HfG-Neubau im Hafen

Nutzung für alten Standort ist Knackpunkt

+
Diese schöne Immobilie möchte die Hochschule für Gestaltung gern verlassen.

Offenbach - Ein Wahlkampf ist kein Wunschkonzert. Professor Bernd Kracke weiß das. Trotzdem legte der Präsident der Hochschule für Gestaltung den Offenbacher Landtagskandidaten von CDU, SPD, Grünen und FDP gestern einen Wunschzettel vor. Von Markus Terharn

Seinerseits schenkte er Stefan Grüttner, Heike Habermann, Tarek Al-Wazir und Oliver Stirböck Hausmodelle in Schwarz, Rot, Grün und Gelb mit Aufschrift „HfG“. Im Gegenzug signalisierten alle im Saal der Stadtkirchengemeinde, den die HfG nutzt, grundsätzliche Einigkeit.

5500 Quadratmeter Mehrbedarf meldete Kracke an – für studentische Arbeitsplätze, Werkstätten, Studios, Medienlabor und Ausstellungsfläche. Machbarkeitsstudien gäben einem Neubau auf der Hafeninsel den Vorzug vor der Erweiterung im Bestand. Dies habe das Land Hessen 2010 auch favorisiert. Frage vom Moderator, Stiftungsprofessor Kai Vöckler, an Grüttner, als CDU-Sozialminister einziges Mitglied der Landesregierung in der Runde: Wo stockt der Prozess?

Grüttner betonte, die Hafen-Option bestehe nach wie vor. Aber: „Ein Neubau beinhaltet automatisch ein Nutzungskonzept für die alte Liegenschaft.“ Denn das Land werde in diesem Fall das Gelände rund ums Isenburger Schloss nicht behalten. Darüber sei mit der Stadt bisher keine Einigung erzielt. Auch sei man davon ausgegangen, dass die Stadt dem Land beim Preis fürs Hafengrundstück entgegenkomme. „Heute verlangt sie einen marktüblichen Preis.“ Daher müsse neu verhandelt werden. Das Areal sei seitens der städtischen Mainviertel-GmbH bis 31. Dezember 2013 reserviert.

Rundgang durch die Hochschule für Gestaltung 2012

Rundgang durch die Hochschule für Gestaltung

Für SPD-Abgeordnete Habermann hat der Neubau absolute Priorität. Indes genüge es nicht, der Stadt die Verantwortung zuzuschieben: „Sie steht unterm Schutzschirm und ist angehalten, zu marktüblichen Preisen zu verkaufen.“ Die vom Land 2007 für Umbauten zur Verfügung gestellten 15 Millionen Euro, teils bereits verbaut, reichten bei weitem nicht: Veranschlagt sind zehn Millionen fürs Areal, 90 Millionen für den Neubau, davon ein Drittel im ersten Abschnitt, zwei Drittel im zweiten.

„Das Land hat etwas versprochen, das es nicht mehr halten will“, meinte Al-Wazir. Unterschiedliche Preisvorstellungen seien normal, so der Grünen-Fraktionsboss im Landtag. „Aber die Stadt hat keinen Spielraum.“ Was den Marktwert des Neu-Areals und die Zukunft des Altbaus betrifft, sagte er: „Wenn man will, wird man Lösungen finden.“ Nachdrücklich plädierte Al-Wazir für Plan A, den Neubau, zugleich eine Riesenchance fürs Nordend. „Plan B wäre Gestückel.“

Chancen sah auch Oliver Stirböck – für die Entwicklung von Stadt und HfG. Der FDP-Fraktionschef im Stadtparlament plädierte dafür, das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Beide Verhandlungspartner hätten ein berechtigtes Interesse. „Wenn sie allein keine Lösungen finden, muss es eine Form von Mediation geben.“

Einfache Lösung, schwierige Frage

Eine Seite war im Publikum vertreten und bekam das Wort: Mainviertel-Chefin Daniela Matha betonte, die Gesellschaft habe ein Konzept vorgelegt, dass sich mit der Nutzung des alten HfG-Geländes zur „Stadterweiterung, -ergänzung, -reparatur“ befasse. Bei optimistischer Planung könne der erste Bauabschnitt 2016 in Angriff genommen werden und zwei Jahre später fertig sein. Dort könnten die bislang in angemieteten Objekten untergebrachten Teile der HfG einziehen. Weitergehende Gedanken könnten erst beim zweiten Abschnitt greifen, ab 2020 oder 2022. Die naheliegende Idee des Grundstückstausches werde gerade gutachterlich abgestimmt.

Laut Al-Wazir sind beide Areale „zufällig“ je acht bis zehn Millionen Euro wert. Da scheine die Lösung einfach. Schwieriger sei die Frage, ob das Land die zusätzlichen Mittel für den Bau habe. Aus dem qualifizierten Auditorium kam eine Alternative: Der frühere Stadtplaner Gregor Fröhlich behauptete, auf dem ans Schloss angrenzenden Grund der evangelischen Kirche seien 5000 Quadratmeter realisierbar. „Was soll daran schlecht sein?“

Für den Hochschulrat hielt Ulrich Schneider die Fahne der Baukunst hoch: Nur ein Neubau biete die Chance auf attraktive Architektur wie etwa im Düsseldorfer Hafen. Einen Befürworter hatte der traditionelle Standort in Manfred Stumpf: „Für das Geld bekommen wir so einen Bau nicht“, warnte der HfG-Professor. Es sei keine Notmaßnahme, sondern viel sinnvoller, im Bestand zu bauen.

Gehör fand er damit nicht. Schwarz, Rot, Grün und Gelb wollen der Hochschule ein Haus am Hafen errichten. So die Absichtserklärung.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare