Plant Land einen Rückzieher?

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Bleibt die HfG doch am jetzigen Campus? Für die Hochschule wäre das die schlechteste Option. Gleichwohl hat das Land viele Millionen am Standort Innenstadt investiert und drückt am Hafen auf die Bremse: Für den Neubau dort ist offenbar nur die Finanzierung des ersten Bauabschnitts gesichert. Der Baubeginn war bislang für 2014/2015 vorgesehen.

Offenbach - Nach außen gibt man sich an der Schlossstraße nach wie vor gelassen. In der Verwaltung der Hochschule wie auch bei der Stadtspitze dürfte die Entscheidung der Landesregierung jedoch für einige Aufregung gesorgt haben. Von Fabian El Cheikh

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst stellt, so hört man aus Wiesbaden, den bisherigen Konsens in Frage, wonach die HfG in einen bis zu 100 Millionen Euro teuren Neubau im neu entstehenden Hafenviertel ziehen soll. Aus Kostengründen, wird gemunkelt, angesichts der ab 2020 greifenden Schuldenbremsen von Bund und Ländern. „Wir prüfen verschiedene Varianten, auch einen Verbleib am jetzigen Standort“, bestätigt ein Ministeriumssprecher. Ist das schon das Aus für den seit Jahren hochgepriesenen und auch von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) vehement favorisierten Leuchtturm mit Imagewirkung am Main?

Keineswegs, geht es nach HfG-Präsident Professor Bernd Kracke, für den der Hafen in der Standortfrage weiter absolute Priorität hat (dazu Interview auf dieser Seite). Auch die Stadt spielt die Angelegenheit herunter: „Für den Hafen spricht einiges, die Schnittstelle zu Frankfurt, die Dynamik im Frankfurter Osten“, zählt Stadtsprecher Matthias Müller auf. Man solle erstmal die Verhandlungen zwischen Stadt und Land abwarten.

Hochschule benötigt mehr Platz

Genau daran aber scheint es zu haken. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, die Grundstücksgespräche gestalteten sich äußerst kompliziert. So wird es aufgrund unterschiedlicher Grundstücksbewertungen nicht einfach zu einem Tausch kommen – nach dem Motto: Die Stadt erhält die Grundstücke samt Immobilien des jetzigen Hochschulstandorts, zu dem auch das Isenburger Schloss gehört, und das Land im Gegenzug die neue Fläche am Nordring. Da ist hartnäckiges Feilschen angesagt. Zumal dem Land nach wie vor eine klare Perspektive seitens der Stadt für den Innenstadt-Campus nach einem Wegzug der HfG fehlt.

Sicher ist bislang nur: Die Offenbacher Hochschule benötigt mehr Platz. 14.000 Quadratmeter braucht sie, das ergab ein Hilfsgutachten, das vor fünf Jahren im Auftrag des Landes erstellt worden war. HfG-Sprecherin Katja Kupfer packt noch einmal die Zahlen auf den Tisch: „Derzeit verfügen wir nur über zirka 8000 Quadratmeter am Campus plus 2000 Quadratmeter in gemieteten Räumen. Diese sind aber nie für eine Kunsthochschule konzipiert worden.“ So hätten Lehrkräfte und die aktuell 610 Studenten ganz bestimmte Ansprüche: „Die Bildhauer brauchen hohe Räume, die Werkstätten und Ateliers die richtigen Lichtverhältnisse.“ Es genügt wohl zu sagen, dass die Anforderungen an die Räume vielfältig sind. Entsprechend sei die immer wieder aufkommende Idee, die HfG räumlich mit den Gewerblich-technischen Schulen (GTS) zu verschmelzen, keine wirkliche Alternative.

Dass Wiesbaden endgültig vom Vorhaben abrückt, will die Stadt nicht glauben. Falls aber doch, möchte sie nicht schwarzmalen. „Der Hafen funktioniert unter jeder Bedingung. Die Grundstücksverkäufe zeigen doch: Das ist ein erstklassiger Standort“, sagt Matthias Müller.

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