergiker ist vorbei: Auch in Hessen gibt es bereits eine mäßig starke Belastung mit Hasel- und Erlenpollen. Nach dem langen, harten Winter vermehren sich die Pollen in einigen Regionen jetzt geradezu explosionsartig. Von Peter Schulte-Holtey

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Einfache Verhaltensregeln helfen weiter

Gerhard Lux, Sprecher beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach: „Nach Ostern, wenn es wieder wärmer und sonniger wird - und vielleicht sogar etwas Wind weht, dann geht es so richtig los.“ Die Warnungen häufen sich. Auch Professor Hans Merk, Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen, rechnet bereits mit besonders schlimmen Folgen für Heuschnupfen-Patienten. „Der Pollenflug kommt spät, aber mit Macht“, sagt er und lenkt den Blick auf die Birkenpollen, mit denen im Laufe des Aprils gerechnet wird.

Birken setzten alle zwei Jahre besonders viele Pollen frei. „Und 2010 ist ein Mastjahr für sie. Vermutlich kommt es bei Patienten mit einer Birkenpollenallergie in diesem Jahr zu besonders heftigen Allergiesymptomen“, so Merk. Menschen, die bislang noch keine Probleme mit Heuschnupfen hatten, könnten wegen der Stärke des Pollenflugs zum ersten Mal Beschwerden bekommen. Wer also in diesen Wochen unter Schnupfen, Niesen oder Husten leidet, solle bedenken, dass nicht unbedingt eine Erkältung dahinter steckt, erklärt der Allergologe an der Aachener Universitäts-Hautklinik.

Die Schonzeit für Allergiker ist vorbei: Auch in Hessen gibt es bereits eine mäßig starke Belastung mit Hasel- und Erlenpollen.

DWD-Pollenexperte Lux sieht nicht nur die großen Gefahren für Allergiker durch Birkenpollen. Besonders große Sorgen bereitet ihm in diesem Jahr die rasche Ausbreitung der Beifuß-Ambrosie, auch Traubenkraut genannt. Sie blüht im Spätsommer. Ambrosia-Pollen gelten als besonders aggressiv und lösen - neben starkem Heuschnupfen - auch Bindehautentzündungen und Hautirritationen aus. Die Pollen sind sehr klein und können bis tief in die Bronchien gelangen. 80 Prozent aller Menschen, die eine Pollenallergie haben, reagieren auch auf Ambrosie.

Fast die Hälfte ist anschließend allergisch dagegen; es kann sogar Menschen erwischen, die bisher dachten, sie hätten mit Allergien nichts zu tun. Der Deutsche Wetterdienst hat auf die neue Bedrohung reagiert. Bei den - in Zusammenarbeit mit der „Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst PID“ - im Internet angebotenen Vorhersagen des Fluges von allergologisch wichtigsten Blütenpollen wurde jetzt auch Ambrosia aufgenommen. Lux: „Die ursprünglich aus Amerika stammende Ambrosie besitzt ein enorm starkes Pollenallergen und verlängert durch ihre späte Blüte die Leidenszeit für Allergiker um mindestens einen Monat - bei frostfreiem Wetter bis in den Spätherbst.“

Vorbehalte gegen Cortisonsprays unbegründet

Dass die Pollen inzwischen fast jedem vierten Bundesbürger zu schaffen machen, daran ist ein Irrtum unseres Immunsystems schuld. Erreicht der eigentlich harmlose Blütenstaub nämlich die Augen- und Nasenschleimhäute, erkennt der Körper sie fälschlicherweise als Feinde, gegen die er Antikörper bildet und unter anderem den Botenstoff Histamin ausschüttet. Die Folge sind tränende und juckende Augen, eine dauertriefende Schnupfennase und im schlimmsten Fall Atemnot.

Thomas Fuchs, Dermatologe an der Universitätsklinik Göttingen: „Wer sich stark belastet fühlt und sich am liebsten in einem kühlen, dunklen Zimmer verkriechen würde, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen.“ Dieser kann Antihistaminika verschreiben, die das Schniefen mildern und bei stärkeren Beschwerden Cortisonsprays verordnen. „Die Vorbehalte gegen diese Cortisonsprays sind unbegründet“, meint Fuchs. Er empfiehlt außerdem die sogenannten Hyposensibilisierungen, die Patienten unempfindlich gegen Allergene machen sollen: „In vielen Fällen lassen sie Allergien für Jahre verschwinden. Außerdem helfen sie, chronische Beschwerden und neue Allergien zu verhindern.“

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