Der Historie verpflichtet

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Hier präsentiert sich das sogenannte Gelbe Haus idyllisch. Innen sind verschiedene Firmen mit dem Innenausbau beschäftigt.

Rumpenheim ‐ Bei der Sanierung historischer Gebäude kann man manche Überraschung erleben: Da stellen sich Fenster als Attrappen heraus, hinter gemauerten Wänden taucht auf einmal ein weiteres Treppenhaus auf oder es öffnet sich der Boden und gibt den Blick frei aufs untere Stockwerk. Von Denis Düttmann

Doch Michael Janocha lässt sich von so etwas schon lange nicht mehr aus der Ruhe bringen. „Bei einem solchen Projekt kann man nicht arbeiten wie an einem Neubau“, sagt er. „Hier muss man sensibel mit der alten Bausubstanz umgehen und das Vorgehen bei unvorhersehbaren Ereignissen entsprechend anpassen.“

Seit Sommer vergangenen Jahres ist Janocha der verantwortliche Ingenieur auf der Baustelle am so genannten Gelben Haus. Investor Hans-Dieter von Meibom hat das ehemalige Rentamt am Rumpenheimer Schlosspark im April 2009 von der Stadt gekauft und lässt es nun aufwändig sanieren. Bereits im Winter könnten die ersten Mieter einziehen.

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„Gelbes Haus“ wird Schmuckstück

Die ältesten Teile des ehemaligen Verwaltungstrakts stammen etwa von 1620, der neueste Abschnitt wurde wohl Mitte des 19. Jahrhunderts angebaut. Die städtischer Denkmaltopographie beschreibt die Breite Straße 2: „Als Verwaltungsbau für die Güter des Schlosses im 19. Jahrhundert erbaute, hufeisenförmige Anlage. Der fünfachsige, zweigeschossige Mittelteil mit asymmetrischem Eingang hat ein Satteldach mit drei dreiecksgiebelgekrönten Gauben. Bis auf die Sandsteinrahmung der Fenster (...) ist der Bau schmucklos.“

Von Meibom will soviel historische Substanz wie möglich erhalten. „Das macht ja neben der exklusiven Lage den Reiz des Gebäudes aus“, so der Eigentümer. Die Vormieter indes hatten wenig Respekt vor der ehrwürdigen Geschichte: Da wurden Teppiche auf die alten Holzdielen geklebt, die Lehmwände mit Holzpaneelen verschalt und geschnitzte Handläufe in grellen Farben bemalt. Gemeinsam mit der unteren Denkmalschutzbehörde haben von Meibom und Janocha nun ein Sanierungskonzept ausgearbeitet, das dem historischen Erbe des Hauses Rechnung trägt.

Weite Teile des Gebäudes sind bereits entkernt, insgesamt 103 neue Fenster haben die Bauarbeiter eingesetzt, die Böden freigelegt und alte Gauben wieder hergestellt. Derzeit werden Elektro- und Wasseranschlüsse verlegt, neue Wände eingezogen und nach althergebrachter Methode mit Lehm verputzt. „Wir arbeiten mit der bestehenden Substanz“, erklärt Janocha. „Der Lehm beispielsweise ist mindestens 200 Jahre alt. Wir haben ihn abgeklopft, mischen ihn jetzt mit Wasser und bringen ihn dann wieder auf.“ Der Ingenieur hat Erfahrung mit traditionellen Handwerkstechniken: Er hat bereits im fränkischen Bad Windsheim und in Sprendlingen Fachwerkhäuser saniert.

Noch stapeln sich Backsteine an den Wänden

Zwar soll in den insgesamt acht Wohnungen möglichst viel erhalten werden, dennoch können künftige Mieter gehobenes Niveau erwarten. In die Wände kommt eine neue Wärmedämmung, Küche und Bäder entsprechen modernen Standards und jedes Appartement wird mit einem Kamin ausgestattet. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wird jede Wohnung eine sehr individuelle Note haben. Da gibt es eine Maisonette, die sich über drei Stockwerke zieht, eine Wohnung mit Kreuzgewölbe im Wohnzimmer und direktem Zugang zum Schlosspark und ein Appartement mit Rundbögen und uralten Holztüren. Auch die Zuschnitte der Wohnungen variieren: Die kleinste misst etwa 50, die größte rund 130 Quadratmeter.

Noch stapeln sich Backsteine an den Wänden und Rohrstücke in der Mitte der Räume, tiefe Gräben ziehen sich durch so manches Wohnzimmer und rohe Balken trennen die Zimmer. Und doch bekommt man schon eine Vorstellung vom exklusiven Wohnen am Park, in historischem Gemäuer, mit Blick auf das Schloss. Eigentümer Hans-Dieter von Meibom jedenfalls glaubt, dass Objekt gut am Markt positionieren zu können. „Wir haben bereits einige Interessenten, die hier einziehen möchten“, sagt er.

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