Ab heute fährt Verstärkung

Offenbach - Wäre es nicht ausgerechnet das physikalische Gesetz von der Verdrängung der Massen gewesen, das am Montag einige junge Bieberer auf dem Weg zum Unterricht am eigenen Leib erfuhren, sie hätten ihr Erlebnis vermutlich als Beweis für die Alltagstauglichkeit trockenen Schulstoffs verbucht. Von Marcus Reinsch

So aber war die Erkenntnis, dass nichts sein kann, wo schon etwas ist, nur deprimierend. 7.20 Uhr, die Bushaltestelle vor der Offenbacher Stadthalle: Ein Wagen der Linie OF-30 hält, fährt wieder los. Doch zehn, zwölf Schüler, die mit dem 101er aus Bieber hierher gekommen sind und jetzt eigentlich bis zu Heusenstamms Adolf-Reichwein-Schulen weiterfahren wollten, stehen immer noch am Straßenrand - kein Platz mehr im Bus, nicht mal für einen von ihnen. Der nächste 30er kommt erst in einer halben Stunde, das ist zu spät.

Also Krisenmanagement, Telefonate, eine alarmierte Mutter und ein Großvater geben die Ersatzchauffeure. Und nach einem empörten Anruf bei unserer Zeitung ergibt die Recherche: Das war kein Einzelfall. Auch gestern war der Bus an der Stadthalle wegen Überfüllung geschlossen; die Fahrer haben keine andere Wahl, als Passagiere abzuweisen.

Das Problem: Weil offensichtlich mehr Bieberer Eltern als bisher das Recht auf freie Schulwahl nutzen und ihren Nachwuchs lieber nach Heusenstamm als auf eine weiterführende Offenbacher Schule schicken, ist die von einem Busunternehmen im Auftrag der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) bediente Pendelverbindung zwischen Offenbacher Marktplatz, Heusenstamm, Rembrücken und Hainhausen überlastet. Zumindest am frühen Morgen während der „absoluten Verkehrsspitze“, wie es KVF-Verkehrsplaner Klaus Böttcher formuliert.

Ab heute ein zusätzlicher Bus

Das allerdings nur für wenige hundert Meter. Schon an der Haltestelle Hainbachtal an der Landstraße gen Heusenstamm sei Schluss mit der Überfüllung, sagt Böttcher. Denn dort stiegen die Mitarbeiter der im Wald gelegenen Awo-Werkstätten aus, die am Marktplatz zugestiegen seien. Der Versuch, den Werkstätten zwecks Entlastung dieser einen OF-30-Verbindung einen früheren oder späteren Bus schmackhaft zu machen, sei am Arbeitszeit-Argument gescheitert.

„Ich kann also der Schilderung der Mütter nicht widersprechen“, räumt Böttcher ein. Und nachdem es in den Sommerferien erste Hinweise auf verstärkten Schultourismus gegeben habe, habe das beauftragte Busunternehmen auch die Order, Engpässe sofort zu melden. Das habe es am Montag und gestern getan. Konsequenz seitens der KVG: Ab heute wird an der Haltestelle Stadthalle ein zusätzlicher Kleinbus eingesetzt, um den Schülerverkehr doch noch zu stemmen. Der blau lackierte Mercedes Sprinter mit der Aufschrift „Im Auftrag der Kreisverkehrsgesellschaft“ hat acht Passagierplätze. Er soll wenige Minuten vor dem für 7.20 Uhr geplanten Bus der Linie OF-30 abfahren. Böttcher hofft, „dass das kurzfristig dazu führt, dass jetzt alle Schüler mitkommen. Garantieren können wir das jetzt noch nicht. Falls es nicht reicht, müssen wir nach anderen Lösungen suchen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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