Hilfe in der Muttersprache

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Pater Stefan Anghel kennt die Sorgen der Rumänen.

Offenbach - Wer in Deutschland arbeiten will, die Sprache aber nicht beherrscht, hat ein Problem: Er ist auf Auskünfte seiner Landsleuten angewiesen, die jedoch nicht selten mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Von Peter Klein

Dazu kommt die für viele oft undurchschaubare deutsche Bürokratie mit Gewerbeschein, polizeilicher Anmeldung, Finanzamt und Handelskammer.

„Ohne Sprachkenntnis bist du manipulierbar“, weiß Pfarrer Stefan Anghel von der rumänischen Gemeinde. Er erinnert sich an einen Landsmann, der mit einem 20 Zentimeter hohen Stapel ungeöffneter Post zu ihm kam. Darunter befand sich bereits eine Ordnungsstrafe über 1 000 Euro, weil der Rumäne auf kein Anschreiben reagiert hatte.

Mit Unterstützung der Modellregion Integration Offenbach bietet die als Verein organisierte Gemeinde jeden Samstag Deutschkurse an. Zudem hat sie ein Patenschaftsmodell entwickelt, bei dem erfahrene Gemeindemitglieder Neuankömmlingen helfen sollen, sich zurecht zu finden. Seit Anfang des Monats hilft auch der rumänische Kulturverein CROM.

Jeden Dienstag eine Sprechstunde im Nordend

Gemeinsam mit dem Integrationsbüro von Ana-Violeta Sacaliuc hat CROM seine Mitglieder auf die Probleme der Neueinwanderer geschult. Jeden Dienstag von 18 bis 20 Uhr bietet der Verein eine Sprechstunde im Stadtteilbüro Nordend an.

Daneben wurde eigens eine Handynummer freigeschaltet, über die jederzeit ein Vereinsmitglied erreichbar ist. Viele von ihnen haben Rumänien schon nach dem Zweiten Weltkrieg verlassen. Die Mitglieder sind zum Beispiel als Ärzte, Lehrer oder Rechtsanwälte in Deutschland längst etabliert.

„Bisher haben wir uns mehr um kulturelle Themen gekümmert“, erklärt Vereinsvorsitzende Dorothea Krampol. Man fühle sich aber der neuen Aufgabe gewachsen. Daneben arbeitet CROM mit der Migrationsberatung zusammen und greift auf deren Fachwissen zurück.

Früher Hochqualifizierte - heute oft Bauhelfer

Als die rumänische Gemeinde 2001 ihr Domizil an der Backstraße erwarb, war der Kirchenraum bei Gottesdiensten halb voll, erinnert sich Pfarrer Anghel. Heute stünden die Leute bis in den Hof. Für ihn selbst bedeutet das, die Ärmel hochzukrempeln und zu helfen. Denn die Situation sei inzwischen eine andere.

Während vor drei Jahren vor allem Hochqualifizierte kamen, die mit einer Greencard angeworben wurden, sind es inzwischen oft Bauhelfer. Menschen, die in Rumänien keine Perspektive sehen und einfach nur weg wollen; aber auch viele, die vorher in Spanien oder Italien lebten und wegen der Wirtschaftskrise Arbeit und Eigenheim verloren haben. Einige hätten bereits Qualifikationen und wüssten nicht, wie sie diese hier einbringen könnten, so Anghel. Ihnen sei recht schnell zu helfen. Andere wohnen zunächst im Gemeindehaus. Wer es jedoch nach Monaten nicht schafft, auf die Beine zu kommen, für den hat der Geistliche auch schon die Heimfahrt organisiert.

Wichtig ist Anghel dabei, dass der Betreffende selbst einsieht, dass er in Deutschland keine Chance hat. Neben dem Patenschaftsmodell, an dem sich zirka 20 Ehrenamtliche beteiligen, ergibt sich mancher neuer Kontakt von selbst.

Kontakt: Verein Crom: Tel.: 0170 6032283. Rumänische Gemeinde, Backstraße 16,   Tel.: 069 87876326

Nach dem Gottesdienst sitzen viele Menschen noch gemeinsam im Gemeindesaal, reden und vernetzen sich miteinander. Auch Roma finden inzwischen den Weg in die Gemeinde, berichtet Anghel. Zwar habe er Spielregeln einführen müssen, beispielsweise ein Rauchverbot in der Kirche. Die Gäste akzeptierten diese aber bislang.

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