Details hinter verschlossener Tür

Hickhack um Präsentation der Neubaupläne für Toy’R’Us-Gebäude

Der Betonklotz wird einem Neubau mit Wohnungen, Gewerbe und Parkhaus weichen, der aus zwei Baukörpern besteht. -  Foto: mad
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Der Betonklotz wird einem Neubau mit Wohnungen, Gewerbe und Parkhaus weichen, der aus zwei Baukörpern besteht.

Offenbach - Posse nennt man ein Bühnenstück, das auf Übertreibungen aufbaut und durch derbe Komik Lachen erzeugt. Im übertragenen Sinne wird der Begriff auch genutzt für die Beschreibung grotesker öffentlicher Vorgänge. Von Harald H. Richter

Die jüngste Bauausschusssitzung kam dieser Charakterisierung recht nahe. Hickhack ums Verfahren: Im öffentlichen Teil der Bauausschusssitzung wollte Oberbürgermeister Horst Schneider am Mittwochabend bei Teilhabe von Investor Michael Dietrich aus Hanau die Präsentation des Frankfurter Architekturbüros Mäckler zur Zukunft des Toys’R’Us-Gebäudes an der Berliner Straße publik machen. Doch die Tansania-Mehrheit in diesem Gremium hätte die Angelegenheit am liebsten gänzlich ohne Zuhörer erörtert. Nach mühsamem Hin und Her und gar beantragter Unterbrechung gab‘s einen Kompromiss.

Der Verwaltungschef durfte zu Beginn der Beratungen unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen“ in Ansätzen den Stand des Verfahrens zur Zukunft des Betonklotzes darlegen. Eine vorbereitete Visualisierung des Neubaus wurde der Öffentlichkeit ebenso vorenthalten wie weitere Details. Die gab es am Ende der Sitzung hinter verschlossenen Türen. Erst da konnten der OB und Investor Dietrich, der bereits Millionensummen in das Projekt „Wohnen am spitzen Eck“ gesteckt hat und mit dem Bauunternehmen Rudolph GmbH aus Obertshausen Eigentümer des City-Centers am Marktplatz ist, die weitgehend beschlussreifen Entwürfe genauer vorstellen. Auch Mischa Bosch vom Architektenteam Mäckler aus Frankfurt stand dem Gremium dann Rede und Antwort.

Vorbehaltlich der Zustimmung der städtischen Gremien – der Magistrat befasst sich nächsten Mittwoch und voraussichtlich das Stadtparlament am Tag darauf mit der Angelegenheit – dürfte über dem aus den 1970er-Jahren stammenden langgezogenen Bauwerk, eine Hinterlassenschaft des pleite gegangenen Baulöwen Karl-Heinz Reese, alsbald die Abrissbirne schweben. An dessen Stelle soll etwas Neues entstehen, das den historischen Stadtgrundriss wieder herzustellen hilft. „Es ermöglicht eine gemischte Nutzung aus Wohnen, Gewerbe und Parken mit interessanten Blickperspektiven, die eine Öffnung der Verbindung vom Wilhelmsplatz zum Mainraum schaffen“, so der OB.

Konkret handelt es sich um zwei Baukörper unterschiedlicher Kubatur zwischen Ziegel- und Berliner Straße mit einer zur Sandgasse führenden Sichtachse, sodass diese dann fußläufig über eine Art Quartiersplatz mit der Hauptverkehrsachse verbunden wäre.

Das erste Wohn- und Geschäftshaus im Osten sieht zwei Besonderheiten vor: Es zentriert ein viergeschossiges Parkdeck, das vollkommen vom Baukörper umschlossen und somit von außen nicht sichtbar sein wird. An den Fronten entstehen Wohnungen und Büros unterschiedlichen Zuschnitts, die Pläne sehen auch Läden vor. Zweites besonderes Merkmal dürfte ein 14-geschossiges Hochhaus an der Ecke sein, die der Sparkasse gegenüberliegt. Dieses Objekt sieht nach den Plänen der Architekten überwiegend ebenerdige geschäftliche Nutzung vor.

Fotos zum Bieberer Markt 2017

Fotos zum Bieberer Markt 2017
Fotos zum Bieberer Markt 2017
Fotos zum Bieberer Markt 2017
Fotos zum Bieberer Markt 2017
Fotos zum Bieberer Markt 2017

„Das zweite Wohn- und Geschäftsgebäude an der Berliner Straße wird größtenteils sechsgeschossig angelegt, am Eck zur Schlossstraße hin auf sieben Etagen Nutzungsraum bieten“, erläuterte der OB die Architektenpläne. Der Zugang zur S-Bahnstation an dieser Seite soll mit dem Gesamtkomplex verknüpft werden. Darüber hinaus werde auch die Elektromobilitätsstation an der Ecke Berliner/Schlossstraße integriert, informierte der Verwaltungschef den Ausschuss.

Wie genau das geschehen soll, blieb zunächst offen. Der bisherige „Feldherrnhügel“ müsste allerdings verschwinden. Mit dem Hanauer Investor sei eine Übereinkunft erzielt worden, wonach als Ersatz für die Inanspruchnahme öffentlichen Raums eine Ausgleichsfläche geschaffen und begrünt wird. „Diese befindet sich etwa 500 Meter weiter westlich an der Berliner Straße“, sagte Schneider. Entsprechende Mittel dafür stelle Dietrich bereit.

Der Verwaltungschef warb um Zustimmung für die Projektpläne. „Wir sollten keine unnötige Zeit verstreichen lassen, sondern noch im Juni entscheiden und nicht erst nach der parlamentarischen Sommerpause im August.“ Über das Meinungsbild im Ausschuss für Umwelt, Planen und Bauen war freilich wegen des Ausschlusses der Öffentlichkeit nichts zu erfahren.

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