Die Oma hilft nicht mehr

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„Es wird immer völlig unterschätzt, was es bedeutet, alleine ein Kind großzuziehen und berufstätig zu sein“, meint und Sozialdezernentin Birgit Simon.

Offenbach ‐ Mathematisch folgt die Vermittlung von Arbeitslosen ganz simplen Regeln: Hat ein Offenbacher lange keinen Job, sorgt das für ein Minus in der Stadtkasse, weil die für Hartz-IV-Empfänger zuständige Mainarbeit für den Lebensunterhalt des Arbeitslosen und seiner Familie einspringen muss. Von Barbara Hoven

Im Umkehrschluss lassen sich die Miesen in der Sozialkasse nur durch die Vermittlung Arbeitsloser in Lohn und Brot vermindern. Ebenda setzt, mathematisch wie menschlich, jede Taktik an, die die Mainarbeit ausprobiert. Auch die neue: Seit März kümmert sich ein sechsköpfiges Team der Arbeitsgemeinschaft aus Stadt und Arbeitsagentur speziell um die Ausbildungs- und Arbeitsvermittlung für die Alleinerziehenden unter den Hartz-IV-Empfängern. Bedeutet neben den üblichen Beratungsleistungen auch: Die Mainarbeit hilft gezielt bei der Organisation einer Kinderbetreuung - gerade, wenn es um Zeiten geht, in denen normale Kitas noch nicht geöffnet oder schon längst geschlossen haben. Die Offerte gilt auch für Nachwuchs, der jünger als drei Jahre ist.

Denn nur, wenn der Nachwuchs garantiert gut behütet wird, können Mütter oder, viel seltener, Väter einen Job annehmen. Darum hat die Stadt in den letzten Jahren einiges angestoßen in Sachen Kinderbetreuung – von Finanzspritzen für Tagesmütter, die Kinder in den sogenannten Randzeiten betreuen, über Hilfe für minderjährige Mütter im Projekt „Goldmarie“ bis zur „Potzblitz“-Kita, in der sich die Betreuungszeiten nach der Arbeitszeit Alleinerziehender richten. Das neue Team für die Beratung Alleinerziehender ist ein weiteres Element im Betreuungsbaukasten.

50 Plätze in Qualifizierungskursen besetzt

Eins, auf das sich die Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon ziemlich stolz zeigt. Unterstützung für Alleinerziehende, sagt sie, könne es nicht genug geben. „Es wird immer völlig unterschätzt, was es bedeutet, alleine ein Kind großzuziehen und berufstätig zu sein.“ Vor allem in Zeiten, in denen viele nicht mehr auf soziale Netzwerke, auf die Hilfe von Oma oder Nachbarn, bauen können. Linderung könnten hier Projekte wie das Alleinerziehenden-Frühstück in der Sandgasse oder Mehrgenerationenhäuser schaffen.

Und Simon will unbedingt betont wissen: An der Qualifikation der Frauen liege es meistens nicht, dass die Statistik der Mainarbeit allein 1600 alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerinnen ausweist. 1345 von ihnen haben Kinder unter 15 Jahren. Schon 2007 hatte eine Erhebung ergeben, dass viele Frauen mit Kindern bis sechs Jahren großes Interesse an einer Rückkehr in den Beruf haben. Die Mainarbeit richtete 2008 den Familienservice ein, der bei der Suche von Kinderbetreuung unterstützt. So gelang es, bis 2009 mehr als 100 Frauen in Arbeit zu vermitteln.

Weil aber auch besonders viele Alleinerziehende Hilfe suchten, gibt es das neue Fachteam. Ergänzt durch den Familienservice, soll es verschiedene Angebote bündeln. Erste Erfolge haben Charlotte Buri (Bereichsleitung Beratung und Vermittlung) und Projektleiterin Régine Bozon gestern vermeldet: 50 Plätze in Qualifizierungskursen seien bereits besetzt, 20 Frauen hätten einen Job angetreten, 15 davon durch Vermittlung des Fachteams. 29 junge Frauen wollen im Sommer ihre Ausbildung beginnen, sieben von ihnen haben bereits einen Ausbildungs- oder Schulplatz gefunden.

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