Kabarett im Wetterpark

Himmel heißer als Hölle

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Wissenschaft mal witzig: Vince Ebert im Wetterpark.

Offenbach - Der Einstieg klingt ein bisschen nach den üblichen Instant-Gags deutscher Comedians: „Ich bin nach Lafontaine und Merkel der dritte deutsche Physiker, der sein Geld mit Kabarett verdient“, sagt Vince Ebert. Von Stefan Mangold

Aber dann steigert sich der 44-Jährige bei der „Blauen Stunde“ im Offenbacher Wetterpark schnell. Vor rund 400 Zuschauern seziert er die Phrase vom Quantensprung, der sich Politiker gerne bedienen, wenn sie meinen, einen Riesensatz gepackt zu haben. „In der Physik ist ein Quantensprung jedoch eine kleinste Bewegung“, erklärt Ebert, der mit seinem Diplomabschluss der ernsten Wissenschaft den Rücken kehrte.

Regelmäßig tritt Ebert heute im Fernsehen auf. Nach dem Studium arbeitete der in Amorbach Aufgewachsene bei einer Unternehmensberatung in Frankfurt, empfand jedoch bald Unbehagen. Seine damalige Freundin empfahl ihm in den Neunzigern, es mit Kabarett zu versuchen, „weil ich auf Partys als Spaßmacher galt“.

Latzke ist angenehm überrascht

Als solcher lockt er in den Wetterpark. Michèle Latzke vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit ist angenehm überrascht, wie viele Leute erst an meteorologischen Führungen teilnehmen und hinterher Ebert lauschen.

„Wissenschaft bedeutet, Vermutungen zu überprüfen“, lässt er wissen. Wer sich nicht sicher ist, ob tatsächlich Bier im Kühlschrank steht und nachschaut, um das zu kontrollieren, handelt demnach wissenschaftlich. „Der Theologe vermutet zwar, das Bier steht drin, er prüft es aber nicht nach.“ Der Esoteriker behaupte angesichts leerer Fächer, der Kühlschrank sei gefüllt.

Zwischen Glauben und Wissenschaft

Humorig führt Ebert den Jahrhunderte alten Zwist zwischen Glauben und Wissenschaft fort. „Früher wurden die Menschen noch als Hexen verbrannt, wenn etwas Unerklärliches passierte.“ Seit der Aufklärung könnten sich die Menschen über die Naturgesetze nichts mehr vormachen. Ein Wissenschaftler verwerfe Modelle und ersetze sie durch neue. „Wenn ein Theologe die Nichtexistenz Gottes nachweisen würde, könnte er einpacken.“

Ebert klopft Bibelstellen anhand physikalischer Gesetze ab. Bei Matthäus heißt es, wer in der Hölle landet, „wird gequält werden mit Feuer und Schwefel“. Was sich nach einer sadistischen Fantasie anhört, beweise jedoch: „Die Temperatur in der Hölle liegt unter 444 Grad“. Ansonsten verdampfte der Schwefel. Jesaja hingegen erzählt, im Himmel scheine die Sonne sieben mal stärker als auf der Erde. Das macht 525 Grad: „Im Himmel ist es heißer als in der Hölle.“

Attitüde des Allwissenden

Physikern werde vorgeworfen, mit der Attitüde des Allwissenden aufzutreten. Dem entgegnet Ebert sokratisch, „die wissen, dass sie das Allermeiste nicht wissen“. Wie sich der Mond um die Erde bewege, sei berechenbar. Sobald ein dritter Körper mitspiele, folgten unbestimmte Reaktionen, zieht Ebert die Analogie vom Dreikörperproblem der Physik zur Zwischenmenschlichkeit: „Wenn man vom Dritten nichts weiß, ist alles in Ordnung. Kommt‘s raus, folgt das Chaos.“

Ansonsten rät der Physiker seinen Zuhörern, ihre Ängste zu zügeln. Trotz aller Vorsicht könne man nicht alle Parameter berechnen, um jede Gefahr zu vermeiden. „Gehen Sie mal ein Risiko ein, machen Sie was Verrücktes“, lautet seine Empfehlung. „Putzen Sie ihre Zähne schon morgens mit Elmex und abends erst mit Aronal.“

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