Kommentar: Heuschrecken ziehen weiter

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Achim Lederle

Das schlimmste Szenario ist zur Realität geworden: Der Offenbacher Traditionskonzern „manroland“ beantragt Insolvenz. Die Beschäftigten sollen bereits für den November kein Gehalt mehr erhalten. Wohl soll es Insolvenzgeld geben, aber auch dies ist nur ein schwacher Trost.

Frustrierender kann das Jahr für die Mitarbeiter nicht enden, die lange Zeit mit Lohnverzicht und Kurzarbeit ihren Teil zum Überleben des Druckmaschinenherstellers beitragen wollten und jetzt das Scheitern aller Kämpfe verkraften müssen.

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Manche Fachleute schütteln verwundert den Kopf und verstehen nicht, wie es zu diesem „worst case“ kommen konnte. In den Augen mancher Insider begann der Niedergang von „manroland“ mit dem Einstieg von ACP (Allianz Capital Partners) vor fünf Jahren. Ein Finanzinvestor wie ACP steckt zu so lange Geld in eine Beteiligung, wie sich diese lohnt - sprich eine Rendite erzielt wird. ACP hatte große Pläne mit „manroland“ und wollte den Konzern gar an die Börse bringen. Aber in der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 hatten die Roländer keine Chance, richtig auf die Beine zu kommen und Rendite abzuwerfen. Jetzt reicht es den Investoren - die Heuschrecken ziehen weiter.

Andere sehen auch den Abgang von ACP-Chef Paul Achleitner, der ab Mai Aufsichtsratschef der Deutschen Bank wird, als einen Grund für den Insolvenzantrag. „Der Mann will einen sauberen Abgang und Altlasten abwerfen“, wird kolportiert.

Proteste der Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Wie einzigen, die sich gestern über die Insolvenz der Offenbacher freuten, war die Konkurrenz: Die Aktien von Heidelberger kletterten im MDax kräftig.

Es ist ein Ende mit Schrecken, aber vielleicht ist dies besser als ein Schrecken ohne Ende. So fatal die Entwicklung ist: Der „manroland“-Konzern hat weiter Potenzial. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bietet tatsächlich, wie von der Geschäftsführung unterstrichen, Chancen auf eine grundlegende Sanierung. Wahrscheinlich aber um den Preis von deutlich weniger Beschäftigten.

In Offenbach werden Hightech-Druckmaschinen hergestellt, die zu den besten der Welt gehören. 60 Prozent der hier gebauten Bogendruckmaschinen kommen in der Verpackungsindustrie zum Einsatz, die trotz Wirtschaftskrise weiter boomt. Damit hat der Standort Offenbach einen entscheidenden Vorteil zu den „manroland“-Betrieben in Plauen und Augsburg. Die stellen Rollenmaschinen her, mit denen Zeitungen gedruckt werden. Hier halten sich jedoch viele Verlage derzeit mit Investitionen zurück. Ohne die Standorte gegeneinander ausspielen zu wollen: Ein anderer Investor als ACP wird das Offenbacher Potenzial vielleicht erkennen. Ein Hoffnungsschimmer...

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