Viele Sachspenden, aber keine feste Bleibe

Riesige Hilfswelle nach Wohnungsbrand

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Feuerwehr vergangene Woche bei den Löscharbeiten.

Offenbach - Genau eine Woche ist es gestern her, seit sich für Familie P. alles geändert hat. Vergangenen Freitag brannte ihre Wohnung an der Ottersfuhrstraße völlig aus. Die Brandursache ist nach wie vor unklar. Es gab jedoch eine riesige Hilfswelle. Von Veronika Schade

Bis die Wohnung wieder bewohnbar ist, werden Wochen vergehen. Die fünfköpfige Familie hat ihren ganzen Besitz verloren. Zum Glück sind alle gesund geblieben. Zwar wurde die Mutter, die von der Feuerwehr mit einer Drehleiter vom Balkon gerettet werden musste, mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht, konnte es aber am selben Abend verlassen.

Angelika Fromm, eine gute Freundin der Familie, fasste angesichts der Notlage einen spontanen Entschluss: Über das soziale Netzwerk Facebook bat sie um Sachspenden für die Brandopfer. „Der Zuspruch war unglaublich, damit hätte ich nie gerechnet“, ist sie begeistert. Kleidung, Spielzeug, Windeln, Schulsachen und Bettwäsche, sogar ein Kinderwagen und jede Menge Möbel kamen zusammen, weit über Offenbachs Grenzen hinaus. „Mittlerweile habe ich zwei Kellerräume voll, musste die Aktion stoppen“, sagt Fromm gerührt. „Danke für die Hilfe!“

Positive Resonanz und Zukunftsängste

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Diese positive Resonanz freut die Familie. Trotzdem haben die Eltern und die drei Söhne im Alter zwischen elf Monaten und neun Jahren die wohl schwerste Woche ihres Lebens hinter sich. „Ich bin ein Wrack“, sagt Vater Mike P. Er könne nicht schlafen, habe Zukunftsängste, fühle sich wenig unterstützt von den Behörden. Nach dem Feuer wurde die Familie fürs Wochenende in einem Hotel untergebracht. Die Hoffnung, schnell eine Notwohnung zu bekommen, blieb bisher unerfüllt. „Unsere Baugenossenschaft hat keine frei. Das Arbeitsamt bietet uns Hotelzimmer an, aber nicht zusammen und nur ein paar Nächte ohne Frühstück“, so P. Deshalb haben sie diese Woche „verteilt“ bei Verwandten übernachtet. Für einen längeren Zeitraum sei das für alle zu eng. „Die Familie ist obdachlos“, formuliert Fromm. „Alles, was sie will, ist eine feste Bleibe.“

Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Notunterkunft gibt es nicht. „So hart das klingen mag, für die Lösung seiner Probleme ist der Bürger selbst zuständig“, sagt Matthias Schulze-Böing, Leiter der Mainarbeit und in Offenbach zuständig für die Vergabe von Wohnungen und Notunterkünften. „Der normale Weg sollte sein, dass man sich in so einer Notsituation selbst hilft und Verwandte und Freunde an seiner Seite hat.“ Bei nachgewiesener Bedürftigkeit übernimmt die Stadt – in einem dem Sozialgesetzbuch II angemessenen Umfang – die Unterkunftskosten. „So wurde auch hier vorgegangen“, so Schulze-Böing. „Dass es sich um keine Fünf-Sterne-Hotels handelt, versteht der Steuerzahler.“

Wohnungsbrand in der Ottersfuhrstraße

Wohnungsbrand in der Ottersfuhrstraße 

Der Mainarbeits-Chef verweist auf laufende Gespräche, die die Familie mit der GBO bezüglich einer Übergangswohnung führt. Zahlungsfähigkeit muss erst mit einem Bürgen nachgewiesen werden, nächste Woche steht ein weiterer Termin an. „Das ist das übliche Vorgehen“, sagt Schulze-Böing und ist zuversichtlich: „Die GBO ist ein sehr sozialer Vermieter.“ Fromm dagegen fürchtet, dass es sich weiter in die Länge zieht. „Vielleicht liest das sogar jemand, der der Familie eine Unterkunft anbieten kann.“ Sie ist zu erreichen unter Telefonnummer 0171/7536940.

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