Kein Kostümverbot in Offenbacher Kitas

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Hexen, Teufel und Zauberer faszinieren Kinder in besonderer Weise – die meisten Kitas haben damit kein Problem.

Offenbach/Wiesbaden - Die närrische Saison biegt gerade auf die Zielgerade ein, da sorgen in Wiesbaden Vorwürfe über Kostüm-Zensur in einem evangelischen Kindergarten für Verwunderung. Von Fabian El Cheikh und Petra Wettlaufer-Pohl

Ausgelöst hatte die Aufregung eine Mutter, die sich in einem Brief an die Lokalpresse darüber beschwert hatte, dass ihr Sohn zu Fastnacht wie auch zuvor zu Halloween kein Zauberer-Kostüm habe tragen dürfen.

In anderen hessischen Kommunen, so auch in Offenbach, schüttelt man angesichts dieses Verbots, das Pfarrer Friedrich-Wilhelm Bieneck von der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde gegenüber Eltern ausgesprochen hatte, nur den Kopf. Derlei Anweisungen gibt es beim evangelischen Kirchengemeindeverband in Offenbach nicht, heißt es. Der Verband betreibt mehrere Kitas im Stadtgebiet.

Auch für die Katholiken in Offenbach spielen Teufels- und Hexenverbote keine Rolle: „Wir haben angesichts der sozialen Struktur in der Stadt ganz andere Probleme im Alltag“, sagt Dekan Michael Kunze. Wenn Klassiker wie „Bibi Blocksberg“ und „Die kleine Hexe“ vorgelesen würden, könne man den Kindern anschließend doch nicht verbieten, in ein „Rumpelpumpel“-Kostüm zu schlüpfen. „Sowas ist bei uns kein Thema“, betont Kunze.

Ein Gräuel für Gott

Welche Auswirkungen die Äußerungen des Wiesbadener Pfarrers Bieneck haben würden, hat dieser im Vorfeld wohl nicht geahnt. „Ich möchte jetzt gar nichts mehr sagen“, teilte er auf Anfrage unserer Zeitung mit. Gegenüber lokalen Medien hatte Bieneck noch erklärt, dass es zu Fastnacht in jedem Jahr eine Motto-Party gebe, wobei den Eltern vorher mitgeteilt werde, dass „Zauberer, Hexen und Teufel“ nicht eingeladen seien. Außer besagter Mutter habe sich niemand beschwert.

Zauberer seien Gott ein Gräuel, begründete der Pfarrer seine Entscheidung und bezog sich unter anderem auf das 5. Buch Moses, in dem ein entsprechendes Zitat zu finden ist. Auch wenn er gestern eigentlich nichts mehr sagen wollte, machte Bieneck auf Nachfrage deutlich, dass er selbstverständlich bei seiner Haltung bleibt.

Auf der anderen Rheinseite in der Fastnachtshochburg Mainz sieht man die Dinge anders und wundert sich mal wieder über die „ebsch Seit“, also quasi die falsche Rheinseite; ein Ausdruck, den die Wiesbadener ebenso nutzen, wenn von Mainz die Rede ist. Wie auch in anderen närrischen Hochburgen kennen dort weder evangelische noch katholische Kindergärten Richtlinien für Fastnachtskostüme. Nur Spielzeugwaffen sind wie in Offenbach in manchen Kitas nicht gern gesehen, vor allem dort, wo auch Flüchtlingskinder betreut werden.

Die Kirche übt sich derweil in Diplomatie: „Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ist eine bunte Kirche. Das macht sie lebendig“, sagt Pressesprecher Volker Rahn. Jede Gemeinde sei deshalb selbst verantwortlich für die Konzepte ihrer Kindergärten. Aber: „Für die überwiegende Mehrzahl der Protestanten hängt das Christenheil nicht an Kinderkostümen.“

Rathaussturm in Offenbach

Rathaussturm in Offenbach

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