Hilfe statt blöde Sprüche

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Beim dritten Offenbacher Präventionstag werben Polizeipräsident Günter Hefner (links) und Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß für ein couragiertes Auftreten und gegen das Wegsehen.

Offenbach ‐ Beim 3. Offenbacher Präventionstag im Einkaufscenter KOMM wollen Polizeipräsident Günter Hefner, Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß und Moderator Marcus Schenk am Samstag ganz genau wissen, was da so abgelaufen ist am 18. Februar in Dietzenbach. Von Silke Gelhausen-Schüßler

„Sie haben alles richtig gemacht. Da kann man nur gratulieren!“ Polizeipräsident Günter Hefner ist sichtlich begeistert, als Susanne Bell und Oktay Savas in der Buchhandlung Thalia nochmal öffentlich ihr couragiertes Eingreifen schildern.

Bell brachte an diesem Tag ihren Sohn zum Unterricht an die Ernst-Reuter-Schule und wurde Zeugin, wie Jugendliche auf einen Jungen einschlugen und -traten. Sie rannte bis auf einen Sicherheitsabstand auf die Gruppe zu und schrie, sie sollten ihn in Ruhe lassen, rief außerdem die Polizei. Die Täter ließen den Jungen sofort los und rannten weg. „Ich hatte keine Angst, hab nur gedacht: Ich muss jetzt was tun“, sagt Susanne Bell.

„Keiner hat mir geholfen“

Kurz darauf fuhr Busfahrer Oktay Savas die Haltestelle der Schule an. Er sah ein blutendes Mädchen im Bushäuschen liegen und leistete erste Hilfe. Es war, wie sich später heraus stellte, von gleichaltrigen Mädchen so schwer verletzt worden, dass es auf die Intensivstation musste. „Die Fahrgäste schauten zu oder stiegen teilweise aus. Keiner hat mir geholfen, da kamen teilweise sogar blöde Sprüche. Manche machten Fotos oder fragten, wann ich denn ihre Fahrkarte abstempeln und weiter fahren würde“, erzählt Savas.

Es sind Vorfälle wie diese, die überall vorkommen können und dem Präventionstag seine Berechtigung geben. Dennoch: Offenbach steht statistisch gesehen gut da im Vergleich zu anderen Großstädten. „Wir haben die Probleme nicht, die uns angedichtet werden“, sagt Hefner. „Man muss sich keine Sorgen machen, wenn man vor die Tür geht. Was sich allerdings geändert hat, ist die Art der Körperverletzung. Sie ist wesentlich brutaler geworden.“ Grund genug also, im Ernstfall nicht wegzuschauen.

„Aufmerksam sein. Zivilcourage zeigen!“

Das Motto des Präventionstages: „Aufmerksam sein. Zivilcourage zeigen!“ will denn auch sensibilisieren, Ängste und Vorbehalte davor nehmen, beherzt einzugreifen. Susanne Bell: „Ich kam mir damals ziemlich allein gelassen vor, kein Auto hat angehalten, niemand hat etwas gemacht.“ Dabei müsse sich niemand selbst in Gefahr bringen. Die allererste Aktion, Polizei und andere Passanten um Hilfe rufen, könne jeder, sagt der Polizeipräsident: „Rufen Sie die 110 lieber dreimal zu viel an als einmal zu wenig. Sie belästigen uns nicht, wir haben speziell geschultes Personal für diese Vorfälle.“

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