OB-Entschuldigung und CDU-Schelte als Reaktionen auf Markt-Unfall

Hier Umstände, dort Schlamperei

Offenbach - (tk) Oberbürgermeister Horst Schneider hat sich bei Sabine Schwarz entschuldigt. Erst telefonisch, dann persönlich. Die 67-jährige Offenbacherin war, wie von unserer Zeitung berichtet, am Samstag auf dem Wochenmarkt auf einem nur sehr unzureichend hergerichteten Zugangsweg gestürzt und hatte sich unter anderem den Oberarm gebrochen.

Die gefährlich-holprige Fläche, auf der Steine und Wurzeln Stolperfallen darstellen, soll jetzt so hergerichtet werden, wie es laut Carlo Wölfel vom Presseamt eigentlich schon früher vorgesehen war. Die vom Umbau nicht betroffenen Parkplätze auf dem Wilhelmsplatz sind deshalb am kommenden Montag nur eingeschränkt nutzbar.

„Das hätte eigentlich bereits vor Baubeginn geschehen sollen“, erklärt Stadt-Sprecher Wölfel, „eine entsprechende Anweisung ist auch seitens der Bauverwaltung an die ausführende Baufirma ergangen.“

Bei der Koordination der Arbeiten seien jedoch unterschiedliche Problemlagen zu berücksichtigen gewesen, wirbt Wölfel um Verständnis: Sperrung von Parkflächen, Wochenmarkt, Bauarbeiten. Dass die Beseitigung der Stolperfallen erst mit Zeitverzug erfolgen könne, sei jedoch kein Versäumnis der städtischen Bauverwaltung, sondern den Umständen vor Ort geschuldet.

Carlo Wölfel: „Wenn Kraftfahrzeuge und Verkaufswagen dort geparkt oder Stände aufgebaut sind, können die Flächen nicht eingeebnet werden. Wir bitten die Marktbesucher an den beiden kommenden Markttagen um besondere Vorsicht bei ihren Einkäufen.“

Die Offenbacher CDU konnte angesichts der Nachricht über den Unfall der Senioren kein Verständnis aufbringen. Fraktionschef Peter Freier erkannte ein Politikum.

Als „verantwortungslose Schlamperei“ bezeichnete er es, dass seitens der Stadt eine Fläche des Wilhelmsplatzes für den Marktbetrieb freigegeben wurde, obwohl der Bodenbelag durch lose Steine tiefe und Löcher extrem schadhaft sei und damit folgenschwere Stürze von Passanten quasi programmiert wären. „Der schwere Sturz der Marktkundin ist das Resultat schweren Behördenversagens, das ans Skandalöse grenzt. Schließlich sind die Mängel der Ausweichflächen für den Markt auch für Laien sofort erkennbar“, empört sich Peter Freier.

Der Unionspolitiker wies darauf hin, dass seit Monaten sowohl der Zeitplan der Umbauarbeiten als auch die ausgewiesenen Flächen bekannt seien. Trotzdem sei das zuständige Amt 60, das die Bauleitung für das Projekt habe, offensichtlich nicht in der Lage gewesen, die ordnungsgemäße Herrichtung des Ersatzgeländes zu garantieren. „Das kann man niemandem rational erklären; die Baumfällaktion lässt grüßen“, spielt Freier süffisant auf die Affäre im Frühjahr an, als ohne Vorwarnung sieben ausgewachsene Bäume auf dem Wilhelmsplatz umgelegt worden waren. Den OB als zuständigen Baudezernenten fordert er auf, endlich Ordnung in seinem Geschäftsbereich zu schaffen.

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