Vernissage im Schnapspalast

„Hinter jedem Bild ein Mensch“

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Eine Geräuschimprovisation und ein Maskenspiel begleiteten die Ausstellung der Albert-Schweitzer-Schüler in der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein. 

Offenbach - „Alles Mist, totaler Mist!“, brüllt Alex (15), als er die expressionistischen Bilder seiner Klassenkameraden sieht. Kopfschüttelnd geht er von Werk zu Werk, bis er vor seinem eigenen stehen bleibt. Von Tanisha Groh

Eine Klassenkameradin ist völlig anderer Ansicht: „O mein Gott, wie wunderbar, wie schön“, lobt sie.

Beide tragen eine weiße Maske und sind schwarz gekleidet. Immer mehr Maskenträger schließen sich an, alle werfen sie mit Meinungen um sich, bleiben vor ihrem eigenen Bild stehen, bis sie die Masken abnehmen und im Chor sprechen: „Hinter jedem Bild ein Mensch.“

Als Teil des übergreifenden Projekts der Fächer Kunst, Musik und Darstellendes Spiel hat die Klasse 8d der Albert-Schweitzer-Schule dieses Maskenspiel erarbeitet. Bei der Vernissage im Foyer der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein konnten die 14- bis 15-Jährigen der Öffentlichkeit zeigen, was jeder im Hinterkopf behalten soll: „Jeder Mensch beurteilt die Gemälde der Schüler anders. Davon haben sie sich aber nicht abschrecken lassen“, betont Nicola Uhle-Weyers, Lehrerin für Darstellendes Spiel.

Ob das Stück überhaupt aufgeführt wird, stand bis vor kurzem allerdings auf der Kippe: Ganze sechs Schulstunden hatte die Klasse für das Einüben ihres Auftritts im Schnapspalast.

Dass dieses Projekt aus einer spontanen Laune heraus entstanden ist, erklärt Gabriele Juvan, die seit sieben Jahren Kunst an der ASS unterrichtet: „Eigentlich wollte ich den Kindern nur das Thema Expressionismus näherbringen. Geplant war, dass wir in die Bundesmonopolverwaltung gehen, dass jeder eine Skizze dessen macht, was er zeichnen möchte, und wir die Bilder in der Schule fertigstellen“, erklärt die Künstlerin. Dass sie von dem eigentlichen Zeichenobjekt so begeistert war, brachte die Kulturpreisträgerin erst auf die Idee, es als Ausstellungsraum zu nutzen.

Die jungen Künstler fanden die Idee von Anfang an gut und legten sich richtig ins Zeug. Dass für ihre Werke eine Benotung ansteht, rückte in den Hintergrund. Einigen fiel es trotzdem nicht leicht, das Thema Expressionismus umzusetzen: „Ich habe vier Bilder gezeichnet, weil die ersten drei das Thema nicht richtig getroffen haben“, erklärt Tobias Lehm (13). An zwei Bildern habe er sogar mehr als drei Stunden gearbeitet. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden.

Und wie steht es an so einem Tag um die Aufregung? Davon war bei Tobias nichts zu spüren: „Von meinen Klassenkameraden habe ich zwar nur Zuspruch geerntet, aber am wichtigsten ist sowieso, dass mir die Bilder gefallen und nicht den Betrachtern“, schildert er selbstbewusst.

Die musikalische Komponente lag in der Verantwortung der 5a. Zum Schluss unterhielten sie die begeisterten Zuschauer mit einer Geräuschimprovisation. Diese hatten sie mit Musiklehrer Sebastian Krämer eingeübt: „Die Akustik des Foyers ist so toll, dass es sich regelrecht angeboten hat, eine musikalische Performance einzubinden“, schwärmt er.

Bei diesem Erfolg wundert es nicht, dass sich Krämer vorstellen kann, auch in Zukunft verschiedene Fächer in einem Projekt zu vereinen.

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